Unionszoff im Süden Schwaben-CDU schießt gegen Bayern-CSU

Hauen und Stechen im Süden der Republik: Den Wechsel zu Grün-Rot in Baden-Württemberg nutzt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer für eine Kampfansage an das Nachbarland. Doch jetzt zeigt sich sogar die in Stuttgart abgewählte CDU empört.

CSU-Chef Seehofer: "Wettbewerb der Systeme" zwischen Bayern und Baden-Württemberg
dpa

CSU-Chef Seehofer: "Wettbewerb der Systeme" zwischen Bayern und Baden-Württemberg


München/Stuttgart/Hamburg - Nach dem Machtwechsel in Baden-Württemberg hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Zusammenarbeit der beiden Bundesländer aufgekündigt. "Bisher hatten wir einen Wettstreit innerhalb gleicher Grundüberzeugungen. Jetzt führen wir einen Wettbewerb unter anderen Vorzeichen. Wir haben nun einen Wettbewerb der Systeme", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung".

Seehofer sprach vor allem die Bildungs- und Hochschulpolitik an. Während das schwarz-gelb regierte Bayern am dreigliedrigen Schulsystem und Studiengebühren festhält, steht das grün-rote Baden-Württemberg der Gemeinschaftsschule offen gegenüber und will die Gebühren an den Hochschulen abschaffen.

Die Reaktion in Stuttgart ließ naturgemäß nicht lange auf sich warten: "Das Kriegsgeschrei von Herrn Seehofer ist an Plattheit kaum mehr zu überbieten", sagte etwa Nils Schmid, designierter Vize-Ministerpräsident und Chef der SPD in Baden-Württemberg. Wenn Seehofer "auf eine sinnvolle Zusammenarbeit der Südländer keinen Wert mehr legt, schadet er damit schlussendlich seinen eigenen Leuten". Silke Krebs, Landeschefin der Grünen, sagte: Anstatt die neue grün-rote Landesregierung noch vor Amtsantritt "anzukoffern", solle die CSU lieber die Gründe für die Niederlage der CDU analysieren.

Doch auch Baden-Württembergs scheidende Landesregierung ist derzeit nicht gut auf die CSU zu sprechen. Die Aufforderung des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt an baden-württembergische Unternehmer, sich wegen des Wechsels von Schwarz-Gelb zu Grün-Rot im Südwesten künftig in Bayern niederzulassen, brachte Noch-Finanzminister Willi Stächele (CDU) auf die Palme: "Ich halte diese Äußerung für stillos, um nicht zu sagen rotzfrech", sagte der scheidende Minister der Nachrichtenagentur dpa. "Wer Baden-Württemberg schadet, kriegt auf die Hörner - auch wenn er CSU-Nachbar ist", stellte Stächele fest.

Die CSU ging auch Baden-Württembergs künftigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) direkt an: Dobrindt bezeichnete ihn im "Hamburger Abendblatt" als Fehlbesetzung und warnte die Union vor Bündnissen mit den Grünen. "Wer in einem Autoland die Reduzierung der Autoproduktion propagiert, weckt Zweifel an seiner Kompetenz", sagte Dobrindt. Kretschmann hatte in einem Interview gesagt, "weniger Autos sind natürlich besser als mehr" und zudem ein Porsche-Modell als "pornografisch" bezeichnet.

Entsprechend ist auch Porsche-Chef Matthias Müller enttäuscht von Kretschmann. "Wir haben Herrn Kretschmann schon Mitte April zum Gespräch eingeladen, und noch vor dem ersten Kontakt schießt er eine solche Breitseite gegen uns ab", sagt Müller im neuen SPIEGEL. Der Auto-Mann ist vor allem deshalb enttäuscht, weil es "mit der Fraktion der Grünen immer einen regen und intensiven Austausch" gab. Im Gegensatz zur verbreiteten Ansicht, dass der Sportwagenproduzent und die Umweltpartei so etwas wie natürliche Feinde seien, hatten Porsche und die Grünen bislang ein gutes Verhältnis. Der Porsche-Boss will mit Kretschmann bald diskutieren: "Wir sind gesprächsbereit."

