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20. Mai 2014, 12:54 Uhr

Umfrage zu Auslandseinsätzen

Deutsche lehnen stärkeres Engagement in der Welt ab

Die Mehrheit der Bürger ist laut einer Umfrage gegen eine international größere Verantwortung Deutschlands. Genau die hatten Politiker aber zuletzt gefordert. Außenminister Steinmeier spricht nun von tiefen Gräben zwischen Volk und Politik.

Berlin - Ursula von der Leyen hatte sich dafür ausgesprochen, ebenso Bundespräsident Joachim Gauck: Deutschland solle international mehr Verantwortung übernehmen. Doch die Bürger sehen das ganz anders, wie jetzt eine Umfrage zeigt. Fast zwei Drittel lehnen ein größeres internationales Engagement ab, ergab eine repräsentative Erhebung, die das Auswärtige Amt mit der Körber-Stiftung in Auftrag gegeben hat. Demnach finden nur 37 Prozent, dass sich Deutschland weltweit stärker engagieren sollte. 60 Prozent sind dagegen.

Widersprüchlich fallen die Antworten zu Fragen nach Militäreinsätzen aus: Allgemein halten sie nur 13 Prozent für das richtige Mittel der Außenpolitik. Ganz anders sind die Antworten, wenn konkret nach möglichen Einsatzgründen gefragt wird: So bezeichnen 87 Prozent einen Einsatz deutscher Truppen im Ausland sehr wohl für gerechtfertigt, wenn es eine direkte Bedrohung von Frieden und Sicherheit in Europa geben sollte. 82 Prozent halten dies für richtig, um in anderen Ländern einen Völkermord zu verhindern. Zudem zeigen sich die Deutschen solidarisch: 70 Prozent sind auch dann dafür, dass die Bundeswehr im Ausland eingesetzt werden sollte, wenn ein Verbündeter direkt bedroht werde.

Steinmeier will Gräben überwinden

Bei den gewünschten Prioritäten der Außenpolitik steht der weltweite Schutz der Menschenrechte ganz vorn. Wirtschaftliche Interessen Deutschlands sieht dagegen nur ein Viertel der Befragten als Grund, sich außenpolitisch zu engagieren.

Die am Dienstag veröffentlichte Umfrage gehört zu einer Überprüfung, die Frank-Walter Steinmeier nach seiner Rückkehr ins Auswärtige Amt in Auftrag gegeben hatte. Steinmeier sprach am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin von einem "tiefen Graben" zwischen der breiten Öffentlichkeit und der außenpolitischen Elite, der überwunden werden müsse. "Politik muss sich über solche Gräben hinwegbewegen, damit sie handlungsfähig bleibt." Angesichts der Veränderungen in der Welt müsse man auch "vermeintliche Gewissheiten infrage stellen". Deutschland sei in der veränderten Welt "noch nicht so richtig neu verortet".

Noch vor 20 Jahren fanden deutlich mehr Bundesbürger, dass sich Deutschland stärker in der Außenpolitik engagieren sollte: Damals waren es 62 Prozent - 25 Prozent mehr als heute.

ler/dpa/Reuters

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