Umfrage ARD sieht erstmals seit 2002 wieder rot-grüne Mehrheit

Die politische Stimmung in Deutschland kippt: In der Sonntagsfrage erreichen SPD und Grüne erstmals seit acht Jahren die Mehrheit im ARD-Deutschlandtrend. Die SPD zieht mit der CDU gleich, 83 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit der schwarz-gelben Regierung.

SPD-Chef Gabriel (l.), Fraktionschef Steinmeier, Grünen-Vorsitzende Künast: Umfragehoch
DDP

SPD-Chef Gabriel (l.), Fraktionschef Steinmeier, Grünen-Vorsitzende Künast: Umfragehoch


Köln - Höhenflug für Rot-Grün: Erstmals seit Oktober 2002 kommen SPD und Grüne im ARD-Deutschlandtrend zusammen auf 48 Prozent und erreichen damit mehr als die anderen im Bundestag vertretenen Parteien zusammen. Für die Sonntagsfrage im Auftrag der "Tagesthemen" hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap von Montag bis Mittwoch 1500 Wahlberechtigte telefonisch befragt.

In der Sonntagsfrage verliert die Union gegenüber dem Vormonat zwei Punkte und kommt auf 31 Prozent. Die SPD kann einen Punkt hinzugewinnen und erreicht ebenfalls 31 Prozent. Dies ist der beste Wert für die SPD seit Juni 2007. Zuletzt lagen die beiden großen Parteien im November 2006 gleichauf. Die FDP kommt unverändert auf fünf Prozent. Die Grünen liegen wie zuvor bei 17 Prozent. Die Linke bleibt bei zehn Prozent. Union und FDP sind mit zusammen 36 Prozent so schwach wie nie zuvor im ARD-Deutschlandtrend.

Auf die Frage, ob Deutschland in der gegenwärtigen Situation von einer Unions-geführten Bundesregierung regiert werden sollte, antworten nur 32 Prozent mit Ja. 42 Prozent sprachen sich für eine SPD-geführte Bundesregierung aus. Zugleich zeigten sich 83 Prozent unzufrieden mit der Arbeit der schwarz-gelben Koalition, das ist ein Zuwachs um vier Punkte gegenüber dem Vormonat.

Guttenberg am beliebtesten, Rösler ist Schlusslicht

In der Zufriedenheitsskala der einzelnen Regierungsmitglieder erfährt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die größte Zustimmung (71 Prozent). Dies ist der beste Wert, der je im ARD-Deutschlandtrend für ihn gemessen wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) liegt im Mittelfeld (41 Prozent). Vor ihr rangieren Sozialministerin Ursula von der Leyen (56 Prozent), Finanzminister Wolfgang Schäuble (53 Prozent), Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (49 Prozent), Innenminister Thomas de Maizière (44 Prozent) sowie Umweltminister Norbert Röttgen (42 Prozent).

Unter den letzten fünf Ministern auf der Beliebtheitsskala befinden sich Außenminister und Vizekanzler Guido Westerwelle (22 Prozent), fast gleichauf mit anderen FDP-Ministern. Mit der Arbeit von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sind 23 Prozent der Deutschen zufrieden, 21 Prozent sind es bei Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. Schlusslicht ist Gesundheitsminister Philipp Rösler, dessen Arbeit nur 18 Prozent der Deutschen als gut bewerten.

Optimismus bei der Wirtschaftslage

Die wirtschaftliche Lage beurteilen die Deutschen so optimistisch wie lange nicht mehr. Eine Mehrheit von 58 Prozent sagt: "Man merkt, dass es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht."

Exakt die Hälfte der Befragten (50 Prozent) rechnet damit, dass die wirtschaftliche Lage in einem Jahr besser sein wird als heute. Das sind auf der Prozentskala sechs Punkte mehr im Vergleich zu einer vorausgegangenen Umfrage vom November vergangenen Jahres. Etwa ein Drittel (31 Prozent) geht davon aus, dass die wirtschaftliche Lage in einem Jahr etwa gleich sein wird. Nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent) rechnet mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage.

