Umstrittener Altkanzler SPD-Politiker begrüßen Schröders Putin-Besuch

»Alles, was hilft, den Krieg in der Ukraine zu stoppen, ist gut«: SPD-Chef Klingbeil setzt im SPIEGEL leise Hoffnung in die Reise von Altkanzler Schröder nach Moskau. Auch andere Sozialdemokraten äußern sich positiv.
SPD-Altkanzler Gerhard Schröder

SPD-Altkanzler Gerhard Schröder

Foto: Omer Messinger / EPA-EFE

Die überraschende Reise von Gerhard Schröder nach Moskau wird in der SPD vorsichtig begrüßt. Ob der Besuch des Altkanzlers bei Wladimir Putin etwas bringe, werde sich zeigen, sagte SPD-Chef Lars Klingbeil dem SPIEGEL. »Klar ist: Alles, was hilft, diesen grauenvollen Krieg in der Ukraine zu stoppen, ist gut.«

Auch andere SPD-Politiker zeigten sich zurückhaltend optimistisch. »Schröder hat bisher so agiert, dass es beschämend war«, sagte der Abgeordnete Helge Lindh dem SPIEGEL. Aber wenn Schröder das Plazet der ukrainischen Regierung habe, sei es »nicht an uns zu sagen, ob es etwas bringt«. Schröder sei aber nicht im Auftrag der deutschen Regierung unterwegs. »Jeder Zugang zu Putin, den wahnsinnigen Krieg zu stoppen ohne falsche Konzessionen, ist akzeptabel und den Versuch wert«, sagte Lindh und erinnerte an die Vermittlungen von Schröder 2017 in der Türkei.

»Unabhängig davon, für wie realistisch man selbst eine solche Möglichkeit einschätzt, wäre es großartig, wenn Schröder seine persönliche Verbindung zu Putin dazu nutzen könnte, in Moskau tatsächlich Fortschritte für eine Waffenruhe und umfassende humanitäre Hilfen für die Ukraine zu erreichen«, sagte der SPD-Abgeordnete Ralf Stegner.

Auch im Ausland wurde Schröders Schritt begrüßt: Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) sieht in dem Treffen eine Möglichkeit, »um Gesprächskanäle herzustellen«. Die Qualität der Vermittlungsbemühungen werde man bewerten müssen, wenn Schröder über Ergebnisse berichte.

Wie das Nachrichtenportal »Politico« berichtete, ist Schröder auf Wunsch der Ukraine in die russische Hauptstadt gereist. Nach SPIEGEL-Informationen wusste die Bundesregierung nichts von dem Trip.

Laut »Politico« reiste Schröder am Montag nach Istanbul, um mit ukrainischen Politikern nach möglichen Lösungen aus dem Krieg zu suchen. Auf Bitten der ukrainischen Regierung soll der Altkanzler anschließend den Kreml nach einem Termin mit Präsident Putin gefragt haben. Am Mittwoch sei Schröder schließlich von einer russischen Maschine nach Moskau gebracht worden. Über das Gespräch mit Putin ist bislang nichts bekannt.

Deutschland sei ein freies Land, sagte der Abgeordnete Frank Junge. Schröder könne selbst entscheiden, was er tue und was nicht. »Sollte sein Einsatz etwas bewirken, wäre das doch gut.«

Ukrainischer Botschafter Melnyk: Nicht beteiligt

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrej Melnyk, erklärte am Donnerstagabend dem SPIEGEL, dass er keine Kenntnisse von der Reise Schröders habe. »Zwischen der Botschaft und Herrn Schröder gab es diesbezüglich keine Gespräche und keine Information. Und auch kein Mandat unsererseits. Der Botschaft war nicht bekannt, dass Herr Schröder eine Reise nach Moskau plante.«

Melnyk erklärte, er habe selbst erst am Donnerstag über die Medien und den Bericht von »Politico« von der Reise des Altkanzlers nach Russland erfahren. »Ich habe das mit Verwunderung aufgenommen, das ist spannend«, sagte der Diplomat.

Schröders Ehefrau Soyeon Schröder-Kim postete auf ihrer Instagram-Seite am Abend ein Foto von sich mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen, auf dem im Hintergrund die Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau zu sehen ist. Einen Kommentar schrieb sie zu diesem Bild nicht. Dem Bericht von »Politico« zufolge hat Schröder-Kim ihren Ehemann auf der Reise nach Moskau begleitet – mit einem Umweg über Istanbul.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Melnyk selbst hatte vor rund einer Woche in einer Sendung von »Bild-TV« die Idee eines Vermittlungsversuchs Schröders ins Spiel gebracht. Dazu erklärte er dem SPIEGEL: »Das war eine spontane, kreative Idee in einer laufenden Diskussion«. Ob von anderen Stellen in der Ukraine der frühere Kanzler mit der Reise nach Moskau beauftragt worden sein könnte, wie es der Bericht von »Politico« nahelegt, konnte Melnyk nicht sagen. Er habe diesbezüglich keine Informationen aus Kiew.