SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. April 2009, 09:04 Uhr

Umkämpfte Präsidentenwahl

Köhler umschmeichelt Ostdeutsche

Das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik zollt den Bürgern der einstigen DDR seinen Respekt: Bundespräsident Köhler hat die Lebensleistung vieler Ostdeutscher gelobt - und um mehr Verständnis für die Probleme des Ostens geworben.

Berlin - Nächster Schachzug im dezenten Wahlkampf um Schloss Bellevue: Bundespräsident Horst Köhler, derzeit Hausherr im Amtssitz des deutschen Staatsoberhauptes, aber mit unsicherer Mehrheit in der Bundesversammlung, umschmeichelt die Bürger aus den neuen Bundesländern.

Bundespräsident Köhler: Verständnis für den Osten
AP

Bundespräsident Köhler: Verständnis für den Osten

In einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung schrieb Köhler, die Menschen im Westen hätten nach dem Mauerfall vielleicht "nicht immer genug Respekt für die individuellen Lebensleistungen der meisten Ostdeutschen gezeigt".

Gleichwohl befürworte auch in den neuen Bundesländern eine Mehrheit die Deutsche Einheit: "Ich bin mir ganz sicher: Das Land und die Deutschen wollen die Einheit. Sie ist ein großes Glück für uns alle", schrieb Köhler.

Man dürfe aber "nicht unterschätzen, wie tief der Bruch war, den die Einheit im Osten ja auch bedeutete. Manchem, der es verdient hat, ist vielleicht zu wenig 'Gesicht gelassen' worden".

Eine Generation, die über Jahrzehnte in der DDR-Mangelwirtschaft bei großem Einsatz immer wieder habe improvisieren müssen, "lässt sich nicht einfach sagen: Euer Leben war wertlos, weil eure Wirtschaft am Ende ist. Auf diese Gefühle, jenseits aller nüchternen Zahlen, ist vielleicht nicht genug achtgegeben worden." Zugleich bezeichnete Köhler die DDR als "Mangelwirtschaft", rühmte aber das Improvisationstalent der DDR-Bürger.

Sitzverteilung in der Bundesversammlung
SPIEGEL ONLINE

Sitzverteilung in der Bundesversammlung

Köhler kandidiert am 23. Mai für eine zweite Amtszeit. Er tritt dabei gegen die SPD-Kandidatin Gesine Schwan und den Kandidaten der Linkspartei, Peter Sodann, an. Der Bundespräsident wird nicht von den Bürgern per Direktwahl gewählt, sondern von Delegierten der Bundesversammlung.

Wegen der Machtverhältnisse in Bund und Ländern sowie des komplizierten Verfahrens, in dem die Mitglieder der Bundesversammlung bestimmt werden, ist eine Mehrheit für Amtsinhaber Köhler unsicher. SPD-Kandidatin Schwan macht sich Hoffnungen auf einen Wahlsieg.

Obwohl es eigentlich keinen offiziellen Wahlkampf um das Schloss Bellevue gibt, versuchen Köhler und Schwan vor der Wahl doch bewusst, eigene Akzente zu setzen. Zuletzt meldete sich Schwan mit der Warnung zu Wort, die Wirtschaftskrise schüre die Gefahr sozialer Unruhen in Deutschland, Köhler dagegen warnte vor Schwarzmalerei.

beb/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung