Krieg in der Ukraine Scholz telefoniert erneut mit Putin – und will direkten Austausch fortsetzen

Bundeskanzler Scholz hat sich nach mehreren Monaten erneut mit Kremlchef Putin besprochen. Die Darstellungen des Anrufs gehen jedoch weit auseinander.
Bundeskanzler Olaf Scholz will den direkten Austausch mit Wladimir Putin fortsetzen

Bundeskanzler Olaf Scholz will den direkten Austausch mit Wladimir Putin fortsetzen

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FILIP SINGER / EPA

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat erstmals seit Mitte September mit Kremlchef Wladimir Putin am Telefon über den seit gut neun Monaten andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gesprochen. Zuerst hatte der Kreml den Austausch publik gemacht und dabei die Positionen Putins betont. Kurz darauf bestätigte die Bundesregierung das einstündige Telefonat.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Angaben eines Regierungssprechers berichtete, drängte Scholz Putin zu einem schnellstmöglichen Ende des Konflikts »inklusive eines Rückzugs der russischen Truppen«. Der Kanzler habe insbesondere die russischen Luftangriffe  gegen zivile Infrastruktur in der Ukraine betont, hieß es. Deutschland sei entschlossen, die Ukraine weiter zu unterstützen.

Der Kanzler bekräftigte damit, was er bereits beim bislang letzten Gespräch mit dem Kremlchef am 13. September zum Ausdruck gebracht hatte. Damals hatte Scholz auf eine schnellstmögliche diplomatische Lösung und einen Waffenstillstand mit vollständigem Abzug der russischen Truppen gedrängt.

Nach Kremlangaben hatte Russlands Präsident auf »die zerstörerische Linie westlicher Staaten, einschließlich Deutschlands, die das Kiewer Regime mit Waffen aufpumpen und das ukrainische Militär ausbilden« aufmerksam gemacht. Dies sowie finanzielle Hilfen führten dazu, dass die Ukraine Verhandlungen mit Russland ablehne, behauptete Moskau.

Putin fordert Beteiligung Russlands bei Nord-Stream-Untersuchungen

Die jüngsten massiven Raketenangriffe gegen die Ukraine rechtfertigte Putin demnach als Antwort auf »Provokationen Kiews«. Er nahm dabei Bezug auf die von einer Explosion schwer beschädigte Brücke zur annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie Energieobjekte.

Erneut forderte Putin laut Kreml auch eine Aufklärung des »Terroranschlags« gegen die Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2 durch transparente Ermittlungen – und zwar unter Beteiligung russischer Behörden. Explosionen hatten Löcher in Leitungen gerissen.

Scholz war im vergangenen Sommer dafür in die Kritik geraten, den direkten Draht zu Putin auch nach Beginn der russischen Invasion nicht gekappt zu haben. Der SPD-Politiker hatte das Vorgehen mehrfach verteidigt. Es sei notwendig, dass einige Länder und einige Führungspersönlichkeiten mit Putin sprächen, sagte Scholz im Juni etwa in einem Interview.

fek/dpa/Reuters
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