Umstrittene Prämie Union verteidigt Betreuungsgeld gegen SPD-Kritik

Kaum jemand beantragt bisher Betreuungsgeld. Trotzdem will die Regierung keine Kritik an der "Herdprämie" hören - schon gar nicht von Peer Steinbrück. Familienministerin Kristina Schröder unterstellte dem SPD-Mann fehlende "Ahnung von der Lebenswirklichkeit junger Frauen".
Mutter mit Baby: Bisher wenig Interesse am Betreuungsgeld

Mutter mit Baby: Bisher wenig Interesse am Betreuungsgeld

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ dpa

Berlin - Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat das Betreuungsgeld gegen Kritik aus der Opposition verteidigt. Dabei wies sie vor allem den SPD-Kanzlerkandidaten scharf zurecht: "Peer Steinbrück hat keine Ahnung von der Lebenswirklichkeit junger Frauen, wenn er sagt, das Betreuungsgeld halte Frauen vom Arbeitsmarkt fern."

Der SPD-Politiker hatte am Wochenende kritisiert, das Betreuungsgeld werfe Frauen zurück und halte sie von der Erwerbstätigkeit fern. Dagegen wehrt sich Ministerin Schröder: "Wer glaubt, nur weil man uns Frauen 150 Euro hinhält, vergessen wir gleich sämtliche berufliche Ambitionen, der lebt in den fünfziger Jahren und hat in der Tat ein Problem mit seinem Frauenbild."

Womöglich droht der umstrittenen Leistung ohnehin ein Flop: Bislang wurden laut einer SPIEGEL-Recherche in einigen Bundesländern kaum Anträge gestellt. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass die SPD-geführten Länder sich kaum für das Projekt von Ministerin Schröder einsetzen.

Kritik kam nicht nur von Steinbrück. Das Betreuungsgeld sei "der falsche Weg", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministern Manuela Schwesig (SPD) - auch wenn die Antragszahlen noch steigen würden. Für den 3. August kündigte Schwesig einen Aktionstag "Kita-Ausbau statt Betreuungsgeld" an. In ihrem Bundesland sind demnach erst 44 Anträge eingegangen.

Bayern hofft auf Ansturm im Oktober

Das bayerische Sozialministerium hatte hingegen eine Werbekampagne gefahren, 55.000 Flyer verschickt und 2755 Haushalte mit nahezu vollständig ausgefüllten Anträgen versorgt. Laut Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) haben sich bislang 562 Eltern für die Leistung gemeldet. Der große Antragsschwung komme aber noch, so die Sozialministerin: Derzeit würden viele Eltern noch keinen Antrag stellen, weil sie noch Elterngeld erhielten.

Das Betreuungsgeld gilt für Kinder, die ab dem 1. August 2012 geboren sind. Im Regelfall werde das Elterngeld 14 Monate lang gezahlt. Erst nachdem der Anspruch auf das Elterngeld verbraucht ist - also ab Oktober -, werde das Betreuungsgeld für viele Eltern relevant.

Das Bundesministerium hielt sich hingegen mit Prognosen zurück: Für die Einführung zum 1. August seien alle Vorbereitungen getroffen und alle Informationen bereitgestellt, sagte ein Sprecher des Familienministeriums. "Jetzt schauen wir, wie das Betreuungsgeld angenommen wird." Zuständig für die Ausführung seien die Länder im Auftrag des Bundes, sagte der Sprecher. Eine spätere Bewertung sei im Gesetz vorgesehen.

usp/dpa
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