Umstrittener Moscheebau Die zwei Welten von Köln

Von , Köln

2. Teil: Lesen Sie in Teil 2: Wie Bürger Kölns auf den Moscheebau und die Demonstration der Bürgerinitiative reagieren


In Köln bleibt die Lage an diesem Samstag weitgehend ruhig. Rund 1000 Beamte hat die Polizei im Einsatz. Später wird bekannt, dass andere rechtsgerichtete Demonstranten eine eigene "Spontandemo" veranstaltet hatte, wie die Polizei mitteilt. Diese sei aufgelöst worden, rund 100 Personen in Gewahrsam genommen worden, erklärte ein Polizeisprecher. Mehrere hundert Bürger folgen dagegen einem Aufruf von Gewerkschaften, Parteien und Verbände für den Moscheebau. "Zur Religionsfreiheit gehört es auch, dass Muslime in Köln eine repräsentative Moschee bauen dürfen", sagt Kölns DGB-Vorsitzender Wolfgang Uellenberg van Dawen.

Vor dem Ehrenfelder Bezirksrathaus dagegen sind andere Töne zu hören. Dort hält FPÖ-Chef Strache seine Ansprache: "Wir wollen die Domglocke hier und nicht das Minarett" und "die linken Gegendemonstranten leben von unseren Sozialleistungen", ruft er. Björn Clemens, ein "Pro Köln"-Sympathisant aus Düsseldorf, spricht ebenfalls. "Wer glaubt, im Islam verhaftet zu sein, soll zurück in seine Heimat gehen. Schnürt euren Ranzen und geht nach Hause," ruft er.

Ratlose und besorgte Bürger

Der Kuppelbau, der zwei fünfundfünfzig Meter hohe Minarette haben soll, wird die größte Moschee Deutschlands sein. Rund 2000 Gläubigen bietet er Platz zum Beten. Seitdem Giordano an die Öffentlichkeit gegangen ist, wird auch in überregionalen Medien über das Projekt vermehrt geschrieben. Zuletzt meldete sich der in Köln lebende Schriftsteller Dieter Wellershoff mit einem abwägenden Aufsatz in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu Wort. Titel seines Beitrags: "Wofür steht die Kölner Moschee?"

Diese Frage scheinen sich auch viele Bürger zu stellen, die dem Bau der Moschee skeptisch gegenüber stehen, aber nichts mit "Pro Köln" zu tun haben wollen. In letzter Zeit, so glaubt eine Ehrenfelderin, die selbst für den Bau der Moschee ist, sei die Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung gestiegen. "Pro Köln" aber hetze die Menschen auf. "Dabei sind die Kölner nicht so, sie wollen mehrere Kulturen", sagt sie.

"Ich habe Angst, ich weiß gar nicht genau wovor, am meisten wohl vor den Rechten", sagt eine ältere Dame mit sorgfältig gelegten Locken. Sie sei nicht dagegen, dass Kölns Muslime eine neue Moschee bekommen, aber sie sorge sich "als Anwohnerin um die Verkehrsprobleme", die entstünden.

Eine Einzelhandelsfrau aus Ehrenfeld steht auf dem Bürgersteig und erklärt: "Ich fürchte mich einfach davor, dass sich fundamentalistische Muslime immer weiter ausbreiten." Aber es sei kaum möglich, diese Angst differenziert zur Sprache zu bringen, denn dann werde man gleich in die rechte Ecke gestellt. "Dabei finde ich Pro Köln grässlich". Es gebe nur diese beiden Seiten, die "ganz linken jungen Demonstranten und die Rechten von Pro Köln", die wahrgenommen würden. Das sei traurig, sagt sie. Und fügt an: "Wie eine absurde Kirmes."



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