Umfrage AfD sackt unter fünf Prozent

Der Rückzug von Hans-Olaf Henkel aus dem Parteivorstand kostet die AfD offenbar Sympathien. Die Partei rutschte laut einer Umfrage gleich um zwei Prozentpunkte ab. Verbessern kann sich dagegen die Linke.

Hans-Olaf Henkel: Dem Vorstand den Rücken gekehrt
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Hans-Olaf Henkel: Dem Vorstand den Rücken gekehrt


Dämpfer für die AfD. Der monatelange Höhenflug der Euro-Kritiker ist unterbrochen. Nach dem Rücktritt des früheren BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel aus dem Bundesvorstand rutscht die Partei gleich um zwei Prozentpunkte ab. Laut dem stern-RTL-Wahltrend landet sie bei vier Prozent und fällt damit zum ersten Mal seit der Jahreswende unter die Fünf-Prozent-Marke.

Henkel hatte dem Vorstand der rechtskonservativen Partei am vergangenen Donnerstag den Rücken gekehrt. Momentan vergeht in der Alternative für Deutschland (AfD) kaum ein Tag ohne Rücktritte. AfD-Vorstandssprecher Bernd Lucke vergleicht die Lage mit der der Grünen Anfang der Achtzigerjahre. Die jetzigen Auseinandersetzungen in der AfD seien "nicht unähnlich den Auseinandersetzungen zwischen Fundis und Realos in den frühen Jahren der Grünen". Dafür gebe es keine schnelle Lösung, sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Die Erfahrung der Grünen zeige aber, dass solche Konflikte im Laufe der Zeit gelöst werden könnten, "wenn die Partei sich einig ist über die Wichtigkeit ihrer politischen Anliegen".

Die Partei steckt derzeit in einer Existenzkrise, die Querelen halten an. Die Linke kann sich im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf neun Prozent verbessern. Die Werte für die anderen Parteien bleiben dagegen unverändert: CDU/CSU 42 Prozent, SPD 24, Grüne zehn, FDP vier Prozent. Auf die sonstigen kleinen Parteien entfallen nun sieben Prozent, ein Punkt mehr als in der Vorwoche. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen beträgt 29 Prozent.

Bei der politischen Kompetenz - welche Partei mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird - verliert die Union einen weiteren Punkt und kommt auf 33 Prozent. Der SPD trauen das nur noch zehn Prozent zu, zwei Punkte weniger als in der Vorwoche.

Weiter krasse Unterschiede zwischen Ost und West

Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger (51 Prozent) ist der Meinung, dass keine Partei die Probleme lösen kann, darunter immerhin 43 Prozent der SPD-Anhänger. Auch in der Kanzlerfrage hat die Partei das Nachsehen. Wenn der Regierungschef direkt gewählt werden könnte, erhielte SPD-Chef Sigmar Gabriel jetzt nur noch elf Prozent, zwei Punkte weniger als in der Vorwoche - sein schlechtester Wert in diesem Jahr. Aber auch Angela Merkel verliert einen Punkt, hat damit allerdings immer noch 58 Prozent, 47 mehr als Gabriel.

Würde an diesem Sonntag der Bundestag gewählt, wäre die Linke mit 20 Prozent die zweitstärkste Kraft in Ostdeutschland, nach der Union mit 41 Prozent (West: 42). Für Forsa-Chef Manfred Güllner keine Überraschung: "Sie gilt dort nach wie vor als Kümmererpartei, die regional extrem gut verankert ist, während sie in den alten Bundesländern mit sechs Prozent kaum eine Rolle spielt."

Die SPD käme im Osten auf 18, im Westen auf 25 Prozent. Auch die Grünen sind mit elf Prozent stärker im Westen als im Osten (fünf Prozent), ebenso die FDP (West: fünf, Ost: zwei). Umgekehrt ist es bei der AfD - im Osten hätte sie sechs, im Westen nur vier Prozent.


Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte vom 20. bis 24. April 2506 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

ler/sev



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question2001 29.04.2015
1. 6%
6% für die Linke im Westen bedeutet "kaum eine Rolle spielen"? Dann wäre die AfD ja auch nicht der Rede wert. Und die Grünen im Osten. Herr Güllner dreht die Dinge gerne in eine ihm genehme Richtung. Bei Meinungsforschung geht es aber nicht um seine Meinung.
David67 29.04.2015
2. An der Hetze gegen AfD und ihrer Demontage
haben spon, die Medien und unser ÖTV kräftig mitgewirkt- da werden bei euch wohl die sektkorken knallen. Oder schämt sich einer?
reuanmuc 29.04.2015
3.
Das sehe ich als positives Zeichen für diese Gesellschaft. Nicht, dass ich etwas gegen die Partei hätte und ihr einen Misserfolg wünschen würde. Aber es scheint, dass das Protestpotenzial doch nicht so hoch ist, wie es oft scheint, auch in den hiesigen Diskussionsforen. Die destruktiven Berufsprotestler sind eine lautstarke Truppe, wie Pegida, aber offenbar haben sie keine Mehrheit in der Gesellschaft. Protest gehört ganz selbstverständlich zu einer freien Gesellschaft, wenn sich der Protest aber diffus gegen alles und jedes richtet, dann ist er nur destruktiv. Eine freie Gesellschaft braucht genauso die Fähigkeit zum Kompromiss wie den Protest. Genau das fehlt diesen Dauernörglern, die nur ihre eigenen Interessen vertreten sehen wollen. Deshalb reißt es diese Partei auseinander.
Immanuel_Goldstein 29.04.2015
4.
Die AfD wird bald verschwunden sein, denn sie wird nur der NPD das Wasser abgraben und sonst niemandem.
cash.jonni 29.04.2015
5. Umfragen von Forsa
sollte man, wenn überhaupt, mit äußerster Vorsicht zur Kenntnis nehmen.
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