Umfrage-Tief Drei Viertel der Deutschen mit Großer Koalition unzufrieden

Miese Noten für die Bundesregierung: Drei von vier Deutschen halten der Großen Koalition vor, sie mache ihre Arbeit nicht gut, zeigen neue Umfragen. Der Hauptvorwurf: SPD und Union stellen Parteipolitik über die Interessen des Landes.


Köln - Knapp drei Viertel halten die Arbeit von Schwarz-Rot in Berlin für nicht effektiv, wie eine Infratest-Umfrage im Auftrag des ARD-Morgenmagazins ergab. 74 Prozent der 1000 Befragten empfinden die Arbeit der Bundesregierung als ziellos und uneffektiv. Nur 22 Prozent sind der Meinung, die Regierung arbeite effektiv und zielorientiert.

Bundeskanzlerin Merkel im Bundestag: Koalition beim Bürger schlecht angesehen
DPA

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Der Aussage, dass sich die Regierung mehr mit parteiinternen Diskussionen als mit Sachpolitik beschäftigt, stimmen 79 Prozent der Befragten zu. 18 Prozent waren nicht dieser Meinung. 64 Prozent glauben nicht, dass die Koalition in der Lage ist, die notwendigen Reformen etwa am Arbeitsmarkt und im Gesundheitswesen durchzusetzen. 33 Prozent hingegen denken, dass Schwarz-Rot diese Reformen bewältigen wird.

In der Sonntagsfrage schnitt die Union wieder etwas besser als die SPD ab. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre, würden 34 Prozent CDU/CSU wählen. 31 Prozent würden sich für die Sozialdemokraten entscheiden, zwölf Prozent für die Grünen, elf Prozent für die FDP, acht Prozent für die Linkspartei.PDS und vier Prozent für sonstige Parteien. Damit verloren Union und die sonstigen Parteien im Vergleich zur Vorwoche jeweils einen Prozentpunkt. Grüne und FDP gewannen jeweils einen Punkt, SPD und Linke blieben unverändert.

Eine weitere Umfrage führt Politikverdrossenheit in Deutschland auf die handelnden Personen zurück. Sie komme nicht einer Ablehnung der Demokratie gleich, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut dimap. Nach der Umfrage stimmt fast die Hälfte der Bevölkerung (47 Prozent) uneingeschränkt der Aussage zu, dass die Demokratie die beste Staatsform ist. Weitere 41 Prozent machen nur leichte Einschränkungen.

Nur ein Viertel der Bevölkerung vertritt die Auffassung, es sei eigentlich egal, wen man wählt, weil ohnehin alle Parteien gleich seien. Aber nur 22 Prozent halten es für sinnlos, zur Wahl zu gehen, weil die Politiker ohnehin machten, was sie wollen.

Mit dem tatsächlichen Funktionieren des politischen Systems in Deutschland sind nur fünf Prozent der Bürger rundum zufrieden. 44 Prozent zeigen sich zumindest einigermaßen damit einverstanden. 38 Prozent allerdings sind "ziemlich unzufrieden", und 13 Prozent sind "sehr unzufrieden". Die Frage, ob es unter den derzeitigen Spitzenpolitikern eine Persönlichkeit gebe, die den eigenen Wunschvorstellungen zumindest einigermaßen nahe komme, beantworten 31 Prozent mit einem Nein.

Laut einer Allenbach-Umfrage herrscht in Ostdeutschland eine deutlich größere Unzufriedenheit mit dem politischen System als im Westen.

jaf/AP



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