Umfrageschock für CSU Huber und Beckstein rasseln in neues Stimmungstief

Nur 48 Prozent - die jüngste Umfrage prophezeit der CSU für die Landtagswahl im Herbst herbe Verluste. Jetzt geht es im Wahlkampf um alles oder nichts. Denn bei einem Verlust der absoluten Macht in Bayern droht auch das Ende der Sonderrolle in Berlin.

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München - Die CSU unter der 50-Prozent-Marke in Bayern? Undenkbar. Zumindest bei Landtagswahlen seit 1970. Aus dem Parteipräsidium heißt es bisher analog, das Undenkbare sei nicht denkbar. Doch die Meinungsforscher von Infratest dimap machen es in einer Umfrage für die ARD möglich: Wären am kommenden Sonntag Landtagswahlen, käme die CSU demnach nur auf 48 Prozent. Im Vergleich zum Januar hat sie vier Prozentpunkte eingebüßt.

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DDP

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48 Prozent - das wäre unter der magischen Marke, würde aber wohl noch knapp für die absolute Mehrheit der Sitze im Münchner Landtag ausreichen. Doch für das Führungsduo aus CSU-Chef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein würde es eng: "Wenn das Undenkbare eintritt, müssen wir neu anfangen", formulieren führende CSUler.

Im Oktober erst angetreten, müssen Huber und Beckstein schon um ihre Jobs bangen. So brachen beide im "Bayerntrend" von Infratest dimap bei den persönlichen Werten ein: 28 Prozent äußerten sich zufrieden mit der Arbeit von Erwin Huber, 48 Prozent billigten dies Günther Beckstein zu. Bedeutet im Zeitvergleich: Seit Januar verbuchten beide jeweils ein Minus von 20 Punkten.

Vor einer Woche schon sorgte eine vom Radiosender "Antenne Bayern" verbreitete Umfrage für Aufsehen: Demnach könnte die CSU nur mit 44 Prozent der Stimmen rechnen. Die absolute Mehrheit wäre damit definitiv passé. Doch die Methodik der Umfrage war umstritten, die CSU bezeichnete die Werte als nicht seriös.

Doch die 48 Prozent von Infratest nun sind kaum zu bezweifeln. Die Ergebnisse für die anderen Parteien: Die SPD käme auf 23 Prozent, was dem selbst gesetzten, nicht sonderlich ambitionierten Wahlziel von 25 Prozent schon recht nahe kommt. Die Grünen liegen bei zehn Prozent, FDP (sechs Prozent) und Freie Wähler (fünf Prozent) würden es in den Landtag schaffen, der am 28. September gewählt wird. Die Linke bliebe mit vier Prozent draußen.

Die Christsozialen relativierten den schlechten Wert: Umfragen seien "immer Momentaufnahmen von Stimmungen", sagte CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer. Zudem zeige die Umfrage, dass es "keine überzeugende Alternative zur CSU in Bayern gibt". Und Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid versuchte es mit Optimismus: "Die CSU hat bald wieder 50 Prozent plus X." Tatsächlich lag die Partei bei anderen Umfrageinstituten zuletzt immer bei 50 Prozent oder sehr knapp darüber.

Heftige Kritik kam vom früheren Parteichef Theo Waigel - allerdings griff der nicht Huber, sondern dessen Vorgänger Edmund Stoiber an. Vieles, was der neuen Führung angelastet werde, habe zu tun mit "Baustellen, die noch aus der vorhergehenden Regierung hervorgehen", sagte Waigel der "Passauer Neuen Presse". Der sich über neun Monate erstreckende Abschied Stoibers im vergangenen Jahr "war zu lang, vor allem für die beiden Nachfolger". Stoiber habe ihnen "damit keine Zeit gelassen, sich zu profilieren".

Stoiber selbst reagierte nicht, das Verhältnis zu Waigel gilt seit jeher als zerrüttet. Unvergessen die Zeiten, in denen der Ministerpräsident Stoiber den Bundesfinanzminister Waigel in Sachen Euro-Einführung attackierte. Intern hat Stoiber jüngst Huber den Rücken gestärkt. Allerdings verweist er hin und wieder auch darauf, dass er die Partei im Herbst mit 58 Prozent in den Umfragen übergeben habe.

Was werden Huber und Beckstein tun? Am Montag will der Parteichef ein Steuerkonzept vorlegen - damit wird er der großen Unionsschwester und Kanzlerin Angela Merkel um ein Jahr voraus sein. Die Wiedereinführung der Pendlerpauschale wird darin vorkommen, die CDU und SPD bisher aber ablehnen. Mit Politik für den kleinen Mann und Nadelstichen gegen die Große Koalition in Berlin will Huber wieder über die 50 Prozent kommen - und die bundespolitische Sonderrolle seiner Partei wahren. Ein Graus ist ihnen die Vorstellung, die CSU könnte nur einer von vielen CDU-Landesverbänden sein.

Auch die Kanzlerin - laut Infratest die derzeit populärste Unionspolitikerin in Bayern - hat daran ein Interesse. Denn bleibt die CSU nicht nur bei der Landtagswahl sondern auch bei der Bundestagswahl 2009 deutlich unter dieser Marke, sinken die Chancen der Union, wieder die stärkste Fraktion im Bundestag zu stellen und Merkel erneut zur Kanzlerschaft verhelfen zu können.

Mit Material von Reuters, ddp, dpa



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