Umweltgipfel Rio+20 Künast kritisiert Merkels Absage

Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs beraten in dieser Woche in Rio über den Umweltschutz - doch Angela Merkel ist nicht dabei. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wirft der Kanzlerin vor, die Erfolgsaussichten des Gipfels mit ihrer Abwesenheit zu schwächen.

Angela Merkel bei einem Treffen in Berlin: Uno-Umweltkonferenz ohne die Kanzlerin
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Angela Merkel bei einem Treffen in Berlin: Uno-Umweltkonferenz ohne die Kanzlerin


Baden-Baden/Köln - Die Fraktionsvorsitzende der Grünen rüffelt Angela Merkel (CDU) wegen der Nichtteilnahme an dem Uno-Umweltgipfel Rio+20. Die Kanzlerin lasse die Chancen des Treffens in Rio de Janeiro ungenutzt verstreichen, kritisierte Renate Künast am Mittwoch im SWR. Merkel hätte definitiv dabei sein müssen.

Die Kanzlerin rede oft darüber, dass die Zukunft der Welt organisiert werden müsse. Jetzt habe sie aber "weder durch Anwesenheit noch durch entsprechenden Druck vorher dafür gesorgt, dass es hier auch zu Ergebnissen kommt", so Künast im Hinblick auf die vorbereitete Abschlusserklärung des Konferenz-Gastgebers Brasilien, die von EU und Deutschland als nicht ausreichend angesehen wird. Die Kanzlerin macht durch ihre Absage in Rio nicht ihr eigenes politisches Gewicht geltend, sondern lässt sich von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) vertreten.

Künast gibt dem Gipfel, zu dem ab Mittwoch mehr als 100 Staats- und Regierungschefs in Rio de Janeiro erwartet wurden, kaum Erfolgschancen. Im Gegenteil - der Eindruck müsse entstehen, dass das Treffen eigentlich überflüssig und sogar noch schädlich sei. "Man könnte bald sagen, wenn keine Reisekosten entstanden wären und kein CO2-Ausstoß durch die Reisen dorthin, dann wäre der Welt mehr genützt worden", sagte Künast. Bundesumweltminister Altmaier könne nicht behaupten, nur weil in dem Entwurf der Abschlusserklärung "schöne warme Worte drinstehen, sei irgendetwas erreicht", wenn nicht einmal Jahreszahlen oder konkrete Ziele vereinbart wurden.

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat das Fernbleiben der Kanzlerin in Rio bedauert. Es mache ihn traurig, dass Merkel wie auch US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron nicht an der Veranstaltung teilnähmen, sagte Schick am Mittwoch in einem Interview des Domradios in Köln: "Die wichtigsten Staaten fehlen."

Greifbare Ergebnisse von dem Umweltgipfel erwartet auch der Erzbischof nicht. Die Vorlage für die Erklärung der Regierungschefs sei schon fertig und enthalte mehr allgemeine Hinweise als konkrete Festlegungen. "Das ist schade, das ist auch zu bedauern, das kann auch traurig machen", erklärte der Erzbischof.

fdi/dapd



insgesamt 9 Beiträge
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pacificwanderer 20.06.2012
1.
Soll sich Frau Merkel zweiteilen? Tun oder Unterlassen wird bekrittelt.
man_vs_ape 20.06.2012
2. Titel
Es ist schon vorher absehbar dass da nichts Gescheites entschieden wird. Seit Jahren kommt kein Zusammenschluss und es bleibt bei kleinen mündlichen Zusagen die dann doch nicht eingehalten werden. Dann doch besser das Geld sparen und nicht hinfliegen. Aber typisch Grün, groß rumreden. Selbst will man, wenn man an der Regierung beteiligt ist, dann in den Genuss kommen in Brasilien Ferien machen zu dürfen, es ist ja nicht ihr Geld!
prontissimo 20.06.2012
3. Was hat der Klerus damit am Hut ?
Zitat von sysopAFPMehr als hundert Staats- und Regierungschefs beraten in dieser Woche in Rio über den Umweltschutz - doch Angela Merkel ist nicht dabei. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wirft der Kanzlerin vor, die Erfolgsaussichten des Gipfels mit ihrer Abwesenheit zu schwächen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839975,00.html
Wieviele Mißbrauchte stimmt es wohl traurig, dass solchen Zeitgenossen hier eine Plattform zum Schwafeln geboten wird ??
achim-bonn 20.06.2012
4.
Zitat von sysopAFPMehr als hundert Staats- und Regierungschefs beraten in dieser Woche in Rio über den Umweltschutz - doch Angela Merkel ist nicht dabei. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wirft der Kanzlerin vor, die Erfolgsaussichten des Gipfels mit ihrer Abwesenheit zu schwächen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,839975,00.html
Es gibt weisgott momentan wichtigeres zu tun als einen Gipfel, der eh nur Show-Veranstaltung und dessen Schlußerklärung schon fertig ist, zu besuchen. Hier in Europa ist währungsbedingt landunter, nach Griechenland nun auch Spanien und auf Italien brauchen wir bestimmt nicht lange warten. Die Künast soll selber hinreisen und ihren Sermon dort ablassen, da findet sie wenigstens Gehör.
superfake2012 20.06.2012
5. Madame muss sich auf der Fussball-Ehrentribüne zeigen...
... da vergißt man schon mal, dass man neben Sparkanzlerin und Atomkanzlerin und Steuersenkungskanzlerin auch mal Klimakanzlerin war. Und die Beliebtheitswerte steigen, das ist der eigentliche Knüller.
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