Ungarns Ministerpräsident Orbán "betet" für Wahlsieg Merkels

Angela Merkel ist eine heftige Kritikerin von Ungarns Flüchtlingspolitik. Dennoch hofft der rechtsnationale Premier Viktor Orbán angeblich auf einen Sieg der Kanzlerin bei der Bundestagswahl am Sonntag.

Orbán und Merkel (Archivaufnahme vom Februar 2016)
AP/dpa

Orbán und Merkel (Archivaufnahme vom Februar 2016)


Ob sich Angela Merkel über diese Unterstützung freut? Zwei Tage vor der Bundestagswahl hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán die Hoffnung ausgedrückt, dass die Kanzlerin gewinnt. "Wir sprechen ein stilles Gebet dafür, dass das Mandat der jetzigen Kanzlerin verlängert wird, denn unter den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ist dies vom ungarischen Standpunkt aus unser Interesse", sagte Orbán in seinem regelmäßig stattfindenden Interview mit dem Staatsrundfunk.

Dabei hatte Merkel sich erst vor wenigen Wochen sehr kritisch zur Flüchtlingspolitik Ungarns zu Wort gemeldet. Die Regierung in Budapest hatte angekündigt, ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht zu akzeptieren, eine festgelegte Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Diese Weigerung sei "nicht zu akzeptieren", so die Kanzlerin.

Ohne Namen zu nennen, warf Orbán in dem Interview EU-Politikern "Gesetzesbruch" vor, wenn sie Ungarn mit Entzug von EU-Fördermitteln drohen, weil Budapest die Verteilung der Flüchtlinge nach Quoten nicht akzeptiert. Diese Forderung hatte unter anderen der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ausgesprochen, Merkel aber ist dagegen.

"Wer darüber redet, dass man einem Land Mittel entziehen muss, weil es zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage nicht (mit Deutschland) einer Meinung ist, der begeht einen Gesetzesbruch", sagte Orbán.

"Wir bekommen von der EU keine Geschenke", sagte der Regierungschef. "Ich sehe keinen Unterschied zwischen EU-Geld und ungarischem Geld. Es ist unser Geld. (...) Wir zahlen in den (EU-)Haushalt ein, wir haben unsere Grenzen geöffnet, die westlichen Unternehmen haben (durch die Grenzöffnung) Chancen bekommen, die sie sonst nicht bekommen hätten."

als/dpa

insgesamt 18 Beiträge
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kyon 22.09.2017
1. Nicht angeblich, sondern ganz bestimmt
"Dennoch hofft der rechtsnationale Premier Viktor Orbán angeblich auf einen Sieg der Kanzlerin bei der Bundestagswahl am Sonntag."(SPON) Wieso "angeblich"? Für Orbán ist doch wohl ganz selbstverständlich Frau Merkel im Vergleich zu den linksgrünen Perspektiven unter Schulz das kleinere Übel.
timvie 22.09.2017
2. Smart guy ..
würde ich an seiner Stelle auch!
garfield1956 22.09.2017
3. Tja Frau Merkel,
das rechtsradikale Typen wie Orbán und Erdogan sich ihren Wahlsieg wünschen sollte möglicherweise zum Nachdenken führen. Aber Sie sind sicher gerade damit beschäftigt die Lobbyisten im Bundestag zu bedienen.
Überfünfzig, 22.09.2017
4. Vielleicht....
…steckt hinter dem Wunsch das Wissen, das weitere 4 Jahre GroKo, Steuerzahlerleistungen für mehrheitlich Wirtschaftsmigranten inkl. Nachzug in 2021 von ca. 60 – 70 Millarden/ Anno, das endlich auch dem treuesten CDU/CSU/SPD-Fanboy die Augen geöffnet werden, das seine „Parteifreundin“ Angela für Deutschland eine schwer verdauliche Politik eingeläutet hat und die AfD, die ihm wohl inhaltlich näher steht, noch mehr Wähler zugetrieben werden. Ein Schelm der Böses denkt!
MKAchter 22.09.2017
5. Bessere Perspektive
Zitat von kyon"Dennoch hofft der rechtsnationale Premier Viktor Orbán angeblich auf einen Sieg der Kanzlerin bei der Bundestagswahl am Sonntag."(SPON) Wieso "angeblich"? Für Orbán ist doch wohl ganz selbstverständlich Frau Merkel im Vergleich zu den linksgrünen Perspektiven unter Schulz das kleinere Übel.
Nicht nur für Herrn Orban. Sondern auch für sehr viele deutsche Bürger und Wähler... Nicht, weil sie mit Herrn Orban sympathisieren würden; aber aus eigenen, grundsätzlichen Erwägungen.
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