Kampagne der FDP Union fürchtet Zweitstimmen-Fiasko wie in Niedersachsen

Die FDP buhlt nach ihrem desaströsen Ergebnis bei der Landtagswahl in Bayern um Zweitstimmen von Unions-Anhänger. Die CDU lehnt eine Leihstimmenkampagne für die angeschlagenen Liberalen ab. "Jede Partei wirbt für sich", sagt Generalsekretär Hermann Gröhe.

CDU-Generalsekretär Gröhe: "Die Union hat keine Stimme zu verschenken"
DPA

CDU-Generalsekretär Gröhe: "Die Union hat keine Stimme zu verschenken"


Berlin - Die Union sieht die Zweitstimmenkampagne der FDP vor der Bundestagswahl am Sonntag mit wachsender Skepsis. "Jede Partei wirbt für sich", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Montag. "Die Union hat keine Stimme zu verschenken."

"Eine Zweitstimmenkampagne ist ein Spiel mit dem Feuer", warnte der Chef der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Thomas Bareiß. "Wir brauchen beide Stimmen", bekräftigte Unions-Fraktionschef Volker Kauder - trotz des miserablen FDP-Ergebnisses bei der Landtagswahl in Bayern, wo die Liberalen mit 3,3 Prozent aus dem Parlament flogen.

CDU und CSU erinnern sich mit Schrecken an die Landtagswahl in Niedersachsen im Januar dieses Jahres. Auch damals galt ein Einzug der Liberalen in das Landesparlament als ungewiss, viele Unions-Anhänger machten ihr Kreuz bei der FDP. Die schnitt mit 9,9 Prozent viel besser ab, als erwartet. Der Zugewinn ging jedoch zu Lasten der CDU, Rot-Grün eroberte die Macht in Hannover.

FDP wirbt mit Postkarten und Aufklebern

Die Liberalen wollen auf die Sorgen der Union keine Rücksicht nehmen. Im ganzen Land umgarnt die Partei CDU/CSU-Direktkandidaten. Wahlkreisabsprachen sollen einen knappen Sieg für Schwarz-Gelb sichern. Doch das veränderte Wahlrecht, das Überhangmandate ausgleicht, macht den Schwachpunkt dieses Deals deutlich. Er würde der FDP helfen, nicht der CDU. Ende der Woche wird die FDP Postkarten an über vier Millionen Haushalte verschicken. Auf die großen Plakate mit Brüderle wird der Spruch geklebt: "Jetzt geht's ums Ganze."

Die FDP-Wähler bräuchten "keine Erlaubnis von der Union", sagte Parteichef Philipp Rösler dem Fernsehsender n-tv. Er kündigte einen Kampf "bis zur letzten Sekunde" an. "Wir wollen, dass Deutschland aus der Mitte heraus für die Mitte regiert wird", sagte Rösler. Er versicherte, die Kampagne werde "sportlich fair" verlaufen.

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle warnte erneut vor einer linken Mehrheit im Bundestag. "Manche träumen davon, in einer Großen Koalition landen zu können", sagte Brüderle. "Wenn sie aufwachen, sind sie bei Rot-Rot-Grün. Wer Merkel haben will, wählt FDP."

syd/dpa/AFP

insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
henniman 16.09.2013
1. Genau DAFÜR wird diese Partei gerade abgewählt
Es wird Zeit, dass die FDP verschwindet. Die 1,5 Millionen Rest-FDP-Wähler werden sich am Sonntag genau überlegen, ob sie ihre Stimme verschenken sollen oder lieber folgendes machen: Erststimme für den CDU-Kandidaten, Zweitstimme für die AfD.
bweber 16.09.2013
2. keine Leihstimme für die CDU
Ich werde nach dem Ergebnis in Bayern und nach den Reaktionen darauf bei der Bundestagswahl bestimmt nicht meine Erststimme der CDU leihen, sondern mit beiden Stimmen FDP wählen! Wie gesagt, jeder kämpft für sich...
phboerker 16.09.2013
3. Jüdische Vermächtnisse?
"Ende der Woche wird die FDP Postkarten an über vier Millionen Haushalte verschicken." Vier Millionen Postkarten? Wo hat die FDP denn soviel Geld her?
JBond 16.09.2013
4.
Zitat von sysopDPADie FDP buhlt nach ihrem desaströsen Ergebnis bei der Landtagswahl in Bayern um Zweitstimmen von Unions-Anhänger. Die CDU lehnt eine Leihstimmenkampagne für die angeschlagenen Liberalen ab. "Jede Partei wirbt für sich", sagt Generalsekretär Hermann Gröhe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-fuerchtet-negative-folgen-durch-zweitstimmenkampagne-der-fdp-a-922494.html
Hätte die FDP dort nur 4% bekommen und die restlichen 6% die CDU gewählt, hätte rot-grün noch eine viel stabilere Mehrheit (und nicht nur 1 Sitz) - daher ist diese Rechnung sinnlos. Generell ist doch klar, dass es eine Zweitstimmenkampagne wie 2009 durch die Ausgleichsmandate so nicht mehr geben wird, da es eben keine Win-Win-Situation mehr ist. Auf der anderen Seite wird der CDU auch klar sein, dass eine FDP mit 3-4% ihnen auch nicht weiterhilft - denn dann hätte Rot-rot-grün mit Sicherheit eine Mehrheit und sie wären auf das Wohlwollen der SPD zu einer großen Koalition angewiesen. Wahrscheinlich hilft der FDP das Bayern-Ergebnis daher, um auf Bundesebene die eigene Wählerschaft zu mobilisieren...und auch ein paar Protestler von der AfD zurückzuholen.
ambulans 16.09.2013
5. richtig
geil in berlin wirds erst, wenn die AfD - die situation erkennen und erklären können sie ja, nur ihre schlussfolgerungen daraus! - auch im bund die FDP ("falsche doktoren-partei", a.k.a. "fast-drei-prozent" or whatever you may think about them ...) killt - und angie wesentliche bestandteile ihrer hoffnung (CDU mind. 40%) wegrasiert - dann darf fr. dr. neuland angerobbt kommen und muss notgedrungen halbe-halbe anbieten - man, wird das geil ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.