Umwelt Brüssel verlangt mehr Klimaschutz von EU-Bürgern

In der Debatte um den Klimaschutz nimmt EU-Umweltkommissar Dimas nun die Bürger der Europäischen Union in die Verantwortung. Er erwarte von jedem Einzelnen mehr Unterstützung. Er forderte die Europäer auf, ihr Verhalten zu ändern.


Berlin - "Jeder Einzelne trägt zum Ausstoß von Treibhausgasen bei", sagte Stavros Dimas der "Berliner Zeitung". Deshalb müssten alle bei der Lösung des Problems mitmachen. "Wenn wir Energiesparlampen verwenden oder den Bereitschaftsmodus beim Fernseher ausschalten, können wir nicht nur den Schadstoffausstoß senken, sondern zudem Geld sparen", sagte der EU-Kommissar. Er forderte andere Staaten und Weltregionen auf, bald ihre Vorstellungen vom langfristigen Klimaschutz zu konkretisieren.

Sonnenaufgang im Industriegebiet: Dimas appelliert an die Klima-Verantwortung jedes Einzelnen
AP

Sonnenaufgang im Industriegebiet: Dimas appelliert an die Klima-Verantwortung jedes Einzelnen

"Sie müssen nun rasch ihre Karten auf den Tisch legen", sagte Dimas in Anspielung auf die USA, Japan, China und Australien. Die Verhandlungen über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll sollten noch 2007 beginnen. "Der G8-Gipfel im Juni, den Kanzlerin (Angela) Merkel leitet, könnte für Fortschritte dahin entscheidend sein." Dimas hatte im SPIEGEL-Interview erklärt, auf Deutschlands Autobahnen müsse ein Tempolimit eingeführt werden.

Beim EU-Gipfel in Brüssel war am Freitag vereinbart worden, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu senken und den Anteil der erneuerbaren Energien zu verdreifachen.

Neue Weltordnung angestrebt

Der wahrscheinliche künftige britische Premierminister Gordon Brown strebt im Kampf gegen den Klimawandel eine "neue Weltordnung" an. Die Vereinten Nationen müssten die Maßnahmen gegen den Klimawandel zu einer "Säule" ihrer Politik machen, heißt es im Entwurf einer Rede, die Brown nach Angaben des Londoner Finanzministeriums heute halten will. Die internationalen Organisationen müssten die Umweltpolitik auf ihrer Agenda weiter nach oben setzen.

Die vom EU-Gipfel in Brüssel am Freitag beschlossenen Maßnahmen werde Brown gutheißen, teilte sein Ministerium weiter mit. Der Finanzminister werde innenpolitische Zielsetzungen benennen, wie die Briten zum Energiesparen beitragen könnten. Die Regierung müsse der Bevölkerung dabei behilflich sein, die "richtigen Entscheidungen" zu treffen. Dabei seien Anreize besser als Strafen. Brown wird vermutlich den amtierenden Premierminister Tony Blair beerben, der bis September zurücktreten will.

Auch innerhalb der deutschen Politik hält die Debatte um den Klimaschutz an. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Union gemahnt, den Bekenntnissen auch Taten folgen zu lassen. "So lange die deutsche Bundeskanzlerin mutig Klimaschutz betreibt, aber ihr eigener CSU-Wirtschaftsminister (Michael Glos) versucht, jedes Instrument und jede Maßnahme kaputtzumachen, so lange kommen wir nicht voran", sagte Gabriel der "Financial Times Deutschland". "Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit unseres gemeinsamen Regierungshandelns." CDU und CSU dürften der konkreten Umsetzung der beschlossenen Klimaziele nicht im Wege stehen.

Bei der Aushandlung des Klimaschutzvertrages für die Jahre nach 2012 erwartet Gabriel nicht, dass große Entwicklungsländer wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika bereits Reduktionsverpflichtungen für ihren Treibhausgasausstoß übernehmen werden. Vielmehr gehe es um die Frage, wie Wachstum und der Ausstoß von CO2 entkoppelt werden könnten. "Wir müssen zeigen, dass das möglich ist."

ler/AFF/dpa



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