Umweltminister Röttgen empfiehlt Union den Atomausstieg

Umweltminister Röttgen outet sich als Atomkraftgegner: Seiner Partei empfiehlt er den Ausstieg aus der Kernenergie. Diese habe keine hinreichende Akzeptanz in der Bevölkerung.
Atomkraftwerk Biblis: "Keine hinreichende Akzeptanz in der Bevölkerung"

Atomkraftwerk Biblis: "Keine hinreichende Akzeptanz in der Bevölkerung"

Foto: ddp

München - Schwarz-gelb lässt die deutschen Kernreaktoren länger laufen - daran gab es jüngst kaum noch Zweifel. Doch nun hat sich Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) zu Wort gemeldet. Er empfiehlt seiner eigenen Partei, sich möglichst bald von der Atomkraft zu verabschieden.

Die Union müsse sich "gut überlegen, ob sie gerade die Kernenergie zu einem Alleinstellungsmerkmal machen will", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Die Bundesregierung werde bis zum Herbst darlegen, wie die Reaktoren schrittweise durch erneuerbare Energien abgelöst werden sollen. Details nannte Röttgen nicht.

Die gesellschaftlichen Widerstände gegen die Atomkraft seien zu groß, sagte der Minister. "Kernenergie hat auch nach vierzig Jahren keine hinreichende Akzeptanz in der Bevölkerung." Deshalb dürfe die Union ihren Erfolg nicht davon abhängig machen, dass Kernkraftwerke störungsfrei laufen. Die schwarz-gelbe Regierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag zwar eine grundsätzliche Bereitschaft für längere Laufzeiten erkennen lassen, will diese aber bis Herbst in ein Energiekonzept einbetten. Dieses Konzept sei nötig, "nicht um die Kernkraft zu festigen, sondern um darzulegen, wie wir sie ablösen", sagte Röttgen.

Warnung vor Sonderabgaben

Gleichzeitig warnte er davor, die Zusatzgewinne der Unternehmen mit einer Sonderabgabe abzuschöpfen. "Der Staat muss jeden Anschein vermeiden, er schöpfe Sondergewinne ab und mache dafür Zugeständnisse bei der Sicherheit." Dies sei auch verfassungsrechtlich schwierig.

Damit stellte sich Röttgen gegen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Der hatte kürzlich erklärt, er wolle "mindestens die Hälfte der Sondergewinne abschöpfen". Aus dem Aufkommen könne der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert werden. Auch die Unternehmen, die durch den längeren Betrieb abgeschriebener Atommeiler zusätzliche Milliarden einnehmen werden, hätten sich auf einen solchen "Vorteilsausgleich" eingestellt, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Die deutschen Kernkraftwerke seien "auf 40 Jahre ausgelegt", sagte Röttgen. Gehe man darüber hinaus, "wäre das eine Zäsur". Auch müssten Sicherheitsstandards an den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik angepasst werden.

Nach dem geltenden Atomausstieg dürfen die deutschen Atomkraftwerke nur 32 Jahre lang laufen. Allerdings wurde diese Laufzeit umgerechnet in Strommengen; diese allein sind maßgeblich.

Einige Reaktoren, die - wie Biblis A und B in Hessen, Neckarwestheim 1 in Baden-Württemberg und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein - ihre Strommengen noch nicht produziert haben, sind derzeit schon älter als 32 Jahre. Biblis A und Brunsbüttel stehen, auch in Erwartung längerer Laufzeiten, seit Monaten still.

hda/dpa
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