Das ist wohl auch die CDU im Ländle. Denn auch in der Personalfrage Kretschmann ging CDU-Mann Stächele auf Konfrontationskurs mit der CSU - und sprang den Grünen bei: Der Respekt vor dem Wähler gebiete einen anständigen Umgang mit dem designierten Ministerpräsidenten.

Was Stächele nicht ausgesprochen aber vielleicht auch gemeint hat: Warum sollte man es sich mit den im Ländle so starken Grünen verderben? Vor allem, wenn man als Union irgendwann mal wieder an die Macht will?

tdo/dpa



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
heuwender 30.04.2011
1. oje oje
das ist wieder einmal typisch Christdemokratie pur,hauen und stechen,das können diese Pappnasen allemal besser als vernünftig regieren,getreu dem Motto Jeder gegen Jeden. Einfach lächerlich was diese Politker heute ablassen,pfui schämt euch ihr Heuchlerbande.
Rainer Daeschler, 30.04.2011
2. Unionsquerulant
Seehofer ist inzwischen vom gewichtigen Chef der bayerischen CSU zum Unionsquerulanten mutiert. Dabei fehlt ihm jede Freund-Feind Erkennung und er wird zur permanenten Quelle von "friendly-fire". Er stellt sich bei der Maut gegenüber der Kanzlerin quer und auf den Koalitionspartner FDP wird auch schon mal eingedroschen, wenn eigentlich mehr Ruhe in der Koalition angesagt ist. Diesmal hat er sich Baden-Württemberg vorgenommen und mit der ihm eigenen mangelnden Präzision die schwäbischen und badischen Blutsbrüder gleich mit erwischt.
Pandora0611 30.04.2011
3. Und Seehofer hat recht!
Zitat von sysopHauen und Stechen im Süden der Republik: Den Wechsel zu Grün-Rot in Baden-Württemberg*nutzt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer für eine Kampfansage an das Nachbarland.*Doch jetzt zeigt sich sogar*die in Stuttgart abgewählte CDU empört. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,759940,00.html
- Baden-Würtemberg soll deindustrieallisiert werden. - Die Grünen Tagträumer wollen ein autofreies Baden-Würtemberg. - Bildungsmäßig soll Baden-Würtemberg den letzten Platz einnehmen! Dafür steht die Gemeinschaftsschule. - Im LFA wird Baden-Würtemberg vom Geber- zum Nehmerland. - Baden-Würtemberg wird verspargelt. - Baden-Würtemberg wird 3.Welt!
WhereIsMyMoney 30.04.2011
4. ...
Die überbieten sich ja gegenseitig, was die Lächerlichkeit angeht. Die CSU an sich ist ja ziemlich lächerlich, dann kommt Seehofer der selbst für CSU-Verhältnisse lächerlich ist und dann ist da noch Dobrindt, der sogar für Seehofer lächerlich ist. Auch in Bayern ist die CSU bald nur noch Opposition, darüber sollten sie sich eher Sorgen machen.
genugistgenug 30.04.2011
5. Rauchzeichen
Zitat von Pandora0611- Baden-Würtemberg soll deindustrieallisiert werden. - Die Grünen Tagträumer wollen ein autofreies Baden-Würtemberg. - Bildungsmäßig soll Baden-Würtemberg den letzten Platz einnehmen! Dafür steht die Gemeinschaftsschule. - Im LFA wird Baden-Würtemberg vom Geber- zum Nehmerland. - Baden-Würtemberg wird verspargelt. - Baden-Würtemberg wird 3.Welt!
Das C orps D eutschlands U ntergang schießt auf das C orps S ozialer U ntergang oder will die CDU/CSU nur zeigen, wir sind auch noch da? Oder läuft irgendwie eine Sendung 'PSDSD' (Poitik sucht den Super Deppen)? Mit Mappus ist die vierte oder fünfte Garnitur abgegangen worden, jetzt versuchen die Reste sich aufzublustern und die Hohlräume zu füllen. Quatsch, CDU und SPD suchen doch nur einen Schuldigen dem sie das ganze Schlamassel in die Schuhe schieben wollen, wenn die dann gemeinsam ins ReGIERungsbettchen krabbeln - und die Grünen haben diese Rolle aus lauter Machtgier übernommen. Bereits der Korruptionsvertrag ist lächerlich: http://gruene-bw.de/fileadmin/gruenebw/dateien/Koalitionsvertrag-web.pdf
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