Umfrage Mehrheit für CDU-Kooperationsverbot mit AfD, aber im Osten nicht

Die CDU-Spitze ist entschieden gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD. Bei einer Umfrage hielten das die meisten Menschen im Westen für richtig - im Osten aber nicht einmal die Hälfte.


Soll die CDU mit der AfD kooperieren? Die Frage spaltet offenbar das Land: Beim ARD-Deutschlandtrend lehnten 68 Prozent der Befragten im Westen eine Zusammenarbeit der Union mit den Rechtspopulisten ab. Im Osten sprachen sich jedoch nur 46 Prozent für ein Kooperationsverbot aus. 49 Prozent wollten nicht, dass ein Zusammenarbeiten ausgeschlossen wird.

Bundesweit fanden knapp zwei Drittel der befragten Wahlberechtigten (64 Prozent) den Abgrenzungsbeschluss der CDU richtig. Ein Drittel war anderer Meinung. In den Parteianhängerschaften waren insbesondere die Grünen gegen eine Kooperation. Auch in den Reihen von SPD, Linken, FDP und Union sprachen sich große Mehrheiten gegen eine Zusammenarbeit aus. Einzig 93 Prozent der AfD-Anhänger hielten es nicht für notwendig, eine Kooperation mit ihrer Partei grundsätzlich auszuschließen.

Die Spitze der Union ist sich einig

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte sich kürzlich entschieden gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgesprochen. Die AfD sei "eine Partei, die zumindest in Teilen oder mit Repräsentanten keine klare Linie zu Rechtsextremismus und Rechtsradikalen zieht", sagte sie bei "Anne Will". Wer sich der AfD annähern wolle, "soll nur mal kurz die Augen schließen und sich Walter Lübcke vorstellen. Der wird nie mehr auf die Idee kommen, dass man mit einer Partei wie der AfD als Christdemokrat zusammenarbeiten kann."

CSU-Chef Markus Söder äußerte sich ähnlich: Das von der AfD vertretene Menschenbild schließe eine Zusammenarbeit aus. Es gebe keine Freiräume, keinen offenen Spalt für eine Zusammenarbeit. Söder warnte zudem, eine Zusammenarbeit wäre "von schwerem Schaden für die gesamte Union".

In der CDU in Ostdeutschland wird über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD diskutiert. Im Herbst werden in den drei ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen neue Landtage gewählt. Dort muss die CDU mit Verlusten rechnen.

Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hatte für den "Deutschlandtrend" von Montag bis Mittwoch 1051 Wahlberechtigte befragt. Die Fehlertoleranz wurde mit 1,4 bis 3,1 Prozent angegeben.



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als/dpa/AFP



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peterpeterweise 28.06.2019
1. Der Osten hat die Erfahrung, dass die Medien falsch liegen könnten
Es ist wahrscheinlich die historische Erfahrung, welche zu solchen Ergebnissen führt. Im Osten hat man schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man selbst das Gefühl hatte, es ist nicht so wie Regierung und die Medien es beschreiben. Dann kam damals automatisch der Vorwurf, man mache gemeinsame Sache mit dem Bösen, und man dürfe so etwas nicht einmal denken. Dann kam die Wende und es hat sich herausgestellt, dass das, was man als Realität wahrgenommen hatte, auch die Realität war. Entsprechend offen ist man darum dafür, auch einmal etwas zu wagen, was Regierung und Medien als undenkbar vorgeben.
karlo1952 28.06.2019
2. Ich kann es nur immer wieder
wiederholen. Nehmt die AfD in die Pflicht, dann kann sie zeigen was sie drauf haben. Sollte das mislingen, wie z.B. in Österreich, dann sind Sie entzaubert. Man darf nicht einfach Wählerstimmen vom 25 % und mehr ignorieren. Das wird nur noch mehr dazu verleiten AfD zu wählen. Man muss aich berücksichtigen, dass die Mehrzahl der AfD-Politiker und Wähler von der CDU abgewandert sind, und nichts mit Rechtsextremismus zu tun hat, sondern von denen nur überschriehen werden.
schwerpunkt 28.06.2019
3.
Hmm, dann könnte sich ja die CDU-Verbände in den ostdeutschen Ländern zu einer Art Ost-CDU organisieren und mit der AfD zusammen arbeiten. Spätere Vereinigung zur Alternativen Einheitspartei Deutschlands - AED nicht ausgeschlossen. "Den Nationalismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf" … bzw. wird von solchen angeführt.
radlrambo 28.06.2019
4. Gewaltprobleme der AfD
ich weiß gar nicht, warum man darüber nachdenken sollte: Die AfD hat ein Gewaltproblem, man muss nur mal das Vorstrafenregister ihrer Abgeordneten anschauen. Solange die AfD es nicht schafft, Extremisten aus ihren Reihen, insbesondere in ihrer Führung auszuschließen und sich klar dagegen abzugrenzen ist sie nicht nur unwählbar, sondern jeder der mit ihr koaliert macht sich mit schuldig!
motoko_kusanagi 28.06.2019
5. Nun ja
das Ergebnis der Umfrage ist wie erwartet. Die Ost-CDU bangt um ihre Macht-Option und deren Wählerschaft möchte diese Hintertür offen halt. Da wird die Führungsspitze noch viel an Überzeugungsarbeit aufbieten müssen, um ihre Ost-Funktionäre zu überzeugen. Das Ergebnis zeigt vor allem die Richtigkeit und Notwendigkeit auf, genau da ganz glasklar zu sein und kannte zu zeigen. Kein ruckeln und zuckeln. Vor allem ist die Angst um die parlamentarischen Pfünde auch überflüssig: eine demokratische Mehrheit (nicht nur dem Formalien, sondern auch der Substanz nach) wird sich nach den Landtagswahlen immer finden lassen.
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