Umfrage Deutsche verlieren das Zutrauen in Schwarz-Rot

Gut ein halbes Jahr nach dem Regierungswechsel sinkt das Vertrauen der Deutschen in die Fähigkeit der Großen Koalition. Einer Umfrage zufolge glauben nur noch 40 Prozent, dass sie die Probleme des Landes besser lösen könne als die Vorgängerregierung.


Berlin - Im Herbst vergangenen Jahres waren viele Deutsche bereit, der neuen Regierung Vorschusslorbeeren zu gewähren. Damals meinte eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent, die neue Bundesregierung sei fähig, durchgreifende Veränderungen auf den Weg zu bringen. Das hatten die "Tagesthemen" erheben lassen. Doch sechs Monate später ist die Euphorie der Realität gewichen: Heute sind nur noch 40 Prozent der Meinung, dass die Regierung die drängenden Probleme Deutschlands besser lösen werde als die rot-grüne Vorgängerregierung. Das ist das Ergebnis einer heute veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Nachrichtensenders n-tv.

Angela Merkel und Franz Müntefering: Rückhalt in der Bevölkerung sinkt
AP

Angela Merkel und Franz Müntefering: Rückhalt in der Bevölkerung sinkt

Dass Schwarz-Rot es nicht besser kann als Rot-Grün, dieser Auffassung seien inzwischen 54 Prozent, heißt es. Vor einem halben Jahr waren es noch 47 Prozent.

Besonders niedrig sei das Zutrauen in die Regierung im Osten Deutschlands, wo nur ein Drittel der Großen Koalition mehr zutraut als der früheren Regierung. Gleichzeitig ist eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent der Meinung, Schwarz-Rot habe bisher "zu wenig" unternommen, um die Probleme in Deutschland zu lösen. Nur für 25 Prozent war das Ausmaß der beschlossenen Maßnahmen bisher "gerade richtig".

Einzig dem Ansehen der Kanzlerin scheint das nicht zu schaden. Die Deutschen beurteilen die Arbeit von Angela Merkel etwas besser als noch im Februar. So meinten jetzt 37 Prozent, Merkel leiste eine bessere Arbeit als Gerhard Schröder. Die CDU-Politikerin verbesserte sich damit um zwei Prozentpunkte.

Negativer Effekt erwartet

Auch die Gesundheitsreform sehen viele Deutsche skeptisch. Sieben von zehn Befragten rechnen mit negativen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag der privaten Krankenversicherung Continentale in Dortmund. 71 Prozent der Bürger gehen demnach von langfristig negativen Auswirkungen der Reform aus, 16 Prozent von positiven. 9 Prozent erwarten keinen Effekt.

Für sich persönlich rechnen laut Umfrage 14 Prozent mit einer langfristigen Verbesserung durch die Reform. 62 Prozent erwarten negative Folgen. 22 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass eine Gesundheitsreform für sie keine Auswirkungen hat. Bei den Lösungsansätzen sprachen sich 43 Prozent dafür aus, die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nicht weiter zu kürzen und dafür die Beiträge zu erhöhen. 41 Prozent wollen das Gegenteil.

ler/dpa/Reuters



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