SPIEGEL-Umfrage Mehrheit befürwortet Corona-Impfpflicht

Steigende Infektionszahlen, leere Impfzentren. Was tun? Eine knappe Mehrheit der Deutschen sieht eine verpflichtende Impfung gegen Corona positiv. Anders geartete Anreize stoßen dagegen auf Ablehnung.
Leeres Impfzentrum in Tübingen – braucht es eine Impfpflicht?

Leeres Impfzentrum in Tübingen – braucht es eine Impfpflicht?

Foto: Marijan Murat / dpa

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Monatelang waren Corona-Impfstoffe in Deutschland Mangelware. Noch im April schien angesichts von Produktionsschwierigkeiten der Hersteller unsicher, ob Kanzlerin Angela Merkel ihr Versprechen würde halten können, »bis zum Ende des Sommers« jeder und jedem ein Impfangebot zu machen.

Binnen wenigen Wochen hat sich die Situation umgekehrt. Impfstoff gibt es im Überfluss, doch Impfwillige werden rar. Zwar sind inzwischen fast 42 Millionen Menschen und damit mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland vollständig geimpft. Die Zahl der täglich verabreichten Impfdosen sinkt jedoch seit Wochen.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL spricht sich nun eine knappe Mehrheit für eine Impfpflicht gegen das Coronavirus aus. 52 Prozent der Deutschen sind dafür; 43 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Besonders groß ist die Zustimmung für eine Impfpflicht unter den Anhängern der Unionsparteien und der SPD. Bei den Wählern der Sozialdemokraten sind fast zwei Drittel der Befragten dafür. Bei der Union sind es immerhin noch 62 Prozent, und damit deutlich mehr als etwa bei den Grünen. Anhänger anderer Parteien sind skeptischer. (Lesen Sie hier mehr zur Civey-Methodik.)

Hat Unionskanzlerkandidat Armin Laschet die Stimmung unter seinen Anhängerinnen und Anhängern falsch eingeschätzt ? »Ich halte nichts von Impfpflicht und halte auch nichts davon, auf Menschen indirekt Druck zu machen, dass sie sich impfen lassen sollen«, sagte der CDU-Vorsitzende zuletzt bei einem TV-Auftritt – und konterte damit einen Vorstoß seines Parteikollegen Helge Braun. Der Kanzleramtschef hatte Geimpften für die Zukunft deutlich mehr Freiheiten in Aussicht gestellt.

Zwei von drei Befragten sprechen sich gegen Anreizsysteme für Unentschlossene aus, nur ein Viertel ist dafür.

Dabei sinkt die Zustimmung mit zunehmendem Alter der Befragten. In der jüngsten Gruppe, bei den 18- bis 29-Jährigen, halten mehr als 37 Prozent Anreizsysteme für ein geeignetes Mittel. Unter den Älteren ist die Ablehnung für solche Lockmittel dagegen am größten.

Mehr als ein Drittel der Ungeimpften gibt derzeit an, sich nicht impfen lassen zu wollen, sobald ihnen dies ermöglicht wird. Im Osten Deutschlands lehnen dies sogar 42 Prozent ab. Zu berücksichtigen ist, dass hinter dem Nein zur Impfung auch gesundheitliche Gründe stecken können, Vorerkrankungen etwa.

Parallel zur erlahmenden Impfkampagne und der anrollenden vierten Infektionswelle schwindet die Zufriedenheit der Deutschen mit dem Corona-Krisenmanagement der Bundesregierung. Jeder oder jede Zweite ist der Umfrage zufolge mit dem Krisenmanagement unzufrieden.

Von den extrem guten Zufriedenheitswerten von zwischenzeitlich bis zu 72 Prozent im vergangenen Sommer ist die Regierung damit weit entfernt. Wohl auch mit Blick auf die massiv gestiegenen Fallzahlen in den Nachbarländern trübt sich die Stimmung ein.

Nur noch 56 Prozent der Deutschen sind inzwischen optimistisch, dass ihr Land gut durch die Pandemie kommen wird. Ende Juni lag der Wert noch fast zehn Prozentpunkte höher.

Noch bleiben zwei Monate bis zur Bundestagswahl – und bei der Sonntagsfrage gibt es im Vergleich zur Vorwoche wenig Bewegung. Würde am Sonntag gewählt, kämen CDU und CSU unverändert auf 26 Prozent der Stimmen.

Die verheerenden Überflutungen in Teilen Deutschlands scheinen sich nur begrenzt auf die Wahlabsicht auszuwirken: Die Grünen verharren bei 21 Prozent, die SPD würde mit 17 Prozent weiter drittstärkste Kraft.

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