»Teengeist«-Umfrage Jung und konservativ

Junge Menschen wählen am liebsten links? So einfach ist das nicht, zeigt eine Umfrage. Denn viele Jungwähler sympathisieren mit der Union.
Junge Frauen (in Heidelberg): Am wichtigsten sind den Jungwählerinnen und -wählern Klimaschutz und Bildung (Symbolfoto)

Junge Frauen (in Heidelberg): Am wichtigsten sind den Jungwählerinnen und -wählern Klimaschutz und Bildung (Symbolfoto)

Foto: Uwe Anspach / dpa

Als die FDP im Herbst 2020 verkündete, die Forderung nach einem bundesweiten Wahlrecht ab 16 Jahren zu unterstützen, quittierte CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier das auf Twitter mit den Worten: »Ihr seid einfach die besten Wahlhelfer für die Grünen, die man sich denken kann!!!« Die Furcht der CDU/CSU: Junge Menschen wählen eher liberal als konservativ, lieber grün als schwarz.

Tatsächlich scheint diese Angst aber unbegründet zu sein. Denn die Konservativen und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet kommen bei jungen Wählerinnen und Wählern offenbar besser an, als man es in der CDU/CSU selbst vermutet. Das legt zumindest eine repräsentative Umfrage der Kommunikationsagentur Fischer-Appelt in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Appinio nahe. In der »Teengeist«-Umfrage werden regelmäßig junge Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren zu ihrer Lebenswelt befragt – unter anderem zu politischen Themen und Präferenzen.

Dabei zeigt sich: Bei den Befragten ist die Union stärkste Kraft, 26 Prozent würden für sie stimmen. Damit liegt die CDU/CSU sechs Prozentpunkte vor den Grünen. Die FDP würde bei 14 Prozent landen, die SPD bei elf. Linke und AfD würden jeweils sechs Prozent erreichen. Viele junge Menschen würden zudem für gar keine der etablierten Parteien stimmen: Rund 18 Prozent würden sich stattdessen für eine Kleinpartei entscheiden.

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt hatte die AfD auch von jungen Wählerinnen und Wählern viele Stimmen bekommen. Die repräsentative Umfrage zeigt jedoch, dass dieser Trend offenbar nicht deutschlandweit gilt. Mit sechs Prozent bei den Befragten liegt die AfD nur knapp über der Fünfprozenthürde und damit deutlich unter ihren derzeitigen Umfragewerten.

Nicht nur bei der Sonntagsfrage schneidet die Union besser ab als Grüne und SPD. Auch beim Personal landet sie vor ihren Mitbewerbern. Der beliebteste Spitzenkandidat unter den befragten Jugendlichen ist Armin Laschet mit 17 Prozent. Annalena Baerbock (Grüne) folgt knapp dahinter mit 15 Prozent, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz landet abgeschlagen bei neun Prozent.

Die Umfrage zeigt jedoch auch: Mehr als jeder dritte Jugendliche kann oder möchte sich nicht festlegen und hat keinen favorisierten Spitzenkandidaten. Das liegt auch daran, dass viele die Kandidierenden nicht kennen: Unter den Befragten können 23 Prozent nichts mit Armin Laschet anfangen, 36 Prozent kennen Annalena Baerbock nicht. Olaf Scholz können 35 Prozent der Jungwähler nicht zuordnen.

Ihre Stimme nutzen möchte die überwiegende Mehrheit aber trotzdem. Knapp die Hälfte aller befragten Personen sind wahlberechtigt und möchten am 26. September auch wählen gehen. Lediglich zehn Prozent wollen am Wahltag zu Hause bleiben, 15 Prozent sind sich noch nicht sicher.

Am wichtigsten sind den Jungwählerinnen und -wählern Klimaschutz und Bildung. Diese Themen landen in der Umfrage bei 40 und 38 Prozent. Überraschend ist der hohe Zuspruch für die Union im Vergleich zu den Grünen: Die junge Generation scheint Klimaschutz nicht mehr automatisch mit der Partei von Annalena Baerbock in Verbindung zu bringen.

Doch die Parteien werden auch andere Themen auf dem Zettel haben müssen, wenn sie die junge Generation für sich gewinnen wollen. Gerade die älteren Jungwählerinnen und -wähler zwischen 22 und 24 Jahren interessieren sich beispielsweise stärker für den Arbeitsmarkt, der insgesamt von mehr als einem Viertel als zentral angesehen wird.

Ebenfalls etwas mehr als ein Viertel der Befragten empfindet Gleichberechtigung als entscheidendes Thema. Dabei zeigt sich allerdings ein besonders deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Fast 40 Prozent der befragten Frauen erklärten Gleichberechtigung zum entscheidenden Thema, bei Männern waren es hingegen 15 Prozent.

Eher unpopulär scheinen die Flüchtlings- und Europapolitik zu sein, die abgeschlagen auf den hinteren Rängen landen und von nur 16 und 12 Prozent als entscheidend gesehen werden.

Trotz der klaren Präferenzen dürfte es für die Parteien aber eine Herausforderung werden, junge Menschen zu erreichen. Denn: Die Hälfte der Jugendlichen gibt an, gar keine politischen Inhalte zu konsumieren.

Lediglich 13 Prozent der Befragten suchen aktiv nach Politik-Content. Falls sie doch auf politische Inhalte stoßen, geschieht dies vor allem über die sozialen Netzwerke YouTube, Instagram oder TikTok. Bei der Frage konnten die Jugendlichen mehrere Medien angeben. Auch das Fernsehen schneidet gut ab. Fast die Hälfte aller Befragten zwischen 16 und 24 Jahren informieren sich dort über Politik.

Die junge Generation scheint damit viele Widersprüche zu vereinen. Sie sieht Klimaschutz als wichtigstes Thema, sympathisiert aber mehr mit der Union als mit den Grünen. Sie konsumiert selten aktiv politische Inhalte und will trotzdem wählen gehen.

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