Umfrage zu Edathy-Affäre Mehrheit der Deutschen will Rücktritt von Oppermann

Thomas Oppermann weist in der Edathy-Affäre alle Vorwürfe von sich - doch sein Ruf hat erheblich gelitten. Dem neuen ZDF-Politbarometer zufolge plädieren 53 Prozent der Deutschen für den Rücktritt des SPD-Fraktionschefs.

SPD-Fraktionschef Oppermann: Schwindender Rückhalt im Volk
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SPD-Fraktionschef Oppermann: Schwindender Rückhalt im Volk


Berlin - Im Zuge der Affäre um den Ex-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy ist der Verdruss über Politiker und Parteien stark gewachsen. Laut neuem ZDF-Politbarometer ist eine Mehrheit von 53 Prozent der Meinung, Thomas Oppermann solle vom Amt des SPD-Fraktionsvorsitzenden zurücktreten. 37 Prozent sprechen sich dagegen aus.

Schlüsselt man die Befragten nach Parteien auf, ergibt sich folgendes Bild: 63 Prozent der CDU/CSU-, 54 Prozent der Linke- und 82 Prozent der AfD-Anhänger, aber nur 39 Prozent der Grünen- und 33 Prozent der SPD-Anhänger sind für einen Rücktritt Oppermanns.

Der Fraktionschef steht unter anderem in der Kritik, weil er im Oktober vergangenen Jahres im Fall Edathy den Präsidenten des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, angerufen hatte. Zuvor hatte der damalige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) SPD-Chef Sigmar Gabriel informiert, dass Edathy bei internationalen Ermittlungen aufgefallen war. Inzwischen ist klar, dass es dabei um den Verdacht auf Besitz von Kinderpornografie ging. Oppermann hatte den Informationsweg in der vergangenen Woche in einer Presseerklärung öffentlich gemacht.

Kaum Veränderung in der Sonntagsfrage

Den Rücktritt des CSU-Politikers Hans-Peter Friedrich aus der Bundesregierung finden ebenfalls 53 Prozent der Befragten richtig. 46 Prozent der Unionsanhänger begrüßten die Entscheidung.

Auch die Bewertung der Arbeit der Bundesregierung hat einen Dämpfer erlitten: Zwar sind mit 63 Prozent weiterhin die meisten der Meinung, die Regierung leiste alles in allem gute Arbeit, Ende Januar waren das aber noch 74 Prozent.

Auf die Zustimmung zu den Parteien hat die Edathy-Affäre kaum Einfluss: Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würde die CDU/CSU weiterhin auf 43 Prozent kommen, die SPD gäbe nach auf 24 Prozent (minus eins). Die Linke könnte einen Punkt zulegen auf zehn Prozent und die Grünen blieben konstant ebenfalls bei zehn Prozent. FDP und AfD kämen beide unverändert auf jeweils vier Prozent, die anderen Parteien zusammen wie im Vormonat auf fünf Prozent.


Daten zur Umfrage

Stichprobe: Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte 1219 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger. Für die Sonntagsfrage wurden 1536 Wahlberechtigte befragt.

Zeitraum: 18. bis 20. Februar 2014

Statistische Fehlertoleranz: +/- zwei Prozentpunkte je nach Anteilswert

heb/syd

insgesamt 88 Beiträge
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spon-facebook-605431180 21.02.2014
1. Dämliche Überschriften
Wie immer in der Presse wird von einer kleinen Anzahl von Befragten auf die ganze Bevölkerung geschlossen. Eigentich müsste es heissen: "Mehrheit von 1219 befragten Deutschen will Rücktritt von Oppermann." Im Vergleich zu den ca. 80 Millionen Einwohnern Deutschlands ist das keine sehr repräsentative Stichprobe! Aber die Leser haben ja wahrscheinlich mehrheitlich genausowenig Ahnung von Statistik wie die Verfasser dieser idiotischen Meldungen. Nachrichten ist was anderes.
leser75 21.02.2014
2. Oppermann
hat sich selbst entzaubert, da hilft sein treuer Augenaufschlag nur noch bei Rotgrün-Anhängern. Wer einmal beim Schummeln erwischt wird, dem glaubt man nicht. Meines Erachtens bleibt er eine Belastung seiner Partei-als Stabilisierungs-Anker, wie er tönte, sieht ihn niemand in der Groko.
Kontra 21.02.2014
3. Mir kann keiner
Oppermann hätte als Jurist wissen müssen welche Konsequenzen sein Anti-demokratisches Gebaren haben kann. Sein vehementes relativieren reflektiert seine Arroganz und Ignoranz gegenüber dem Wähler . Der nach ihm käme wäre kaum besser, aber wenn es kosquenzenlos für ihn bleibt, sehen das seine Politkollegen als normale Praxis.
mm-46c-7rfr 21.02.2014
4. Oppermann
Versucht seine Haut zu retten,ist jedoch in der Sache ein Paradebeispiel für Täuschung und Verschleierung,was Gabriel als total korrektes Verhalten einordnet!Da denke Jeder,was er will!
ambulans 21.02.2014
5. diese
"umfrage" haben wohl - im hintergrund - die CSU oder die parteinahe hans seidel-stiftung in auftrag gegeben, um sich und ihren pannenbehafteten ex-innenminister aus der schusslinie zu bringen. da es unbestritten um strafrecht geht, ist eine ununterbrochene kausalkette vom anlass bis zur tat zwingend erforderlich. und da wirds und bleibts einfach und überschaubar: ohne den geheimnis-verrat des amtsträgers (vielleicht ja noch weitere, z.b. ziercke?) wäre gar nichts da; der verrat wars, nicht das oder eventuelles wissen. vielen dank für die geschätzte aufmerksamkeit - dr. ambulans (alle kassen)
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