Der optimistische Blick auf die Wirtschaftsentwicklung weckt bei vielen Hoffnung auf mehr Geld in der Lohntüte. Mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) sind der Meinung: "Den Unternehmen geht es zwar besser, aber die Beschäftigten merken nichts davon". So finden denn auch 71 Prozent die Forderungen der Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen in der nächsten Tarifrunde von mindestens drei Prozent für angemessen.

luk/ddp/dpa

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reikur 10.07.2010
1.
Zitat von sysopDie Kanzlerin steht in der Kritik, die Regierung kommt aus den schlechten Schlagzeilen nicht heraus - was muss sich ändern bei Schwarz-Gelb?
Zurücktreten, Neuwahlen
Brand-Redner 10.07.2010
2. Dekadenz
Zitat von sysopDie Kanzlerin steht in der Kritik, die Regierung kommt aus den schlechten Schlagzeilen nicht heraus - was muss sich ändern bei Schwarz-Gelb?
Wenn schon nicht das Land, dann sollte Merkel wenigstens die eigene Partei vor weiterem Schaden bewahren. Dazu ist es allerdings unvermeidlich, nun endlich den spätrömisch Dekadenten den Stuhl vor die Tür zu setzen. Gelingt dies nicht, kann man Merkel & Co. nur noch eines empfehlen: Abtreten und Neuwahlen ausrufen!
BeckerC1972, 10.07.2010
3.
Ich würde ihr einen zügigen Rücktritt nahelegen - zusammen mit den ganzen anderen "Nach der Wahl ist alles anders"-Lügnern. Jaja, Politiker haben immer nur gelogen. Weiß ich auch. Ist aber kein Pro-Argument. Wenn plötzlich die Gestaltungsräume der Politik vollkommen erschöpft sind und man sich eh nur "Sachzwängen" unterwerfen muss, ist der Gedanke der Kompetenzsteuerung eh hinfällig. Bestes Beispiel dürfte wohl der Gigantenwurf "Gesundheitsreform" sein. Welch' eine Leistung. Im Moment ist es wirklich ein Trauerspiel in Berlin. Und überall sonst auch. Die mentale Verjüngung steht aus - und der Wille, auch mal neue Wege zu beschreiten. Immerhin bedeuten neue Wege auch das Abschneiden alter Zöpfe - und das will ja niemand wirklich.
beobachter1960 10.07.2010
4. Schröder 2.0
Bei der CDU vollzieht sich eine ähnliche Entwicklung wie damals in der SPD. Die Mitglieder und das Programm sind nur Makulatur, dienen der Außendarstellung, haben aber keine Funktion mehr. Regiert und Gestaltet wird per Erlaß und auf Einflüsterung von Beratern. Und diese kommen aus "der Wirtschaft" und der Lobby. Selbstverständlich ist dann auch alles "Alternativlos", man sucht ja auch eine Alternativen mehr. Es würde mich nicht wundern wenn jemand wie Koch demnächst mit Merz zusammen eine Partei gründet der dann der rechte Flügel der CDU zufließt.
D0nJuAn 10.07.2010
5. lächerlich
Wenn ich diesen Arroganten Söder noch einmal im Fernsehen sehe werf ich nen Bierkrug auf ihn. Dieses ewig intrigante zerstörerische von dieser Person ist einfach nur wiederlich. Das sagt schon alles über die Bayrische CSU aus.Wie kann man denn jeden Ansatz der eigenen Partei ständig auf dem Alter der Landespolitik und des eigenen Egos opfern. Wie Machtgeil und Egozentrisch muss ein Mensch sein, dass er sich bei jeder Gelegenheit zu Wort meldet. Die sollten sich lieber darum kümmern, dass der Rößler mit sienen Reformen weitermacht schließlich ist er noch ein paarJährchen im Amt und allein gestern habe ich 3 Interviews gelesen wo er gesagt hat, dass das ganze nur ein 1. Schritt ist um das ganze bis 2011 zu stabilisieren damit sie sich an die Struktur machen könne. Er wisse selber, dass es dabei nicht bleiben kann. Jetzt wird dieser Mann wieder von emporlingen der eigenen Partei versucht zu stürzen. Dieses Kasperletheater ist lächerlich.
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