Umfrage zur Bayern-Wahl CSU droht Wahldesaster

Die schlechten Umfrageergebnisse für die CSU reißen nicht ab. Jetzt meldet nach der ARD auch das "Politbarometer" des ZDF: Die absolute Mehrheit der Partei ist gefährdet.


München - Rund eine Woche vor der Landtagswahl in Bayern wird es immer deutlicher: Die CSU muss um die absolute Mehrheit im Freistaat bangen. Laut einer Umfrage für das ZDF-"Politbarometer" bekommen die Christsozialen lediglich 47 Prozent - ein blamables Ergebnis für Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber. Bei der Wahl 2003 hatte Vorgänger Edmund Stoiber fast 14 Prozentpunkte mehr geholt.

Beckstein (l.) und Huber: Den Stoiber-Nachfolgern droht ein Debakel
DDP

Beckstein (l.) und Huber: Den Stoiber-Nachfolgern droht ein Debakel

Die Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen sind den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der ARD sehr ähnlich. Dort kam die CSU ebenfalls auf 47 Prozent Zustimmung.

Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Franz Maget kann von dem Tief der Regierungspartei nicht profitieren: Sie kommt bei der ZDF-Erhebung nur auf 20 Prozent und liegt im Bereich ihres Ergebnisses von vor fünf Jahren. FDP und Freie Wähler haben gute Chancen, in den nächsten Landtag einzuziehen: Die Liberalen liegen bei neun Prozent Zustimmung, die Freien Wähler bei acht Prozent. Die schon im Landtag vertretenen Grünen rangieren derzeit bei acht Prozent. Die Linkspartei schafft mit vier Prozent demnach nicht den Sprung ins Münchner Parlament.

Der Ausgang der Abstimmung verspricht Hochspannung: Denn die Hälfte der Wähler im Freistaat ist noch unentschlossen, ob und wen sie wählen werden. Dass 49 Prozent der Bayern noch keine Entscheidung für den Wahltag getroffen haben, führen die Meinungsforscher auf die zurückgehende Bindung großer Teile der Wählerschaften an einzelne Parteien zurück. Nach dem Wechsel an der CSU-Spitze von Stoiber zu Beckstein und Huber im vergangenen Jahr habe diese bundesweit zu beobachtende Entwicklung nun auch Bayern erreicht und die ehemals stabilen Strukturen zugunsten der CSU erschüttert.

Wegen des unklaren Wahlverhaltens gibt das ZDF in der Umfrage deshalb auch keine Prognose für den Wahlausgang am 28. September. Die abschließende Mobilisierung könne das Verhalten noch beeinflussen.

Auch das Ansehen Becksteins hat gelitten. 54 Prozent bevorzugten ihn bei der Umfrage als Ministerpräsidenten. Ende Juli hatte er mit 60 Prozent Zustimmung noch einen deutlich besseren Wert. Seinen Herausforderer Maget ziehen inzwischen 24 Prozent vor, nach zuvor 19 Prozent.

Im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl nahm die Zufriedenheit mit der CSU deutlich ab. Vor der Wahl 2003 wurden die alleinregierenden Christsozialen auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf mit 1,8 bewertet, inzwischen nur noch mit 0,7. Aber auch hier kann die SPD nicht profitieren, sie erhält für ihre Arbeit im Landtag einen Minuswert von 0,5. 2003 fiel das Minus mit 0,2 noch geringer aus.

Der Umfrage zufolge liegt die CSU bei den Kompetenzwerten in den Bereichen Arbeitsmarkt und Wirtschaft mit einem riesigen Vorsprung vor der SPD. Bei der derzeit in Bayern als wichtigstes Thema geltenden Bildungspolitik büßen die Christsozialen allerdings deutlich ein: Hier halten sie nur noch 32 Prozent der Befragten für kompetent, die SPD 26 Prozent.

Befragt wurden 1105 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Bayern von Dienstag bis Donnerstag dieser Woche.

als/AFP/AP



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