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Nach Russlands Angriff auf die Ukraine Jede vierte deutsch-russische Städtepartnerschaft ist ausgesetzt

Baden-Baden, Hamburg oder Karlsruhe: Es gibt mehr als 80 offizielle Kooperationen zwischen deutschen und russischen Städten. Der Krieg in der Ukraine führt jetzt in vielen Gemeinden zu kritischen Nachfragen.
aus DER SPIEGEL 10/2022
Schild in Speyer, Partnerstadt von Kursk: 17 Städte setzen Zusammenarbeit aus

Schild in Speyer, Partnerstadt von Kursk: 17 Städte setzen Zusammenarbeit aus

Foto: Sebastian Gollnow / picture alliance/dpa

Der Angriffskrieg in der Ukraine wirkt sich auch auf die Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Russland aus. Das zeigt eine SPIEGEL-Umfrage unter 82 deutschen Städten, die Partnerschaften oder besondere Kooperationen mit russischen Städten pflegen. Auf die Frage, ob sich der Krieg auf die Form der Beziehung auswirke, antworteten die Zuständigen von 61 Städten. 17 Verwaltungen geben an, dass man sich entschieden habe, die Partnerschaft formal auszusetzen oder diesen Schritt demnächst gehen wolle. Darunter sind Baden-Baden, Hamburg oder Neuss.

In einigen Städten wurde die Arbeit an gemeinsamen Projekten eingefroren, Veranstaltungen wurden abgesagt. Es gebe keine Grußworte, keinen Austausch, heißt es mancherorts. Tim Kruit­hoff, Oberbürgermeister in Emden, teilt mit, dass er »derzeit keine Grundlage« sehe, die Partnerschaft mit der Stadt Archangelsk »mit Leben zu füllen«. Er hoffe, dass die Beziehungen »alsbald auch offiziell auf friedlicher Grundlage fortgesetzt« werden könnten.

»Notwendigkeit zu einer harten Ansage«

Auch in Karlsruhe liegen die offiziellen Kontakte nach Krasnodar »auf Eis«, wie die Stadt mitteilt. Oberbürgermeister Frank Mentrup spricht von einer »dringenden Notwendigkeit zu einer klaren und harten Ansage« an seinen Amtskollegen in Russland. In Melle ruht die Partnerschaft mit Torschok. Es sei aber nicht beabsichtigt, »die Tür zuzuschlagen«, sagt Bürgermeisterin Jutta Dettmann.

Unter den Städten, die sich äußerten, hat aber keine ihre Partnerschaft grundsätzlich beendet. 44 Städte geben an, dass die Partnerschaft in Kraft bleibe, darunter Braunschweig, Berlin und Cottbus.

Städtetag setzt auf Partnerschaften

In Wolfsburg hält man die Verbindung nach Toljatti am Leben. Städtepartnerschaften böten »einen unverzichtbaren Dialogkanal in die Zivilgesellschaften«, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Dennis Weilmann sagt, er wolle nun erst recht den Kontakt nach Russland suchen. Nur so, sagt er, könne man »den Gedanken der Völkerverständigung auf kommunaler Ebene verfolgen«. Es sei »Putins Krieg und nicht der des russischen Volkes«, teilt die Stadt Chemnitz mit, die seit 1988 eine Partnerschaft mit Wolgograd hat.

Aus: DER SPIEGEL 10/2022

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