Unions-Umfragetief CSU-Politiker zweifeln an Merkels Führungsstärke

Mehrere führende CSU-Politiker haben sich über ihre Schwesterpartei beschwert: CDU-Chefin Merkel mangele es an Führungsstärke und der gesamten Partei an Profil, lauten die Vorwürfe. Grund für den Unmut sind miese Umfragewerte - doch ein Verteidiger ist schon zur Stelle. 


München - In der CSU wächst angesichts des Umfragetiefs der Union auf Bundesebene der Unmut über die Schwesterpartei CDU. Der frühere CSU-Chef Erwin Huber forderte am Dienstag von der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Führungsstärke. Das CSU-Vorstandsmitglied Bernd Posselt warf der CDU Profillosigkeit vor.

CSU-Chef Horst Seehofer kam Merkel zur Hilfe und mahnte: "Wenn man strategische Anmerkungen hat, soll man sie nicht über die Medien an unsere Schwesterpartei richten." Er habe "nicht die Absicht, dass wir von der CSU her jetzt eine Sommerunterhaltung liefern". Seehofer kündigte an, dies werde er auch am Montag deutlich im CSU-Vorstand sagen.

Huber warnte jedoch, die Lage sei "besorgniserregend". Merkel müsse "die Zügel deutlich stärker in die Hand nehmen" und für eine klare Linie sorgen. Der CSU-Wirtschaftsexperte fügte hinzu: "Die Berliner Koalition hat in der ersten Halbzeit zu viele Eigentore geschossen. Jetzt ist ein Umsteuern notwendig, um in der zweiten Halbzeit eine überzeugende Bilanz zu erreichen."

"Gezänk und Sprunghaftigkeit"

Huber sagte, bei den bisherigen Stammwählern der Union gebe es "gewaltige Irritationen". Es sei zu befürchten, "dass viele von ihnen nicht mehr zur Wahl gehen, weil sie die Sinnhaftigkeit der schwarz-gelben Koalition bezweifeln". Das Berliner Regierungsbündnis sei bislang "in erster Linie durch Gezänk und Sprunghaftigkeit hervorgetreten".

Huber fügte hinzu, ein "ganz gravierendes Beispiel von Missmanagement" sei die gegenwärtige Steuerdiskussion. Dort fehle "die ordnende Hand".

Auch der frühere CSU-Generalsekretär Thomas Goppel kritisierte, bei der CDU sei keine geschlossene Strategie erkennbar. Man merke, dass der Schwesterpartei "Köpfe" wie der frühere Unions-Fraktionschef Friedrich Merz und der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch fehlten.

Posselt warnt CDU vor "Unerkennbarkeit"

Posselt warnte die Schwesterpartei vor "Unerkennbarkeit". Er sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dapd: "Man weiß, wofür die CSU steht, die FDP ist schon ziemlich verwaschen, bei der CDU weiß es eigentlich niemand." Die CDU brauche jemanden, "der sich um die Seele der Partei kümmert und die Programmatik sichtbar macht".

Der CSU-Landtagsabgeordnete Konrad Kobler verlangte, die CDU müsse in Zukunft das konservative Wählerklientel wieder stärker berücksichtigen. Er fügte hinzu: "Das leidet ein wenig unter der Kanzlerin, die aus dem Osten kommt."

Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid mahnte dagegen: "In schwierigen Situationen muss man zusammenhalten." Zwar müsse natürlich auch die CDU "eine klare Linie in der Politik fahren". Es bringe aber nichts, "aufeinander einzuschlagen".

Zuletzt war die Union in Umfrage in der Gunst der Wähler noch weiter abgerutscht - auf den tiefsten Wert des Jahres, auf nur noch 32 Prozent. Auch die Kanzlerin steht zur Zeit schlecht da und liegt in Sachen Beliebtheit hinter den SPD-Politikern Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier.

amz/dapd



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