Unicef-Krise Neue Vorwürfe gegen Ex-Chef Garlichs

Unicef-Komiteemitglieder erheben schwere Vorwürfe gegen den zurückgetretenen Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Trotz seines Rücktritts arbeite dieser weiterhin in der Kölner Zentrale. Das Kinderhilfswerk bestreitet das.


Köln - Edith von Welser-Ude spricht von einem "Skandal". Denn der zurückgetretene Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs arbeite auch nach seinem Rücktritt noch immer in der Kölner Zentrale des Kinderhilfswerks, berichtet das Komiteemitglied der Organisation.

Ex-Unicef-Chef Garlichs: Er arbeitet angeblich auch nach seinem Rücktritt weiter
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Ex-Unicef-Chef Garlichs: Er arbeitet angeblich auch nach seinem Rücktritt weiter

"Er kann jetzt doch dort nicht anfangen zu sortieren", sagte die Ehefrau des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD) im Deutschlandfunk mit Blick auf die Vorwürfe gegen Garlichs. Die alten Strukturen seien nach wie vor nicht ganz beseitigt. Es könne auch nicht sein, dass der Geschäftsführer Mitglied im Vorstand sei. Welser-Ude, die Komitee-Mitglied bei Unicef ist, plädierte dafür, dass jemand aus der Zentrale des Kinderhilfswerks in Genf die Geschäftsführung zunächst kommissarisch übernehme.

Die deutsche Sektion des Uno-Kinderhilfswerks steht seit Wochen in der Kritik. Der Organisation war öffentlich vorgeworfen worden, mit den anvertrauten Spendengeldern nicht in jedem Fall ordnungsgemäß umgegangen zu sein. Zunächst war die Vorsitzende Heide Simonis zurückgetreten, dann Garlichs, der langjährige Geschäftsführer.

In der "Frankfurter Rundschau" berichten Welser-Ude und die FDP-Abgeordnete Miriam Gruß, sie hätten mit ungläubigem Staunen erfahren, dass Garlichs auch nach seinem Rücktritt noch beinahe täglich in der Kölner Zentrale arbeite und auch an Sitzungen teilgenommen habe. Auf Nachfrage habe man ihnen mitgeteilt, Garlichs' "Sachverstand und große Erfahrung" seien noch gefragt, so Gruß.

Die Unicef wies die Vorwürfe zurück: "Herr Garlichs hat in den letzten Tagen sein Büro aufgeräumt", sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AP. Dies sei nötig gewesen, um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen: "In den letzten Wochen ist viel liegen geblieben." Garlichs habe aber keine Leitungstätigkeiten ausgeübt.

Der verbliebene Vorstand des deutschen Unicef-Komitees sollte nach Ansicht der FDP-Politikerin Gruß umgehend zurücktreten. Nach der Aberkennung des DZI-Spendensiegels "muss Unicef sofort einen Neuanfang machen", verlangte Gruß. Die für den 10. April anberaumte Mitgliederversammlung des Kinderhilfswerks sei "zu spät". Der Vorstand habe bis heute nicht begriffen, "welche Tragweite das Ganze hat. Jetzt hat er es mit Brief und Siegel bekommen". "Der ganze Vorstand gehört sofort ausgewechselt", verlangte auch von Welser-Ude. "Nur so kommen wir aus dem Sumpf raus."

Unicef-Vorstandsmitglied Carmen Creutz nannte die Aberkennung des DZI-Spendensiegels eine "Katastrophe". Sie rechne daher mit einem weiteren Einbruch der Spendeneinnahmen, sagte sie den in Dortmund erscheinenden "Ruhr Nachrichten".

Creutz räumte ein, dass "das Krisenmanagement miserabel" gewesen sei. Unicef arbeite aber bereits an neuen Leitlinien für die Zukunft.

als/ddp/AFP

insgesamt 177 Beiträge
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Seite 1
Klo, 04.02.2008
1.
Zitat von sysopDie Wirtschaftsprüfer der KPMG unterstellen der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks, bewusst zu lügen. KPMG hat Unregelmäßigkeiten unter anderem bei Honoraren und Provisionen festgestellt, nun gerät der Geschäftsführer Dietrich Garlichs zunehmend unter Druck. Welche Konsequenzen müssen gezogen werden?
Wenn es stimmt, dann müssen Köpfe rollen. So einfach ist das. Das Klo.
Betonia, 04.02.2008
2.
Zitat von sysopDie Wirtschaftsprüfer der KPMG unterstellen der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks, bewusst zu lügen. KPMG hat Unregelmäßigkeiten unter anderem bei Honoraren und Provisionen festgestellt, nun gerät der Geschäftsführer Dietrich Garlichs zunehmend unter Druck. Welche Konsequenzen müssen gezogen werden?
Da haben es sich ein paar Leute anscheinend zu bequem gemacht. Und man hat sie dabei in Ruhe gelassen. Konsequenzen: Wo es um Gelder geht, muss immer kontrolliert werden, und zwar von unabhängiger Seite, das ist doch nichts neues.
LibertyOnly 04.02.2008
3. SPD-Politiker nichts neues
Tja, nichts neues, diese Sozialdemokraten konnte noch nie mit Geld umgehen.
Sascha_N 04.02.2008
4. Go ahead...
Sehr geehrter Herr Hans-Ulrich Klose, wenn Sie möchten, dass die deutsche Bundeswehr in Afghanistan mehr Einsatz zeigt und presenter wird, dann bitte ich Sie bester Herr: GEHEN SIE VORWEG! Dieser Mensch weiß doch gar nicht, wie es in Afghanistan ausschaut. Den Russen wurde der Hintern versohlt, den Amerikanern ebenso - was soll dann die Bundeswehr da unten? Außer sterben, weil sie sich in Dinge einmischt, die Deutschland nichts angehen. Die USA haben wenigstens Gründe dafür: Die Ausbeutung der Rohstoffe...
Think-Smart 04.02.2008
5. Kleinere Organisationen sind effektiver
Wer viel in der dritten Welt unterwegs ist, wird bald bemerken, Unicef gibt es nur auf dem Papier. Wenn es wirklich mal brennt und die Leute gefragt sind, dann glänzen sie mit Abwesenheit. Gut hier nachzulesen: http://prohumane.org/hilfe.htm
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