Umfrage Deutsche finden Atomwende der Regierung unglaubwürdig

Die Bundesbürger finden die jüngsten Entscheidung der Bundesregierung zur Atomkraft richtig. Gleichzeitig misstrauen viele laut einer Umfrage im Auftrag der "Bild" dem Kurswechsel. Und zwar immerhin satte 81 Prozent.
Angela Merkel im Bundestag: "Ausstieg mit Augenmaß"

Angela Merkel im Bundestag: "Ausstieg mit Augenmaß"

Foto: dapd

Berlin - Diese Zahl wird Kanzlerin Angela Merkel nicht erfreuen: Rund 81 Prozent der Deutschen halten den Kurswechsel der Bundesregierung bei der Atompolitik für "nicht glaubwürdig". Das ergab eine online-gestützte Repräsentativumfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der "Bild"-Zeitung. Zugleich begrüßen aber 70 Prozent die Entscheidung, die sieben ältesten Atomkraftwerke für mindestens drei Monate vom Netz zu nehmen. Knapp ein Viertel hält den Beschluss für nicht richtig. Fast drei Viertel der Bundesbürger befürchten höhere Strompreise, falls der Atomausstieg beschleunigt wird, 19 Prozent erwarten dies nicht.

Merkel hatte die Kehrtwende in der Atompolitik zuvor im Bundestag gegen Kritik verteidigt. In einer Regierungserklärung begründete die CDU-Chefin das vorläufige Abschalten der sieben ältesten deutschen Meiler am Donnerstag mit dem Schutz der Bevölkerung. Sie will aber trotz der Atomkatastrophe in Japan grundsätzlich an der Atomkraft als Brückentechnologie festhalten, den Ausbau erneuerbarer Energien aber beschleunigen. Die Opposition warf ihr Unglaubwürdigkeit und Rechtsbruch vor.

Merkel nutzte die Rede zu scharfer Kritik am früheren Koalitionspartner SPD. "Was wir brauchen, ist ein Ausstieg mit Augenmaß", sagte die Kanzlerin. Ein Industrieland wie Deutschland könne nicht sofort auf Atomkraft verzichten. Die deutschen Kernkraftwerke gehörten zu den weltweit sichersten. Doch: "Wenn in einem so hoch entwickelten Land wie Japan das scheinbar Unmögliche möglich (...) wurde, dann verändert das die Lage", sagte Merkel. "Es gilt der Grundsatz: Im Zweifel für die Sicherheit." Sie lehne es jedoch ab, Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten und Strom aus anderen Ländern zu beziehen.

Die Regierung hatte die Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke am Montag für drei Monate auf Eis gelegt. Am Dienstag vereinbarte sie mit den Ländern mit Atomstandorten, die sieben ältesten Meiler und den Pannenreaktor Krümmel für diese Zeit vom Netz zu nehmen. Den Vorwurf der Opposition nach juristischen Tricks wies Merkel zurück. "Dies ist kein Deal."

ler/dpa/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.