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18. April 2012, 09:10 Uhr

Umfragen

Piraten weiter zweistellig

Mal zehn, mal 13 Prozent: Die Piratenpartei liegt zwei Umfragen zufolge weiter hoch in der Wählergunst. Für die FDP bleibt es dagegen eng - in einer Erhebung verpassen die Liberalen klar die Fünfprozenthürde.

Berlin - Die Piratenpartei stößt wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (6. Mai) und Nordrhein-Westfalen (13. Mai) auf große Sympathien bei den Bürgern: In einer Forsa-Umfrage liegt der politische Newcomer erneut auf 13 Prozent. Das Institut Allensbach sieht die Piraten bei zehn Prozent, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Das sind die höchsten Werte, die die Partei bei den beiden Instituten bisher erreicht hat.

In dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend von "Stern" und RTL lag auch die seit Monaten schwächelnde FDP stabil bei fünf Prozent und würde damit vermutlich in den Bundestag einziehen. Bei Allensbach kamen die Liberalen hingegen nur auf 3,5 Prozent.

Etwas schwächer präsentierte sich die CDU mit 35 Prozent (minus 1) bei Forsa und 34,5 Prozent bei Allensbach. Die SPD kletterte laut Forsa leicht auf 25 Prozent (plus 1), bei Allensbach kam sie auf 28 Prozent. Auch die Grünen erholten sich etwas und stiegen bei Forsa um einen Punkt auf 12 Prozent. Bei Allensbach lagen sie mit 14 Prozent vor den Piraten. Die Linkspartei kam bei beiden Instituten auf sieben Prozent. Laut Forsa sank sie damit um einen Prozentpunkt.

Schwarz-Gelb lag im Forsa-Wahltrend von "Stern" und RTL mit 40 Prozent drei Punkte vor Rot-Grün. Beide Lager hätten keine Regierungsmehrheit. Bei Allensbach läge Rot-Grün mit 42 Prozent hingegen vier Punkte vor Schwarz-Gelb mit zusammen 38 Prozent.

Für die Forsa-Umfrage wurden 2001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger vom 10. bis 13. April befragt. Die Allensbach-Umfrage stützt sich auf Befragungen in der Zeit vom 1. bis 13. April.

Marina Weisband, politische Geschäftsführerin der Piratenpartei, hatte zuletzt erklärt, sie halte ihre Partei nicht bereit für Regierungsverantwortung. "Ich sehe uns nicht in der Regierung, weil wir ein furchtbar nerviger Koalitionspartner wären. Wir wollen keinen Fraktionszwang, dafür öffentliche Koalitionsverhandlungen. Das bringt jede Partei zum Kotzen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Die Piraten sollten erst einmal Erfahrungen in einem Parlament sammeln, bevor sie über Regierungsverantwortung nachdenken.

Obwohl Weisband Ende April beim Bundesparteitag der Piraten nicht mehr für einen Vorstandsposten kandidieren wird und Politikern vorwirft, keine Vorstellung mehr zu haben, "wie normale Menschen leben oder wie sich Hartz-IV-Empfänger fühlen", hat sie auch Respekt vor ihnen. Dennoch müsse Politik sich so verändern, "dass man kein starkes Nervenkorsett mehr braucht". Sie selbst arbeite derzeit "bis zu 80 Stunden" pro Woche. Mit dieser Belastung habe sie nicht gerechnet.

hen/dpa/dapd

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