Umfrage 42 Prozent der Deutschen lehnen Sarrazins Thesen ab

42 Prozent der Deutschen lehnen Thilo Sarrazins Äußerungen über Muslime ab. 37 Prozent sagen, er habe Recht. Zu dem Ergebnis kommt eine Umfrage des Berliner Info-Instituts. Die Studie zeigt zugleich: Eine kritische Einstellung zum Islam ist auf dem Vormarsch.

SPD-Politiker Sarrazin: auch in der eigenen Partei mehr Ablehnung als Zustimmung
dpa

SPD-Politiker Sarrazin: auch in der eigenen Partei mehr Ablehnung als Zustimmung


Berlin - Die Spitzenpolitiker waren sich in der Ablehnung seiner Thesen einig, aber an der Basis von Union und SPD klang das Urteil über Thilo Sarrazin nicht ganz so negativ. In der Form daneben, hieß es da, vor allem die ganze Gen-Debatte, aber im Kern hat er doch recht, Integrationsverweigerer seien tatsächlich ein Problem.

Jetzt hat das Meinungsforschungsinstitut Info die Frage repräsentativ untersucht: Was halten die Bundesbürger von Sarrazins Kritik an muslimischen Einwanderern? Die Mehrheit sieht die seine Äußerungen kritisch:

  • 42 Prozent der Befragten stimmen Sarrazin nicht zu.
  • 37 Prozent geben ihm Recht.
  • 21 Prozent kennen Sarrazins Thesen nicht oder gaben keine Meinung an.

Das unabhängige Institut aus Berlin hatte 1040 Bundesbürger befragt.

Die Info-Studie zeigt auch, dass islamkritische Einstellungen zugenommen haben. 39 Prozent der Befragten sagten, der Islam sei keine "friedfertige Religion, die überhaupt nicht zu Gewalt neigt". Im Januar hatten 30 Prozent dieser Aussage zugestimmt.

Für Holger Liljeberg, den Leiter des Instituts, haben Sarrazins Äußerungen die Islamfeindlichkeit in Deutschland verstärkt. "Da im Zeitraum seit Januar in der Integrationspolitik nichts Außergewöhnliches passiert ist, muss die Zunahme mit der Debatte um Sarrazin zu tun haben."

Jeder sechste Befragte hält die islamische Religion für "eine Bedrohung für die deutsche Kultur". Die höchsten Werte für islamkritische Einstellungen fand die Studie bei Anhängern der FDP. Von den befragten Liberalen halten 52 Prozent den Islam für keine friedfertige Religion, bei den Linken sind es nur 20 Prozent.

Die größte Zustimmung erfährt Sarrazin in der Union

Bei der Bewertung Sarrazins liegen die Zahlen für Zustimmung und Ablehnung in den einzelnen Parteien nicht weit auseinander. Laut der Umfrage steht auch in der SPD keine Mehrheit hinter Sarrazin. 36 Prozent der Genossen geben Sarrazin Recht, 43 Prozent sagen, er habe Unrecht. Die SPD will Sarrazin aus der Partei ausschließen.

Die größte Zustimmung erfährt Sarrazin in der Union. 45 Prozent der Anhänger von CDU und CSU sagen, Sarrazin habe völlig oder grundsätzlich Recht, für 43 Prozent der Befragten hat er Unrecht.

Während andere Umfragen teilweise große Zustimmung zu einzelnen Thesen Sarrazins ausmachten, zeige die Info-Studie, dass es für dessen Gesamtaussagen über Muslime keine Mehrheit gibt, sagt Institutsleiter Liljeberg. "Zustimmung in Einzelfragen, aber Ablehnung seiner Gesamthaltung", lautet für ihn das Fazit der Studie.

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erich42 11.09.2010
1. Zwang zur Toleranz?
Zitat von sysopSeit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?
Zwang hätte wohl nur dann einen Sinn, bestünde Aussicht auf Erfolg. Und dass dies der Fall wäre, halte ich im Hinblick auf den von Sarrazin hauptsächlich kritisierten Islam für annähernd ausgeschlossen. "Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, ..." Besser, viel viel besser als versuchter Zwang wäre m.M.n. die effiktive Begrenzung von Zuwanderern, die einer Religion anhängen, die von den meisten ihrer Gläubigen auch als Ideologie verstanden und den Menschenrechten und westl. Verfassungen widersprechend interpretiert wird. Gleichzeitig sollte die in vielen EU-Staaten gegebene Automatisierung der Vergabe von Staatsbürgerrechten via Geburtsort und damit die Einräumung des Wahlrechts ersetzt werden durch gezielte Auswahl nach detailierter Prüfung antragsstellender Kandidaten, die dieses Recht beantragen. Sonst könnte das vielleicht in der Tat schon so nach 2, 3 Generationen noch was werden mit der Islamisierung des Abendlands und die würde dann auch den Abschied der gegenwärtig praktizierten aufklärungsbedingten Toleranz in Europa bewirken, würde sich der Islam nicht wandeln, eine Wandlung, die ich in absehbarer Zeit allerdings nicht erwarte.
Velbert2 11.09.2010
2. Deutsche Sprache
Zitat von sysopSeit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?
Der Dreh- und Angelpunkt einer gelungenen Integration ist die gemeinsame Sprache. Ohne eine gute Beherrschung, in unserem Fall, der deutschen Sprache ist ein gedeihliches Zusammenleben, auf längere Sicht, nicht vorstellbar. Es würde sich bestenfalls ein mehr oder weniger erfreuliches Nebeneinanderleben einstellen, das von zahlreichen Missverständnissen, durch sprachliches Unverwögen hervorgerufen, bedroht wäre.
Kailash 11.09.2010
3.
Zitat von sysopSeit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?
Wie soll das funktioniern? Bisher wurde jegliche vernünftige Integrationspolitik durch die Grünen verhindert. In der Zukunft wird es auch nicht anders sein.
☺☺☺ 11.09.2010
4.
Hauptproblem ist nicht der Islam, sondern die radikale Form davon wie z.B. Sunniten. Alevitische Türken z.B. sind ohne Zweifel problemlos integrierbar. Die sind Moslems etwa so wie viele Deutschen Christen: Völlig passiv und im Grunde nicht an Religion interessiert. Durchgeknallten Kopftuch-Fundis dagegen wird man auf keine Weise integrieren können.
Noodles, 11.09.2010
5. Man brauchte Lohnsklaven
Zitat von sysopSeit der Veröffentlichung von Thilo Sarrazins Buch steht der Streit um die Integration von Einwanderern in Deutschland im Mittelpunkt der gesellschaftlichen und politischen Debatte. Soll der Staat Einwanderer zur Integration zwingen?
aber es kamen Menschen. Das deutsche Kapital das mit ausländischen Billig Jobbern zu Hungerlöhnen jahrzehntelang einen Riesenreibach gemacht hat, denkt natürlich nicht im Traum daran sich an den sozialen Folgekosten bzw. Integrationskosten nzu beteiligen. ... Die werden den deutschen Lohnsklaven über HATZ IV, Rente mit 67, Ein Euro-Jobs und Ähnlichem aufs Auge gedrückt. Gewinne privatisieren Verluste sozialisieren das alte Lied. Es gibt Leute die nennen das Demokratie.
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