Umfrage Nur jeder Dritte traut Koalition große Lösungen zu

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Große Koalition ist zurzeit nicht allzu groß. Bei einer Umfrage traute nur jeder Dritte der Regierung die Lösung der drängenden Probleme zu. Bundespräsident Horst Köhler forderte Kanzlerin Merkel und ihr Kabinett zu ehrgeizigen Reformen auf.


Berlin - Bei einer repräsentativen Infratest-Dimap-Umfrage für die "Welt" sahen 50 Prozent der Befragten in einer kleinen Koalition den besten Garanten für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben in den Gebieten Arbeitsmarkt und Gesundheitspolitik. Nur 32 Prozent sagten das jedoch von einem Bündnis der beiden großen Volksparteien CDU/CSU und SPD.

Einem vorzeitigen Ende der Großen Koalition sehen die Deutschen laut der Umfrage gelassen entgegen. 61 Prozent befürchten keinen nachhaltigen Schaden für die Zukunft der Demokratie, wenn die Große Koalition vor Ablauf der Legislaturperiode auseinander brechen würde. Lediglich 27 Prozent waren der Meinung, die Demokratie könnte Schaden nehmen, wenn Schwarz-Rot nicht bis zur nächsten Bundestagswahl hält.

Köhler forderte die Koalition unterdessen auf, die Massenarbeitslosigkeit durch energische Reformen zu bekämpfen. Insgesamt habe sich das Land in den letzten Jahren auf den Weg gemacht, lobte das Staatsoberhaupt im Deutschlandfunk. Die Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Gehrad Schröder (SPD) sei eine Kurskorrektur in die richtige Richtung gewesen. "Ich denke, dass die Große Koalition an dieser Linie weiterarbeitet. Ich wünsche mir, dass sie die großen Aufgaben anpackt, und für mich ist die wichtigste innenpolitische Aufgabe, die Arbeitslosigkeit entschlossen und ehrgeizig zu bekämpfen."

Auch das Steuersystem sollte nach Ansicht des Bundespräsidenten grundlegend vereinfacht werden. "Keiner kann mehr beurteilen: Ist das überhaupt alles noch gerecht, was wir in unserem Steuersystem zusammengebastelt haben. Wir müssen wissen: Wo kommen Steuern an, wer zahlt sie überhaupt, wer kann Steuerzahlungen ausweichen?" All das wisse man kaum, und deshalb halte er es auf lange Sicht für ganz wichtig, dass man ein viel einfacheres Steuersystem bekomme.

als/dpa



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