Umstrittener Moscheebau Die zwei Welten von Köln

Der Bau der größten Moschee im Land spaltet Köln. Die Bürgerbewegung "Pro Köln" demonstrierte in der Rheinmetropole gegen das Projekt, demokratische Parteien, Gewerkschaften und Kirchen riefen zur Gegenkundgebung auf. Verunsicherte Bürger sorgen sich um Parkplatzprobleme und Rassismus.

Von , Köln


Köln - Die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün, die Kölner Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD) und der Generalsekretär der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) Mehmet Yildirim stehen in der Sonne neben einer Shell-Tankstelle in Köln-Ehrenfeld. Sie halten rote Rosen in den Händen und Flyer, mit dem Kölner Dom, der Synagoge und einer gezeichneten Moschee.

Rechte Moschee-Gegner: Demonstranten von "Pro Köln"
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Rechte Moschee-Gegner: Demonstranten von "Pro Köln"

50 Meter Luftlinie warten etwa 150 Demonstranten und Sympathisanten der Bürgerinitiative "Pro Köln".

Sie haben sich auf der anderen Seite der Venloer Straße versammelt. Nicht weit entfernt von dem Gelände, wo die Ditib heute eine Moschee auf einem alten Fabrikgelände betreibt und bald eine neue große Moschee mit Kuppel und Minaretten gebaut werden soll. So hat es zumindest die Kölner Politik entschieden - alle Parteien stimmten für den Bau. Nur "Pro Köln" ist dagegen.

Ein Mann in schwarzem Anzug huscht an Scho-Antwerpes vorbei. "Das ist einer von Pro Köln", murmelt die Bürgermeisterin. "Leider grüßt der mich immer, das ist schrecklich." Sie will nichts zu tun haben mit der Bürgerbewegung, die der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz beobachtet, weil sie mit ihrer "allgemeinen und pauschalen Diffamierung von Ausländern im Verdacht steht, gegen die Menschenwürde zu verstoßen". Die Bürgerinitiative "Pro Köln" wird im Verfassungsschutzbericht als Organisation mit rechtsextremen Bestrebungen aufgeführt und sitzt seit 2004 mit fünf Abgeordneten im Kölner Stadtrat.

Zur Kundgebung hat "Pro Köln" sich Verstärkung vom rechten Rand aus Österreich und Belgien geholt - den Chef der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, und Bart Debie von der rechtsextremen Partei "Vlaams Belang" aus Antwerpen. "Pro-Köln"-Männer mit sehr kurzen Haaren und solariengebräunten Gesichtern stehen mit weißen Ordnerbinden hinter der Polizeiabsperrung, einige Dutzend Bürger warten, bewaffnet mit Deutschlandflaggen und Holzkreuzen, auf den prominenten Besuch. Ein paar Jugendliche mit Eisernen-Kreuz-Ketten und Sweatshirts der Marke "Pitbull" haben sich darunter gemischt. Etwas darüber sagen, warum sie hier sind, wollen sie nicht.

Andere dafür umso mehr: Bernd Schöppe von "Pro Köln" sieht in dem Bau der Moschee einen "weiteren Schritt zur Islamisierung Europas". Auch Thomas Bendt glaubt, dass mit der Moschee ein islamistisches Machtsymbol gesetzt werden solle. Offen werde die Moschee nicht agieren, sagt er. "Wenn Männer und Frauen in der neuen Moschee getrennt beten werden, ist das nicht die Freiheit, die wir wollen." Eine Frau, die ihren Namen nicht sagen will, glaubt gar, wenn die Muslime erstmal genug seien, würden sie den Kölner Dom angreifen. Irgendwo möchte sie doch auch noch zu Hause sein und nicht denken, sie sei in einer fremden Stadt.

"Rote Karten gegen Rassismus"

Auf den Balkonen über der von Polizisten bewachten Versammlung beobachten Ehrenfelder Anwohner das Geschehen. Sie haben Schilder, "Rote Karten gegen Rassismus", aufgehängt. Linke Gegendemonstranten von der Antifa gröhlen "Nazis raus". Plötzlich kommt Unruhe auf bei den rechten Moschee-Gegnern. Kurz bevor der FPÖ-Chef Strache die Versammlung erreicht und sich mit schnellen Schritten unter die "Pro-Köln"-Sympathisanten mischt, steigt Nebel auf. Die Polizei vermutet zunächst eine Rauchbombe, kann es aber nicht abschließend klären.

Runde Schilder mit einer durchgestrichenen Moschee werden ausgepackt, aus dem Demonstrationswagen von "Pro Köln" tönt laute klassische Musik. Der Zug setzt sich in Bewegung. Die Anführer des Schweigemarsches tragen ein großes Transparent. Darauf zitieren sie Ralph Giordano: "Es gibt kein Grundrecht auf den Bau einer Großmoschee." Der jüdische Schriftsteller und Holocaustüberlebende hatte sich - wie "Pro Köln" - scharf gegen den Bau der Moschee ausgesprochen - nun spannen ihn die Rechten vor ihren Karren. Giordano wehrt sich heftig dagegen, von "Pro Köln" instrumentalisiert zu werden und erklärte die rechte Initiative"Pro Köln" zu der "lokalen Variante des Nationalsozialismus".



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