Ukraine-Botschafter Melnyk »Wir haben Angela Merkel fast blind vertraut«

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk glaubt, dass Angela Merkel den Angriffskrieg von Putins Truppen hätte verhindern können. Er fordert die frühere Kanzlerin auf, Stellung zu ihrer Russlandpolitik zu nehmen.
Putin, Merkel (2017 in Hamburg)

Putin, Merkel (2017 in Hamburg)

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Michael Kappeler/ dpa

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat Angela Merkel (CDU) schwere Vorwürfe wegen ihrer Russlandpolitik gemacht. Dass sein Land der früheren Kanzlerin »fast blind vertraut« habe, sei ein Fehler gewesen, sagte Melnyk der »Süddeutschen Zeitung«.

Auf die Frage, ob Deutschland eine Mitschuld an dem Krieg trage, und ob Merkel diesen Krieg hätte verhindern können, antwortet der Botschafter: »Ich glaube schon.«

Botschafter Melnyk

Botschafter Melnyk

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Christian Spicker / IMAGO

»Niemand wusste besser als sie, wie angespannt das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine geblieben ist und dass (der russische Präsident Wladimir) Putin keine Einigung, sondern die Vernichtung meiner Heimat will«, sagte Melnyk in einem Interview. Trotzdem sei in Berlin die Entscheidung für die umstrittene Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und gegen Waffenlieferungen an die Ukraine gefallen.

Melnyk forderte Merkel auf, Stellung zu ihrer Russlandpolitik zu nehmen. »Ich glaube, es wäre auch für Deutschland wichtig, dass Frau Merkel sich äußert.« Es gehe »nicht um Schuldzuweisungen. Es geht darum, zu verstehen, wie das Ganze schiefgelaufen ist.«

Zur Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte Melnyk: »Es steht außer Frage, dass Herr Steinmeier die Ukraine in Zukunft besuchen kann. Glauben Sie mir, es geht gar nicht darum, ob seine bisherige Distanzierung zu den gravierendsten Fehlern der Russlandpolitik als ausreichend empfunden wurde.«

Man brauche aber »nicht nur Worte, sondern vor allem mutige Taten, um diese verhängnisvollen Fehlentscheidungen zu korrigieren«, sagte Melnyk. »Daher wäre das deutlichste Zeichen deutscher Solidarität mit der Ukraine ein sofortiges Embargo für russisches Gas und Öl. Im Moment wäre es vorrangig, dass der Bundeskanzler die Ukraine besucht, weil nur er und die Ampel notwendige Entscheidungen über neue Waffen und weitere Strafmaßnahmen gegen Moskau treffen können.«

als/AFP