Umfrage Merkel top, Stoiber flop

Vier Wochen nach ihrem Amtsantritt hat Kanzlerin Angela Merkel in Umfragen gute Werte bekommen. Edmund Stoiber steht dagegen nach Ansicht deutscher Führungskräfte vor dem Ende seiner Karriere.


Berlin - Angela Merkel (CDU) hat nach Ansicht deutscher Führungskräfte einen guten Start mit ihrer Großen Koalition hingelegt. 74 Prozent dieser Gruppe aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung stufen sie bereits wenige Wochen nach Amtsübernahme als "starke Kanzlerin" ein. Dies ergab eine heute veröffentlichte Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Wirtschaftsmagazins "Capital". Befragt wurden 526 Entscheider.

Vor der Wahl und noch während der Koalitionsverhandlungen hatte es noch viele Stimmen vor allem aus der Wirtschaft gegeben, die Merkel und der großen Koalition wesentlich weniger zugetraut hatten.

Die Umfrage ergab außerdem, dass zwei Drittel in den kommenden sechs Monaten mit einer deutlichen Belebung der Konjunktur rechnen. Für Institutsleiterin Renate Köcher warf dies die Frage auf, ob Merkel-Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) sich möglicherweise zu früh zur Wahl stellte.

Auch in einer anderen Umfrage ist Angela Merkel gut weggekommen. Demnach sind 55 Prozent der Bundesbürger zufrieden mit der Arbeit von Merkel. 41 Prozent sind nicht mit ihr zufrieden, ergab eine Emnid-Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders N24.

Nach dem "Capital-Elite-Panel" wiederum sind zwar 49 Prozent vom Koalitionsvertrag enttäuscht. Dennoch sehen 74 Prozent die Koalition geschlossen und in wesentlichen Fragen einig. Skeptisch sind die Befragten allerdings, ob die Große schwarz-rote Koalition das Land nennenswert voranbringen kann. 61 Prozent rechnen nur mit kleinen Schritten, 51 Prozent haben Zweifel grundsätzlicher Art.

Für 71 Prozent reichen die Beschlüsse von Union und SPD bei weitem nicht aus, den maroden Haushalt zu konsolidieren. Andererseits haben sich 41 Prozent mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 Punkte auf 19 Prozent angefreundet. Selbst der Einkommensteuerzuschlag für Reiche wird von 37 Prozent akzeptiert.

Die Karriere von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) ist nach Einschätzung von 97 Prozent der vom Allensbach-Institut befragten Entscheider zu Ende. Stoiber hatte zuerst gezögert, nach Berlin zu kommen, dann ein auf ihn zugeschnittenes Wirtschaftsministerium verlangt und blieb schließlich doch in München.



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