SPIEGEL-Umfrage SPD punktet bei Anhängern mit Chef-Casting

15 Bewerber tingeln durchs Land und buhlen um die Gunst der Basis. Bei den SPD-Anhängern kommt die langwierige Suche nach einer neuen Führung überwiegend gut an, zeigt eine SPIEGEL-Umfrage.

Ein SPD-Mitglied macht sich während der Regionalkonferenz in Hannover Notizen über Bewerber
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Ein SPD-Mitglied macht sich während der Regionalkonferenz in Hannover Notizen über Bewerber

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In der Sporthalle im hessischen Friedberg müssen sich die Kandidaten für den SPD-Vorsitz heute sputen, wenn sie die ungeteilte Aufmerksamkeit der Gäste haben wollen. Um 18.30 beginnt die nächste Regionalkonferenz, auf der sich die Bewerber der Basis vorstellen. Ab 20.45 Uhr aber muss die deutsche Nationalmannschaft in Belfast gegen Nordirland antreten. Das wichtige EM-Qualifikationsspiel wird live im Fernsehen übertragen - und gegen Fußball hat es auch die Politik oft schwer.

Bislang konnten sich die SPD-Organisatoren der Castingshows für den Parteivorsitz über mangelnden Zulauf nicht beklagen. Die ersten vier der insgesamt 23 Regionalkonferenzen waren gut besucht: In Saarbrücken wurden zum Auftakt 700 Genossen gezählt, in Hannover 850, nach Bernburg (Saale) kamen weit mehr Interessierte, als Stühle vorhanden waren - im Bürgerzentrum Neue Vahr in Bremen am Sonntag war es ebenfalls richtig voll.

Das Interesse ist also groß in der Partei. Aber wie kommen die Castingshows beim Wähler an? "Hat der Bewerbungsprozess für den SPD-Vorsitz Ihr Bild der Partei bisher zum Positiven oder zum Negativen beeinflusst?", fragte das Online-Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des SPIEGEL.

Das Ergebnis der Umfrage ist für die SPD durchaus erfreulich. Denn deutlich mehr als 50 Prozent der eigenen Anhänger bewerteten das Auswahlverfahren für den Parteivorsitz positiv. Die statistische Fehlerquote ist in dieser Erhebung mit 6,5 Prozent zwar relativ hoch - doch der Trend ist eindeutig. Denn nur zwölf Prozent der SPD-Anhänger bewerten den Bewerbungsprozess negativ.

Lässt man die Parteipräferenz außen vor, fällt das Ergebnis für die SPD wesentlich schlechter aus. Mehr als 50 Prozent geben demnach an, dass die Castingshows das Bild der Partei negativ beeinflussten. Nur knapp 18 Prozent haben eine positive Meinung (Statistische Fehlerquote: 2,5 Prozent).

Am Wochenende hatte sich der frühere SPD-Chef und Ex-Kanzler Gerhard Schröder eher skeptisch zu dem Auswahlverfahren geäußert. "Diese langwierige Form von Führungsfindung liegt mir nicht", sagte Schröder.

In der Sonntagsfrage konnte die SPD leicht zulegen. Sie hat die AfD überholt. CDU und CSU bauten ihre Führung weiter aus, die Grünen konnten sich ebenfalls verbessern und liegen nach wie vor auf dem zweiten Platz.



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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
Cannonier 09.09.2019
1. Wichtige Information
"...bei den Anhängern". Tja, SPD Anhänger würde ja auch einen Besenstiel mit einem roten Lappen wählen. Auf die kommt's aber nicht an, liebe SPD :)
DerDifferenzierteBlick 09.09.2019
2. Und wie scheiden die einzelnen Kandidaten ab?
Interessant wäre gewesen, wie gut die einzelnen Kandidaten (auch je nach Parteipräferenz) abschneiden.
post_fuer_tutu 09.09.2019
3. falsches Format
Die SPD hätte gut daran getan, die Macher vom Dschungel, Bauer sucht oder Big Brother das managen zu lassen. Mit derartigem Format wären die Umfragewerte deutlich hochgeschossen. Chance vertan
wo_st 09.09.2019
4. Reiner Urlaub
Für die Kandidaten ein etwas längerer Urlaub, ansonsten fehlen die in ihrem normalem Job, so wie der Finanzminister. Aber, egal es ist nur mein Steuergeld für meine Angestellten.
Profdoc1 09.09.2019
5. Wie #1 bereits schreib,....
ist es ziemlich unwichtig, was die SPD intern tut und macht. Die Frage nach einem Programm ist viel wichtiger. Da sehe ich wieder einmal nichts. Nabelschau, Nabelschau, Nabelschau, ....
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