Umfrage zu Jamaika Mehrheit bevorzugt FDP-Finanzminister

Union, FDP und Grüne tasten sich weiter ab. Vor allem im Osten wäre ein solches Bündnis unbeliebt, zeigt eine SPON-Umfrage. Als Jamaika-Finanzminister wünscht sich die Mehrheit einen Liberalen.

Christian Lindner (FDP)
DPA

Christian Lindner (FDP)


An diesem Abend geht es ums Geld. Die Vertreter von Union, FDP und Grünen prüfen bei ihrer nächsten Sondierungsrunde in der Berliner Parlamentarischen Gesellschaft, was sie bei den Themen Finanzen, Haushalt und Steuern verbindet - oder eben trennt.

Im Parlament hat Schwarz-Gelb-Grün eine deutliche Mehrheit. In der konstituierenden Sitzung des Bundestages nutzten die drei Fraktionen diese am Dienstag schon einmal, um einen SPD-Antrag abzulehnen.

Aber wie stehen die Deutschen zu dieser möglichen Regierungskonstellation: Wollen sie ein Jamaika-Bündnis? Und welcher Partei wird zugetraut, innerhalb einer solchen Koalition, einen erfolgreichen Finanzminister zu stellen?

Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat diese Fragen gestellt. Das Ergebnis beim Finanzminister ist deutlich: Rund 38 Prozent wollen ein Finanzministerium unter Führung der FDP, fast 30 Prozent sähen das Ressort lieber bei der CDU.

Den Posten könnte nach derzeitigem Stand etwa der FDP-Vorsitzende Christian Lindner übernehmen - wenn die Union das Ministerium nicht für sich reklamiert. Der bisherige Finanzminister Wolfgang Schäuble wurde am Dienstag erwartungsgemäß zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt.

Den Grünen hingegen wünschen nur rund 13 Prozent das Finanzministerium. Knapp sieben Prozent hätten gerne einen CSU-Finanzminister.

Ein Ergebnis nach Parteipräferenzen überrascht: Selbst unter Grünen-Wählern gibt es keine klare Mehrheit dafür, dass die Ökopartei das wichtige Finanzressort übernimmt. Etwa gleich viele Grünen-Anhänger würden das Finanzressort lieber an die CDU oder die FDP vergeben.

Zur Frage, wie beliebt eine Jamaikakoalition nach aktuellem Stand bei den Deutschen ist, ergibt sich in Ost- und Westdeutschland ein unterschiedliches Bild.

Laut der Umfrage, die zwischen dem 19. und 24. Oktober erhoben wurde, bewertet in Westdeutschland etwa die Hälfte der Befragten ein Jamaika-Bündnis positiv. In Ostdeutschland allerdings wünscht sich nur gut ein Drittel ein Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen.

Insgesamt sieht eine knappe Mehrheit bundesweit ein Jamaika-Bündnis positiv. Allerdings ist das eine Momentaufnahme. Weil insgesamt vier Parteien für ein Jamaika-Bündnis zusammenarbeiten müssen, werden schwierige Koalitionsverhandlungen erwartet.

Rund 70 Prozent der Befragten gehen bislang davon aus, dass es dieses Bündnis am Ende der Gespräche geben wird.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wer steckt hinter Civey?Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

cht



insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
micromiller 24.10.2017
1. Jamaika wird den Vorteil haben,
dass es von Frau Merkel keine Soloentscheidungen in fundamentalen Dingen mehr geben wird.Der Einfluss FDP/Grün sichert überlegtere, ausgewogenere Politik, das ist gut für Deutschland.
rkinfo 24.10.2017
2. FDP passt für schwarze Null, Steuerreform und Privatisierungen
Die FDP hat ja bereits im Wahlkampf sich mehr über Steuern ausgelassen. Die 7% Hotelsteuer von 2010 war zwar ne kalte Dusche, aber im Nachbarland Frankreich sind noch viel mehr Leistungen auf 7% oder weniger Steuer gesetzt. Auch Privatisierung sind überfälligt, da schlechte Ergebnisse der Staatsbetriebe vorliegen: - Die Bahn fährt mit reparaturanfälligen Quasi-Schrott - Die Telekom hat die Glasfaser / Digitalisierung verpasst und verbaut konzeptlos VDSL250 - ohne es zu aktivieren. Den Posten 'Wirtschaftsminister' hingegen kann man sich eher schenken, da er nicht für Infrastruktur (Glasfaser, Bahnnetz, Autobahnen, Steuerrecht us.w.) zuständig ist. Ludwig Erhardt konnte früher mal dort etwas gestalten, aber das ist sehr lange her.
Ezechiel 24.10.2017
3. Finanzminister von der CDU oder der FDP.
So durchgeknallt sind die Deutschen dann doch nicht, als dass sie sich mehrheitlich einen Finanzminister von den Grünen wünschen. Herrn Macron aus dem Nachbarland wäre ein grüner Finanzminister sicher genehm. Ein Finanzminister der FDP wäre, wie er selbst sagt, "sein (mein) Tod". Warum weis ich nicht.
marty_gi 24.10.2017
4. es gibt kaum schlimmeres
es gibt nichts schlimmeres als einen FDP Finanz- oder Wirtschaftsminister. Dann "regelt der Markt" immer alles - so wie's die eigene Klientel will. Und geht es schief (Bankenkrise!), dann muss der Steuerzahler wieder einspringen, waehrend die Abzocker die eigenen vollen Taschen in Sicherheit bringen. Nein, solange diese Partei der Ansicht ist "denkt jeder an sich, ist an jeden gedacht", solange kann sie keinen Finanz- oder Wirtschaftsminister stellen.
Freidenker10 24.10.2017
5. Schuldenschnitt für Griechenland?
Zitat von micromillerdass es von Frau Merkel keine Soloentscheidungen in fundamentalen Dingen mehr geben wird.Der Einfluss FDP/Grün sichert überlegtere, ausgewogenere Politik, das ist gut für Deutschland.
Da bin ich mal gespannt... Bei der nächsten Griechenland Krise, oder Italien, Spanien, vielleicht sogar Frankreich wenn es um hop oder top geht, werden sie alle wieder einknicken weil keiner für einen Crash verantwortlich sein will! Dann wird auch plötzlich wieder Geld da sein, von dem man jetzt noch gar nichts weiß. Die erste Probe kommt ja schon bald mit dem angekündigten Schuldenschnitt für Griechenland, da hört man erstaunlich wenig von den Parteien! Ich hab die Hoffnung begraben das auch mal was fürs Inland ( sozialer Wohnungsbau, marode Schulen, Infrastruktur, Internetausbau usw. ) abfällt..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.