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27. Juni 2019, 17:20 Uhr

SPON-Umfrage

Deutsche haben Angst vor Terror von rechts

Der Mordfall Lübcke besorgt die Bundesbürger: Laut einer SPON-Umfrage hält eine sehr große Mehrheit rechtsextremen Terror für eine ernst zu nehmende Gefahr. AfD-Anhänger sehen das anders.

Aus nächster Nähe wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) Anfang Juni erschossen. Der dringend tatverdächtige Stephan Ernst hat inzwischen ein Geständnis abgelegt. Er war in der Vergangenheit vom Verfassungsschutz als gewaltbereiter Rechtsextremist eingestuft worden.

Der Fall hat auch Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE. Gefragt wurde: "Ist rechtsextremer Terrorismus Ihrer Einschätzung nach eine ernst zu nehmende Gefahr für die Sicherheit Deutschlands?" Fast 74 Prozent der Befragten beantworteten dies mit Ja. Nur rund 20 Prozent verneinten. Befragt wurden 5000 Personen am Mittwoch und Donnerstag (Stichprobenfehler 2,6 Prozent).

Bei einer Civey-Umfrage im März - also vor der Ermordung von Lübcke - zu diesem Thema hatten zwar auch schon rund 72 Prozent diese Frage bejaht. Aber der Anteil derjenigen, die mit "Ja, auf jeden Fall" antworteten, liegt jetzt bei rund 59 Prozent und damit rund zehn Prozentpunkte höher als im März.

Unter den Anhängern der im Bundestag vertretenen Parteien sind die Ansichten ebenfalls eindeutig: Rund 75 Prozent der Anhänger von CDU und CSU halten rechtsextremen Terror für eine Gefahr. Noch drastischer fiel das Ergebnis bei Wählern von SPD (fast 95 Prozent) und Grünen (fast 94 Prozent) aus. Im Lager der Linken sind es rund 82 Prozent. Bei den Anhängern der FDP sind es mehr als 58 Prozent.

Ganz anders fiel die Befragung bei Wählern der rechtspopulistischen AfD aus: Nur rund 13 Prozent dieser Gruppe halten rechtsextremen Terror für gefährlich. Rund 77 Prozent sehen die Sicherheit in Deutschland nicht bedroht.

Zahl der Rechtsextremen in Deutschland steigt

Die Zahl der Rechtsextremen in Deutschland ist derweil angestiegen. Das geht aus dem neuen Verfassungsschutzbericht hervor, den Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang am Donnerstag vorstellten. Zurzeit gibt es demnach 24.100 Rechtsextremisten im Land. Ein Zuwachs von 100 Personen im Vergleich zum Vorjahr. 12.700, also mehr als die Hälfte von ihnen, werden vom Verfassungsschutz als "gewaltorientiert" eingestuft. Zum Vergleich: 9000 Linksextremisten sind laut Verfassungsschutz gewaltbereit.

Die politisch rechts motivierten Straftaten gingen dem Bericht zufolge zwar insgesamt leicht auf 20.431 zurück. Dem steht jedoch im Vergleich zum Jahr 2017 ein Zuwachs der registrierten Gewaltstraftaten und Propagandadelikte gegenüber.

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