Umstrittene Außenpolitik Altkanzler Schmidt schließt sich Kohl-Schelte an

Nach Helmut Kohl rügt nun auch dessen Vorgänger Helmut Schmidt die Außenpolitik der Bundesregierung. Kohl habe Recht, Deutschland sei kein verlässlicher Partner mehr, sagt der SPD-Altkanzler. Er kritisiert auch seine eigene Partei - für deren Schuldenpolitik unter Rot-Grün.

Früherer Bundeskanzler Helmut Schmidt: Deutschland ist kein verlässlicher Partner
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Früherer Bundeskanzler Helmut Schmidt: Deutschland ist kein verlässlicher Partner


Berlin - Die Kritik an der Außenpolitik der Bundesregierung reißt nicht ab: Altkanzler Helmut Schmidt hat sich der Rüge seines Nachfolgers Helmut Kohl (CDU) angeschlossen. "Für mich ist der Kernsatz in Kohls Kritik: Man muss sich auf die Deutschen verlassen können. Und das ist gegenwärtig weder in Paris noch in London noch in anderen Hauptstädten in Europa der Fall", kritisierte der SPD-Politiker in der Wochenzeitung "Die Zeit".

"Unsere Nachbarn können sich im Augenblick nicht mehr unbedingt auf die Deutschen verlassen; sie rätseln, was die Deutschen wollen", sagte Schmidt. Die aktuelle schwarz-gelbe Bundesregierung hätten den Eindruck zugelassen, "dass ihnen der innerparteiliche Friede innerhalb der CDU/CSU oder die Landtagswahlen wichtiger sind als die Gewissheit, dass die europäische Integration fortschreitet", bemängelte Schmidt, der auch Herausgeber der "Zeit" ist.

Altkanzler Helmut Kohl hatte die aktuelle deutsche Außenpolitik in der Zeitschrift "Internationale Politik" kritisiert und gesagt, Deutschland sei schon seit einigen Jahren keine berechenbare Größe mehr. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alles verspielen. Wir müssen dringend zu alter Verlässlichkeit zurückkehren", hatte der frühere Bundeskanzler betont. Die Schelte hat eine Diskussion über die Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ausgelöst.

Schmidt hielt aber auch Kohl selbst Fehler im Zusammenhang mit der Euro-Einführung vor. Er hätte "ganz gewiss nicht nur Griechenland, sondern eine Reihe anderer Staaten nicht in die Euro-Zone aufgenommen". Der entscheidende Fehler sei allerdings schon 1991 in Maastricht gemacht worden. Bereits damals habe man alle EU-Staaten zur Teilnahme an der gemeinsamen EU-Währung vorgesehen, sofern sie die sogenannten Konvergenzkriterien erfüllten. "Die Verhandlungen über den Maastrichter Vertrag fallen noch in die Regierungszeit von Helmut Kohl", sagte Schmidt.

Zum Verstoß Deutschlands gegen den Euro-Stabilitätspakt vor rund zehn Jahren sagte der SPD-Altkanzler: "Dieser Verstoß geschah unter der Regierung von Gerhard Schröder, hier stimme ich der Kritik Kohls zu." Allerdings seien die Deutschen nicht die einzigen gewesen, auch Frankreich habe gegen die Kriterien verstoßen.

fab/dpa/AFP

insgesamt 28 Beiträge
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Bre-Men, 31.08.2011
1. Methusalix
Helmut Schmidt ist wie die damalige Kodderschnauze Gisela Schlüter. Einfach peinlich.
so_nicht 31.08.2011
2. verläßlicher Zahler
Bei aller gebotenen Hochachtung vor Herrn Schmidt: Was heißt "nicht verläßlich"? Wir haben am Ende immer bezahlt. Geht das angemahnte Musterschülerdasein so weit, dass wir dazu auch noch immer bescheiden unseren Mund hätten halten müssen? Dass wir uns nicht ums Mitschießen drängen, sollte uns wirklich nicht zum Vorwurf gemacht werden. So wie die Welt aussieht, kriegen wir sonst vielleicht wieder Appetit darauf.
Gani, 31.08.2011
3. Ausser Populismus und Polemik nix gewesen
Zitat von so_nichtBei aller gebotenen Hochachtung vor Herrn Schmidt: Was heißt "nicht verläßlich"? Wir haben am Ende immer bezahlt. Geht das angemahnte Musterschülerdasein so weit, dass wir dazu auch noch immer bescheiden unseren Mund hätten halten müssen? Dass wir uns nicht ums Mitschießen drängen, sollte uns wirklich nicht zum Vorwurf gemacht werden. So wie die Welt aussieht, kriegen wir sonst vielleicht wieder Appetit darauf.
man muss schon unter einem ganz grossen Stein hausen um "Verlässlichkeit" auf diese drei Dinge zu reduzieren. Es sind die Feinheiten, das hin und her, das "mal abwarten und aussitzen", einfach all die Dinge von denen Madame Merkel glaubt, es diene dem eigenen Machterhalt.
Zereus 31.08.2011
4. ...
Zitat von sysopNach Helmut Kohl rügt nun auch dessen Vorgänger Helmut Schmidt die Außenpolitik der Bundesregierung. Kohl habe Recht,*Deutschland sei kein verlässlicher Partner mehr, sagt der SPD-Altkanzler. Er*kritisiert auch seine eigene Partei*- für deren Schuldenpolitik unter Rot-Grün. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,783647,00.html
Herr Schmidt genießt zwar ohne Zweifel meine vorzüglichste Hochachtung, aber wenn unter so etwas wie "Verlässlichkeit" immer nur Deutschlands großer Wille zum Öffnen des Geldbeutels gemeint ist, dann bin ich froh, dass wir derzeit wenig "verlässlich" sind.
Paul-1 31.08.2011
5. kt
Könnte es sein, dass Herr Schmidt nur deswegen Herrn Kohl recht gibt, weil er dadurch einen Keil in die Regierung treibt und somit der SPD nützt.
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