Umfrage Jeder achte Deutsche will die Mauer zurück

20 Jahre nach dem Mauerfall sehnen sich laut einer Umfrage zwölf Prozent der Deutschen nach der Zeit vor der Wende. Im Osten klagt jeder zweite, es gebe mehr Ungerechtigkeit als vor der Wiedervereinigung. Die Mehrheit hält die Verschmelzung der Staaten jedoch für eine gelungene Sache.

Fest zum Fall der Mauer: Die meisten Deutschen sind zum Feiern aufgelegt
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Fest zum Fall der Mauer: Die meisten Deutschen sind zum Feiern aufgelegt


Berlin - Jeder achte Deutsche will die Mauer zurück. Kurz vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 geben in einer repräsentativen Umfrage des Leipziger Instituts für Marktforschung zwölf Prozent der Befragten an, die Mauer sollte schnell wieder errichtet werden.

Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen Ost und West: In den alten Ländern sind es zwölf Prozent, in den neuen 13 Prozent. Das Institut hatte im Auftrag der "Leipziger Volkszeitung" Ende Oktober 1008 Erwachsene aus dem gesamten Bundesgebiet befragt.

Im Osten wie im Westen sehen jedoch acht von zehn Befragten den Mauerfall als Glücksfall an. Neun Prozent hatten keine Meinung oder wollten sich nicht äußern. Genau zwei Drittel der Deutschen finden nach dieser Umfrage, dass die Wiedervereinigung gut gelungen ist, darunter 55 Prozent im Osten und 69 Prozent im Westen.

Arbeitslose, Arbeiter und Wähler der Linken sehnen sich nach der Mauer

Ein Drittel (35 Prozent) kritisiert allerdings, dass es jetzt mehr Ungerechtigkeit gebe als vor dem Mauerfall, darunter 49 Prozent im Osten und 32 Prozent im Westen. Und jeder Vierte (24 Prozent) beklagt, dass sein Lebensstandard inzwischen gesunken sei. Im Westen sagen dies mit 25 Prozent mehr als im Osten mit 21 Prozent. Unter denjenigen, die die Mauer wieder haben wollen, sind deutschlandweit vor allem Arbeitslose, Arbeiter und Wähler der Linken.

Zu ähnlichen Ergebnissen war das Meinungsforschungsinstitut Forsa im September gekommen: Dessen ebenfalls repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass sich jeder siebte Bundesbürger (15 Prozent) die Mauer zurückwünscht. Im Westen waren es 16 Prozent, im Osten zehn Prozent.

Dabei hatten vor allem Deutsche mit Hauptschulabschluss (26 Prozent) und Anhänger der Partei Die Linke (21 Prozent) gesagt, dass sie sich nach einem geteilten Deutschland sehnten.

bim/ddp



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derweise 31.10.2009
1. Außenpolitisch
Außenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
c++ 31.10.2009
2. ritualisierter Vergangenheitsbewältigung
Wir haben diese Form der ritualisierten Vergangenheitsbewältigung noch nicht einmal 64 Jahre nach dem Ende des 2. WK überwunden, noch immer kommt, meist unangebracht, die erhobene Zeigefinger: "Deutschland bei seiner Geschichte ...", "Aufgrund des historischen Erbes...". Und da wollen die Genossen schon nach 20 Jahren aus ihrer historischen Schuld entlassen werden. Nein, Genossen, noch über 40 Jahre muss das Gedenken an den DDR-Sozialismus in Deutschland allgegenwärtig sein. Da darf es nicht zu Verharmlosungen und Relativierungen kommen. Die eigentliche Auseinandersetzung mit der NS-Zeit begann 1968, 23 Jahre nach dem Zusammenbruch. Die Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur müsste jetzt mal langsam beginnen. Ansonsten hat Platzeck natürlich Recht. Wer die DDR als Irrweg sieht, sich zum demokratischen Rechtsstaat bekennt, warum sollte man da Barrieren errichten? Allerdings wirklich nur dann, wenn es keine DDR-Nostalgiker sind. Und die gibt es noch in der Linken. Noch ist die Einsicht in das Unrecht nicht ausgelöscht, der Schoß ist fruchtbar noch.
goethestrasse 31.10.2009
3.
Versöhnen mit den SED - Erben .. Schwamm drüber , über 40 Jahre DDR. da bin ich mal gespannt, was hier im forum abgeht.
mursilli 31.10.2009
4. Mit oder ohne Hoffnungen
Zitat von sysopZwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer darf Bilanz gezogen werden. Nach großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen bleiben für viele Deutsche die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Welche Hoffnungnen weckte der Mauerfall, welche konnten Ihrer Meinung nach erfüllt werden?
- der Fall der Mauer selbst war das Ereignis. Plötzlich war das Zuchthaus offen und seine Leitung entmachtet.
ArbeitsloserMathematiker 31.10.2009
5.
Zitat von derweiseAußenpolitisch kann sich das Werk Kohls sehen lassen, innenpolitisch ("geistig-moralische Wende") war es nichts.
Tja, die "geistig-moralische Wende" kann man eher mit der Inversion am Einheitskreis vergleichen...
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