Umfrage Kommunismus-Debatte lässt Linke abrutschen

Der Kommunismus-Wirbel zeigt Wirkung: Nach der von Parteichefin Lötzsch angezettelten Debatte verschlechtern sich die Umfragewerte für die Linke deutlich. In der aktuellen Forsa-Erhebung rutscht sie um zwei Punkte auf neun Prozent ab - der schlechteste Wert seit vier Monaten.
Linken-Chefin Lötzsch: Streit über Kommunismus-Beitrag

Linken-Chefin Lötzsch: Streit über Kommunismus-Beitrag

Foto: Robert Schlesinger/ dpa

Linke

Hamburg - Es geht bergab für die , im Wahltrend von "Stern" und RTL hat die Partei im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte verloren und ist auf neun Prozent abgesackt, der niedrigste Wert seit vier Monaten.

Gesine Lötzsch

Einer der Gründe für den Negativtrend: die von Parteichefin angezettelte Kommunismus-Debatte. Das von Lötzsch verwendete Wort "Kommunismus" sei in Ost- und Westdeutschland nach wie vor ein Reizwort, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner dem "Stern". Dies dürfte Linken-Wähler verschreckt haben. Zudem leide die Partei unter einer schwachen, zerstrittenen Führung. Auch thematisch sei es für die Linke schwieriger geworden. Güllner: "Das Thema Hartz IV, das vor allem die West-Linken stark machte, hat nicht mehr die Brisanz, die es mal bei fünf Millionen Arbeitslosen hatte."

Lötzsch hatte einen Beitrag unter dem Titel "Wege zum Kommunismus" verfasst, der Anfang Januar in der marxistischen Zeitung "Junge Welt" abgedruckt wurde. Darin hatte sie unter anderem geschrieben: "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung."

Die Linken-Chefin hatte damit nicht nur scharfe Kritik bei Union und SPD ausgelöst, auch in ihrer eigenen Partei regte sich Unmut. So distanzierte sich unter anderem Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi deutlich vom Kommunismus-Begriff.

Auch Wulf Gallert, Spitzenkandidat der Linken in Sachsen-Anhalt, übte erneut Kritik: Die öffentliche Debatte sei "weder für die Arbeit der Partei noch für die Programmdiskussion produktiv", sagte Gallert der "Welt". Er fügte hinzu: "Wir haben mit dem Staatssozialismus Erfahrungen gemacht, die uns außerordentlich kritisch gegenüber dem kommunistischen Weltanschauungsgebäude machen. Deshalb glaube ich nicht, dass der Begriff für die Identität der Linken eine bedeutsame Rolle spielt."

Kommunismus

Lötzsch hatte ihre Ausführungen zuletzt verteidigt. Man könne den Begriff des nicht einfach aus dem Sprachgebrauch streichen, "weil dann keine kritische Auseinandersetzung mehr möglich ist", sagte sie am Montag beim politischen Jahresauftakt der Linken in Berlin.

Schlechte Umfragewerte gibt es auch weiterhin für die FDP: Den Liberalen gelang es nicht, durch ihr Dreikönigs-Treffen Vertrauen zurückzugewinnen: Sie gibt in der Forsa-Erhebung einen Punkt ab und fällt zum dritten Mal binnen vier Wochen auf ihr Rekordtief von drei Prozent. Die anderen Parteien konnten je einen Punkt hinzugewinnen: Die Union klettert auf 35 Prozent, die SPD steigt auf 25 Prozent, die Grünen verbessern sich auf 21 Prozent. Für "sonstige Parteien" würden sich sieben Prozent der Wähler entscheiden.

Mit zusammen 46 Prozent liegen SPD und Grüne jetzt acht Punkte vor Union und FDP (gemeinsam 38 Punkte). Sie konnten ihren Vorsprung um zwei Punkte ausbauen.

Wie die Union steigt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Ansehen der Bevölkerung. Wäre SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bei einer rein theoretischen Kanzlerdirektwahl ihr Herausforderer, würden sich nach dem Wahltrend 42 Prozent der Deutschen für die CDU-Chefin entscheiden, 32 Prozent für Steinmeier. Würde SPD-Chef Sigmar Gabriel gegen sie antreten, könnte Merkel sogar mit 53 Prozent der Stimmen rechnen, Gabriel nur mit 22 Prozent.

Für die Umfrage wurden 2503 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger in der Zeit vom 3. bis 7. Januar befragt.

hen/dpa
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