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13. Februar 2013, 09:33 Uhr

Umfrage

Union legt trotz Schavans Plagiatsaffäre kräftig zu

Die Debatte um Annette Schavan hat der Union offenbar nicht geschadet: Im Vergleich zur Vorwoche können CDU und CSU laut einer Umfrage sogar um zwei Prozentpunkte zulegen - und haben auch ohne FDP einen komfortablen Vorsprung auf Rot-Grün.

Berlin - Die Deutschen scheinen die Union wegen der Aufregung um Annette Schavan nicht abstrafen zu wollen, ganz im Gegenteil: Trotz der Debatte um ihre Doktorarbeit klettern CDU und CSU laut dem Wahltrend von "Stern" und RTL im Vergleich zur Vorwoche um zwei Prozentpunkte. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr würden sich 43 Prozent für die Union entscheiden. Das ist in dieser Umfrage der beste Wert seit mehr als sieben Jahren.

Der Fall Schavanhat nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllnerpraktisch keine Auswirkungen auf das Bild der Union. "Die Menschen werten diese Sache als lange zurückliegenden, individuellen Fehltritt", sagte er dem "Stern". Zudem honorierten sie, dass Schavan viel ruhiger und sachlicher gehandelt habe als Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der vor zwei Jahren nach Aberkennung seines Doktortitels zurückgetreten war.

Dass Schavan Kanzlerin Angela Merkel besonders nahe stand, habe Güllner zufolge für die breite Öffentlichkeit keine Rolle gespielt: "Die Menschen kreiden die Schavan-Debatte Merkel nicht an."

Für die Umfrage wurden 2505 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger in der Zeit vom 4. bis 8. Februar befragt - also noch vor dem Rücktritt der Ministerin. Diese zog sich am 9. Februar vom Amt der Bildungsministerin zurück.

Werte der Opposition stagnieren

Nach der verlorenen Niedersachsen-Wahl am 20. Januar hatte die Union leicht an Zustimmung verloren, doch inzwischen hat sie die Vertrauensdelle wieder vollständig wettgemacht. Bei der FDP dagegen verpufft der Rückenwind nach ihrem überraschend guten Abschneiden in Niedersachsen. Die Partei fällt um einen Prozentpunkt auf nur noch drei Prozent. Die Liberalen wären damit nicht im neuen Bundestag vertreten.

Die Opposition kann im Gegensatz zur Union nicht zulegen: Der SPD wollen unverändert 25 Prozent der Wähler ihre Stimme geben. Die Grünen verschlechtern sich gar um einen Prozentpunkt auf 14 Prozent, bleiben damit aber deutlich über ihrem Wahlergebnis von 10,7 Prozent bei der letzten Bundestagswahl. Die Linke verharrt bei sieben Prozent. Die Piraten hätten mit drei Prozent weiterhin keine Chance auf den ersten Einzug ins Bundesparlament. Auf sonstige Parteien entfallen fünf Prozent.

Rot-Grün bleibt damit auch gemeinsam schwächer als die große Regierungspartei allein: Für SPD und Grüne würden sich zusammengerechnet mit 39 Prozent deutlich weniger Menschen entscheiden als für die Union.

fdi

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