Untersuchungsbericht zur "Gorch Fock" Ekelrituale nach Vorschrift

Segelschulschiff "Gorch Fock": Ermittler fanden kaum Anhaltspunkte für Dienstvergehen
DPA

Segelschulschiff "Gorch Fock": Ermittler fanden kaum Anhaltspunkte für Dienstvergehen

Von und

7. Teil: Das Fazit


Mit dem Bericht hat sich die Marine keinen wirklichen Gefallen getan. Selbst bei wohlwollendem Lesen und der Erkenntnis, dass die Affäre um die "Gorch Fock" womöglich etwas aufgeblasen war, überkommt den Leser unweigerlich das Gefühl, dass hier gar nicht aufgeklärt werden sollte. Die "Bild" titelte in ihrer Online-Ausgabe bereits "DAS findet die Marine alles normal" über die Ekelrituale. Spätestens am Mittwoch wird der Tenor der Opposition wohl ähnlich kritisch werden.

Auch wenn die hektische Suspendierung von Kommandant Schatz durch Ex-Minister zu Guttenberg nun parteiübergreifend kritisiert wird, erhebt der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold durchaus Forderungen nach Justierungen bei der Marine. "Die Zusammenfassung des Berichts passt nicht zum Inhalt", sagte Arnold SPIEGEL ONLINE, "es gab Verfehlungen auf dem Schiff, die sich über viele Jahre eingeschlichen haben." Die Missstände aber würden von der Marine in ihrer Bewertung nicht anerkannt. Aus dem Report spreche der "alte Geist, die Dinge wegzulavieren", sagte Arnold, "doch die Marine muss den Fall aufarbeiten." Gerade bei der Führung des Schiffs müsse sich etwas bewegen.

Auch der Wehrbeauftragte dürfte sich mit dem Ergebnis der Recherchen nicht zufriedengeben. Dem Segelschulschiff "Gorch Fock" und seiner Stammbesatzung hätte es vermutlich mehr geholfen, wenn man die Verfehlung von Einzelnen klar benannt und geahndet hätte. Nur mit einem solchen harschen Schnitt kann der Dreimaster, der momentan auf dem Weg zurück nach Deutschland ist, noch eine Chance auf weitere Zukunft in der Flotte der Marine haben.



insgesamt 129 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Venator14 15.03.2011
1. ...
Wäre Guttenberg nicht schon weg, müsste er spätestens jetzt zurücktreten. Wie offensichtlich er der Bild Zeitung das Verteidigungsministerium überlassen hat, war wirklich eine Schande. Wer keine Äquatortaufe erleben will, der sollte nicht zur See fahren.
R1181 15.03.2011
2. Drei!
Die Gorch Fock ist ein Dreimaster. Da sieht man mal, wie der Bericht der Marine die Fakten verdreht!
nichtWeich 15.03.2011
3. ....
Zitat von sysopUnfälle, sexuelle Belästigung, Suff, überharter Drill - auf dem Vorzeige-Segler "Gorch Fock" herrschten angeblich unerträgliche Zustände. Ermittler unter Führung des Marineamtes kommen jetzt zu dem*Ergebnis, es sei alles gar nicht so schlimm gewesen. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,750920,00.html
Der Spiegel weiss es wieder besser..... Selber hat der Spiegel sich an den Bild-Reporten hochgezogen und jetzt darf sich das Ermittlerteam nicht darauf berufen... Schade das hier nicht mit dem Auge des unbeteileigten Beobachters berichtet wird. Propaganda hurra......
ElOmda 15.03.2011
4. Allein die Tatsache...
das nur 4 Marinevertreter die Untersuchung führten. Das sie nur so wenig Zeit in Anspruch nahm und das man glaubt, in einer verschworenen Gemeinschaft ohne Probleme die Wahrheit finden zu können zeit wie ernst man das ganze nahem. Selbst die Staatsanwaltschaft die weisungsgebunden handelt wird kaum etwas finden können. Wie ihr Bericht zu recht feststellt. Ein Aufbrechen alter Rituale ist nicht erkennbar. Ja keine Rufschädigung. Eine Chance wurde vertan. P. S. Ich weiß wo von ich schreibe. Als ehemaliger Berufs - Offizier kenne ich solche Rituale und die Denkweisen die ihnen zu Grunde liegen ! Richtiger und notwendiger Drill fehlt - falscher wird überproportional zelebriert. Eine Wehrdienstzeit von unter 18 Monaten lässt kaum Spielraum für eine gute Ausbildung und Bildung von Teams die fähig wären, sich selbst zu schützen und ihre Aufträge ohne Verluste auszuführen. Danke für ihre gute Darstellung dieser durchaus mit Sprengstoff behafteten Affäre. Zur Suspendierung: Richtig betrachtet und angewendet kann eine Suspendierung durchaus Sinn machen: Man schützt Opfer und mögliche Täter. Verhindert Einflussnahme auf Ermittlungen. Man schützt die Unschuldigen vor Spießrutenlaufen und man kann in aller Ruhe die Ergebnisse abwarten. Insofern gehört in der Marine die Fürsorgepflicht gegenüber Untergebenen zu einer wichtigen Aufgabe.
gh7401 15.03.2011
5. Verantwortung
Nun werden auch noch die wenigen, die auf merkürdige Vorgänge hinwiesen diskriminiert. Als ich in den 60-er Jahren dabei war, wurde noch Aufrichtigkeit und Demokratie gelehrt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.