Union ohne Star Merkel spricht von Guttenberg-Comeback

Karl-Theodor zu Guttenberg ist kaum weg - da wird schon wehmütig über seine Rückkehr spekuliert. Auch Kanzlerin Merkel trägt dazu bei: Sie erklärte ein Comeback für möglich. Den Vorwurf, sie habe selber auch Fehler in der Affäre gemacht, lässt sie nicht zu.    
Merkel und Guttenberg: "Die Türen sind nicht verschlossen"

Merkel und Guttenberg: "Die Türen sind nicht verschlossen"

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Plagiatsaffäre

Angela Merkel

Berlin - Sie hat in der um seine Doktorarbeit lange zu ihm gehalten. Zu lange, sagen manche. Und nun, nur drei Tage nach seinem Rücktritt, lässt sich Kanzlerin bereits dazu hinreißen, ein mögliches Comeback Karl-Theodor zu Guttenbergs zumindest anzusprechen. "Die Türen zur Politik sind ihm aus meiner Sicht nicht verschlossen", sagte sie den "Stuttgarter Nachrichten". Sie bleibe auch bei der Auffassung, "dass er weiter ein guter Minister hätte sein können".

Karl-Theodor zu Guttenberg

Eigene Fehler in der Affäre weist die Kanzlerin zurück. "Ich habe abgewogen zwischen Fehlern und Leistungen, und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass , der ein hochbegabter Politiker ist, sich als Verteidigungsminister bewährt hatte", sagte die Kanzlerin. "Mir ging es um die zentrale Frage, ob seine unbestreitbaren Fehler, derentwegen ihm der Doktortitel aberkannt wurde, seine weitere Amtsausübung negativ beeinflussen oder sie gar unmöglich machen würden." Guttenbergs Dissertation sei "Teil eines früheren, von seiner Ministertätigkeit völlig getrennten Lebensabschnitts", so die Kanzlerin.

CSU-Parteivize und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer kritisierte Forderungen nach einem schnellen Comeback. Der Mann solle erst mal in Ruhe gelassen werden. Durch Rückkehr-Spekulationen werde der Ex-Minister in den nächsten Hexenkessel getrieben. Allerdings würde es auch ihn freuen, Guttenberg wieder auf der politischen Bühne zu erleben. Andererseits wolle er sich nicht an Spekulationen beteiligen, ob Guttenberg gegebenenfalls bayerischer Regierungschef werde. Der Rücktritt habe die CSU ordentlich durcheinander gerüttelt. Er hinterlasse eine sehr große Lücke.

Kritik an CDU

Aus der CSU hält die Kritik an der Schwesterpartei wegen mangelnder Solidarität mit Guttenberg an. Der frühere CSU-Generalsekretär Thomas Goppel griff Merkels CDU scharf an. Es sei schäbig, sich auf Kosten eines politischen Freundes profilieren zu wollen, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Der Unions-Familiengedanke werde von "den führenden Figuren" nicht mehr praktiziert.

Die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier warf der CDU vor, sie säe Misstrauen zwischen den Unions-Parteien. Die Tochter von Franz Josef Strauß ging dabei auch auf die Äußerung der Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ein, die gesagt hatte, sie halte Guttenbergs Vorgehen bei der Doktorarbeit nicht für eine Lappalie und schäme sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich". Hohlmeier sagte, sie glaube zwar nicht, dass Schavan im direkten Auftrag von Angela Merkel gesprochen habe. Dass sich Schavan völlig wider den Willen der Kanzlerin geäußert habe, könne sie sich aber nicht vorstellen.

Horst Seehofer

Zuvor hatte bereits CSU-Parteichef Schavan und Bundestagspräsident Norbert Lammert vorgeworfen, Guttenberg in den Rücken gefallen zu sein. Auch er bastelt bereits am Comeback des gestürzten Ministers. Der Karl-Theodor solle sich jetzt erst mal "etwas erholen", erklärt Seehofer, wie ein treu sorgender Familienvater. "Und dann werden wir in aller Ruhe miteinander reden." Er habe als CSU-Chef schließlich großes Interesse, dass Guttenberg der bayerischen und deutschen Politik "erhalten bleibt".

Nach seinem Rücktritt will Guttenberg nach "Bild"-Informationen alle ihm zustehenden Übergangsgelder den Familien der bei Auslandseinsätzen gefallenen Bundeswehrsoldaten spenden. "Das Bundeswehrsozialwerk erhält damit von Guttenberg insgesamt 30.932 Euro", berichtet die Zeitung. Die Summe setze sich zusammen aus dem Ministergehalt für den Monat März, den letzten Abgeordnetenbezügen und dem Übergangsgeld für den ehemaligen Minister und Abgeordneten. Mit der Spende wolle Guttenberg noch einmal seine besondere Verbundenheit zur Truppe demonstrieren.

Nach seinem Verzicht auf alle politischen Ämter steht Guttenberg vor einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hof. Er soll für seine Doktorarbeit zum großen Teil Texte anderer Autoren kopiert haben, ohne dies auszuweisen.

ler/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.