Verwendung des Z-Symbols Mehr als hundert Ermittlungsverfahren wegen Befürwortung des russischen Angriffskriegs

In mehreren Bundesländern wird gegen das Tragen von prorussischen Kriegssymbolen vorgegangen. Die Unterstützung des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine ist laut den Staatsanwaltschaften eine Straftat.
Prorussischer Autokorso in Hannover mit mehr als 600 Personen in 350 Fahrzeugen

Prorussischer Autokorso in Hannover mit mehr als 600 Personen in 350 Fahrzeugen

Foto: IMAGO/Ulrich Stamm / IMAGO/Future Image

Polizei und Staatsanwaltschaften in mehreren Bundesländern haben einem Bericht zufolge mehr als 140 Ermittlungsverfahren wegen der Befürwortung des russischen Angriffskriegs eingeleitet. In der Mehrheit der Fälle geht es um die Verwendung des Z-Symbols, mit dem die russische Armee in der Ukraine unter anderem ihre Panzer und Fahrzeuge kennzeichnet, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Allein in Sachsen-Anhalt wurden seit dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar mindestens 19 Verstöße gegen Paragraf 140 des Strafgesetzbuchs erfasst, der das Belohnen und Billigen von Straftaten unter Strafe stellt. In 17 dieser Fälle ging es laut Angaben des Landesinnenministeriums um die Verwendung des Z-Symbols.

T-Shirt-Verkauf mit russischen Kriegssymbolen in Sankt Petersburg

T-Shirt-Verkauf mit russischen Kriegssymbolen in Sankt Petersburg

Foto: ANATOLY MALTSEV / EPA

Die Verwendung des Symbols wird in mehreren Bundesländern als rechtswidrige Unterstützung des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs gewertet. »Das Zeigen dieses Symbols in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg führt zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, wenn nach dem Gesamtkontext ein Befürworten oder Gutheißen des russischen Angriffskriegs zum Ausdruck gebracht werden soll«, teilte eine Sprecherin des Innenministeriums in Magdeburg mit.

Das Z ist das Symbol für Putins Krieg gegen die Ukraine. In Russland muss der offiziell »militärische Sonderoperation« heißen. Dass der Überfall Russlands auf die Ukraine völkerrechtswidrig war, steht nach Ansicht von Experten außer Frage. Wer das Z zeigt, um sich mit Putins Angriff auf die Ukraine zu solidarisieren, könnte mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Das bestätigte auch ein Gutachten aus Sachsen-Anhalt  von Ende März: Demnach handelt es sich regelmäßig um die rechtswidrige Billigung einer Straftat, wenn jemand mit Bezug zu Russland oder dem derzeitigen Krieg in der Ukraine das Z-Symbol zeigt.

»Die Meinungsfreiheit endet aber dort, wo das Strafrecht beginnt«

In Hamburg wurden bereits mindestens 17 Verfahren wegen der Billigung des Angriffskriegs eingeleitet, in 16 davon ging es ebenfalls um die Verwendung des Z-Symbols. In Nordrhein-Westfalen sind dem Landesinnenministerium 37 Ermittlungsverfahren bekannt. »Davon hatten 22 Ermittlungsvorgänge das Z-Symbol als Zeichen der Solidarität mit den russischen Militärbefehlshabern zum Inhalt«, teilte eine Ministeriumssprecherin dem RND mit. Darüber hinaus wurden in Nordrhein-Westfalen seit Kriegsbeginn mehr als hundert Sachbeschädigungen festgestellt, die in einem Zusammenhang mit dem Krieg stehen. Auch dabei habe das Z in etlichen Fällen eine Rolle gespielt, erklärte die Sprecherin.

Nicht in allen Bundesländern werden Ermittlungsverfahren wegen der Befürwortung des russischen Angriffskriegs von den Behörden gesondert erfasst. Die tatsächliche Zahl der registrierten Straftaten im Kontext des Krieges dürfte deshalb noch um einiges höher sein.

Dem bayerischen Justizministerium liegen beispielsweise keine Daten zur Zahl dieser Ermittlungsverfahren vor. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) betonte jedoch, die bayerischen Staatsanwaltschaften gingen konsequent gegen Personen vor, die den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg öffentlich billigten. »Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut unserer Verfassung. Jeder darf seine Meinung in Deutschland äußern. Die Meinungsfreiheit endet aber dort, wo das Strafrecht beginnt«, sagte Eisenreich. Der Minister erklärte: »Wir akzeptieren nicht, wenn völkerrechtswidrige Verbrechen gebilligt werden.«

sug/afp
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