Union Erste CDU-Abgeordnete bringen Brinkhaus als Kanzlerkandidat ins Spiel

Armin Laschet oder Markus Söder? Die K-Frage in der Union war zuletzt auf diese beiden Optionen reduziert. Doch nun bringen mehrere Abgeordnete einen weiteren Namen in die Debatte ein.
Ralph Brinkhaus, der Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion

Ralph Brinkhaus, der Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion

Foto: Bernd Elmenthaler / imago images/Bernd Elmenthaler

Der Union stehen entscheidende Tage bevor. Zwischen Ostern und Pfingsten soll geklärt werden, wer CDU und CSU als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf führt. Es gilt als ausgemacht, dass die Wahl auf einen der beiden Parteichefs fällt: auf den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet oder CSU-Chef Markus Söder.

Zuletzt hatte es erste Stimmen aus den Reihen der CDU gegeben, die für Söder als Kanzlerkandidat plädierten. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL gaben 84 Prozent der befragten Unionsanhänger an, dass sie Laschet nicht für einen geeigneten Kanzlerkandidaten halten. Markus Söder hingegen halten 86 Prozent der Befragten für geeignet.

In der CDU wird nun inzwischen auch ein dritter Name ins Spiel gebracht: der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Ralph Brinkhaus. Das sagten mehrere Unionsabgeordnete aus dem Bundestag und Landesparlamenten dem SPIEGEL.

»Ralph Brinkhaus hat große Ausstrahlung«

Astrid Mannes, CDU-Bundestagsabgeordnete

Michael von Abercron, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Schleswig-Holstein, sagte, er halte Söder für eine gute Option. Aber wenn Brinkhaus antrete, wäre dies eine charmante Alternative. »Geeignet wäre Ralph Brinkhaus. Ich bin ein absoluter Fan von ihm, insoweit hätte er meine volle Unterstützung, wenn es tatsächlich zu einer Kandidatur kommen sollte!«

Ähnlich sieht es Sepp Müller, Bundestagsabgeordneter aus Sachsen-Anhalt. »Ralph Brinkhaus hat in unserer Fraktion bei der bedauerlichen Maskenaffäre klar und schnell gehandelt. In der CDU sehe ich ihn im Moment vorn, und für mich ist klar, dass er auch für die Kanzlerkandidatur infrage kommen sollte«, sagt Müller.

Uwe Harms, Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt und Kandidat für den Bundestag, sagt: »Ralph Brinkhaus ist als Unionsfraktionsvorsitzender schon bei CDU und CSU geeint. Er setzt in der Bundespolitik die richtigen Signale und bewies in den vergangenen Monaten, dass er ein sehr geeigneter Kanzlerkandidat wäre. Er setzt die richtigen Themen und hat die nötige Kompetenz.«

Offen für einen Kanzlerkandidaten Brinkhaus wäre auch der Landtagsabgeordnete Marc Reinhardt aus Mecklenburg-Vorpommern: »Denkverbote in einer derart schwierigen Lage sollte es für die Kanzlerkandidatur nicht geben.«

Die Bundestagsabgeordnete Astrid Mannes aus Hessen sagt: »Ralph Brinkhaus hat große Ausstrahlung, und ich kann ihn mir als Kanzlerkandidaten gut vorstellen. Entscheidend ist aber letztlich, wem die Menschen das größte Vertrauen entgegenbringen.«

»Ralph Brinkhaus ist integer. Er tritt klar und robust auf und ist authentisch«, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Sauer. Die beiden Parteivorsitzenden, die ihre Entscheidung treffen, täten gut daran, auch andere mögliche Kandidaten in den Blick zunehmen. »Als möglicher Kanzlerkandidat käme Ralph Brinkhaus also auf jeden Fall infrage«, so Sauer.

Warten auf ein Signal von Brinkhaus

Sehr deutlich wird Sylvia Pantel, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen: »Die, die glauben, sie kämen alleine für die Kanzlerschaft infrage, müssen einsehen, dass der mit den besten Erfolgsaussichten es machen sollte und sie diese nicht zu haben scheinen.« Man müsse über weitere Kandidaten nachdenken, »es geht um das Wohl unseres Landes und der Partei. Ich finde, dass wir auch über Ralph Brinkhaus oder doch noch mal über Friedrich Merz als mögliche Kanzlerkandidaten sprechen sollten«, sagte Pantel. Auch über eine Mitgliederbefragung sollte man nachdenken.

Mehrere Abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen sagten dem SPIEGEL ebenfalls, sie würden sich hinter Brinkhaus stellen, sollte er den Wunsch nach der Kanzlerkandidatur öffentlich äußern. Derzeit wollen sie jedoch namentlich nicht genannt werden. Einer von ihnen drückt es so aus: »Brinkhaus kann reden und die Leute begeistern, er gehört keinem Flügel in der Partei an. Als Kanzlerkandidat sollte er für die Union infrage kommen.«

Brinkhaus selbst hat sich bislang zurückgehalten. Allerdings sagte er Anfang Januar vor Laschets Wahl zum CDU-Chef, er wolle sich bei der Kanzlerkandidatur der Union nicht auf die Parteichefs von CDU und CSU festlegen, sondern könne sich auch andere Kandidaten vorstellen. Und ein paar Wochen später stellte er klar, dass er bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten mitreden wolle.

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