SPIEGEL-Umfrage Mehrheit für Stopp russischer Ölimporte

Ein Ölembargo würde Russland hart treffen. Die SPIEGEL-Umfrage zeigt: Trotz möglicher weiterer Preissteigerungen fände ein Importstopp in Deutschland viele Unterstützer.
Ölfeld nahe dem russischen Dorf Nikolo-Berezovka

Ölfeld nahe dem russischen Dorf Nikolo-Berezovka

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Sergei Karpukhin / REUTERS

Der Ukrainekrieg hat Russland international weitgehend isoliert. Vor einer besonders wirkungsvollen Maßnahme schrecken die Europäer bisher zurück: Ein Stopp russischer Öllieferungen würde Moskau hart treffen . Insbesondere Berlin zeigt bisher wenig Bereitschaft, einen solchen Schritt mitzugehen. Dabei würde die Mehrheit der Bevölkerung ein Ölembargo gegen Russland unterstützen – das zeigen Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL.

So antworteten 54 Prozent der Befragten auf die Frage, ob die Bundesregierung alle Ölimporte aus Russland trotz möglicher Preissteigerungen stoppen sollte, mit »ja« oder »eher ja«. Gegen eine solche Maßnahme positionierten sich 38 Prozent, 8 Prozent wollten sich nicht festlegen.

Die größte Unterstützung fände ein Lieferstopp unter den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen (84 Prozent). Bei den Sympathisanten von SPD (64 Prozent), FDP (50 Prozent) und Unionsparteien (50 Prozent) zeichnet immer noch eine überwiegende Zustimmung ab. Die Anhängerschaften von Linken und AfD lehnen eine solche Maßnahme dagegen mehrheitlich ab.

In Ost- und Westdeutschland ist das Meinungsbild zu einem möglichen Importstopp von russischem Öl sehr unterschiedlich. In den alten Bundesländern würde eine solche Maßnahme weitaus mehr Unterstützung erfahren als in den neuen – im Osten sind die Befürworter mit 38 Prozent in der Minderheit.

Befragt wurden für die aktuelle Erhebung gut 5000 Menschen im Zeitraum zwischen dem 7. März und 9. März. Lesen Sie hier Hintergründe zur Civey-Methodik.

Die USA hatten am Dienstag einen Importstopp für russisches Rohöl erlassen . Allerdings machen die Einfuhren aus Russland nur knapp acht Prozent aller US-Importe in dieser Kategorie aus. Der Anteil russischer Importe an den Rohöleinfuhren nach Deutschland liegt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums dagegen bei rund 35 Prozent.

Die USA seien Exporteur von Gas und Öl, was man für Europa insgesamt nicht sagen könne, betonte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau. »Und deshalb sind die Dinge, die getan werden können, auch unterschiedlich«, so Scholz.

Die Meinungsforscher von Civey fragten die Menschen auch, ob der für 2030 anvisierte Kohleausstieg Deutschlands angesichts der Unsicherheiten bei der Energieversorgung im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg verschoben werden sollte. 57 Prozent der Deutschen sprachen sich demnach dafür aus.

Den größten Zuspruch findet ein möglicherweise verzögerter Zeitplan bei Anhängerinnen und Anhängern der Unionsparteien (79 Prozent) und der AfD (86 Prozent). Sympathisanten der Grünen hingegen hätten kaum Verständnis für eine Verschiebung, 72 Prozent von ihnen sprachen sich dagegen aus.

Die SPIEGEL-Umfrage legt außerdem nahe, dass die Deutschen durchaus bereit sind, negative wirtschaftliche Folgen für die Bundesrepublik in Kauf zu nehmen, um die Ukraine zu unterstützen. Rund zwei Drittel sind laut der Erhebung dafür, Russland für die Invasion des Nachbarlandes zu sanktionieren, auch wenn sich das schlecht auf die deutsche Wirtschaft auswirken könnte.

Lediglich unter Sympathisantinnen und Sympathisanten von AfD und Linken findet sich keine Mehrheit für die Sanktionen trotz negativer wirtschaftlicher Folgen. Die größte Zustimmung gibt es in der Anhängerschaft der Grünen (93 Prozent), gefolgt von jener der Sozialdemokraten (80 Prozent). Auch bei potenziellen Wählern von Union und FDP bejaht die deutliche Mehrheit diese Frage.

Einmal mehr gibt es jedoch Unterschiede zwischen Ost und West: So finden sich im Westen (68 Prozent) deutlich mehr Befürworter einer harten Sanktionspolitik trotz möglicher wirtschaftlicher Folgen als im Osten (51 Prozent).

asc