Untreuevorwürfe gegen Unicef Vorstand gibt Simonis Schuld an PR-Desaster

Unicef kämpft gegen sein ramponiertes Image: Das Kinderhilfswerk stecke in einer "schweren Krise", räumte der Vorstand heute ein - und erhob schwere Vorwürfe gegen die Ex-Vorsitzende Heide Simonis.


Berlin - "Das deutsche Komitee befindet sich zweifellos in einer Krise", sagte Reinhard Schlagintweit, Übergangschef von Unicef Deutschland auf einer Pressekonferenz. Es gebe für das Kinderhilfswerk derzeit zwei massive Probleme.

Zum einen sei die Krise auf "das Problem Simonis" zurückzuführen und auf deren "mangelnden Willen, in einer schwierigen Lage voll hinter der Unicef zu stehen", sagte Schlagintweit. Sie habe sich nicht hinter das Komitee gestellt. Die langjährige Vorsitzende war am Wochenende nach monatelangen internen Querelen von ihrem Amt zurückgetreten.

"Zum anderen haben wir ein massives Vertrauensproblem", sagte Schlagintweit. Der Übergangschef räumte ein, dass man es in der Vergangenheit versäumt habe, der Öffentlichkeit das "hochprofessionelle" Spendengeschäft verständlich zu machen. "Aber auch Heide Simonis hat dieses Problem nicht erkannt", sagte Schlagintweit. Eine Vertrauenskrise könne "nicht mit Buchhaltermitteln" gelöst werden. Schlagintweit kündigte "neue Konzepte der Kommunikation und der Erkenntnis" an.

Christiansen: "Ich werde mich nicht abwenden"

Zuvor hatten sich mehrere prominente Unicef-Botschafter von der Hilfsorganisation distanziert. Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte um Aufklärung gebeten. Fernsehmoderatorin und Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen stellte sich in der Pressekonferenz hinter die Organisation. "Diesen Vertrauensverlust hat Unicef nicht verdient", sagte Christiansen. "Ich werde mich nicht abwenden, sondern noch stärker engagieren. Sie kritisierte jedoch das Krisenmanagement der Hilfsorganisation, bei dem es "immens große Fehler" gegeben habe. Christiansen rief die Spender auf, das Vertrauen an Unicef nicht zu verlieren. "Ich kenne die Mittelverwendung und die Projekte genau", sagte Christiansen.

Zuvor hatte der umstrittene Geschäftsführer Dietrich Garlichs Fehler eingeräumt. Auf betrieblicher Ebene habe es Schlampereien und Verstöße gegen selbst auferlegte Regeln gegeben. "Das sind Schlampereien, die wir abstellen müssen. Diese Kritik nehme ich gern an", sagte Garlichs. Es habe aber keine rechtlichen Verstöße gegeben.

Leitete Simonis Informationen gegen Garlichs weiter?

Aus dem Umfeld der Kölner Unicef-Zentrale verlautete unterdessen, Simonis habe Staatsanwaltschaft und Polizei mit Material gegen Geschäftführer Dietrich Garlichs versorgt, berichtete der "Tagesspiegel". Der Zeitung lagen demnach Unterlagen vor, die belegten, dass Simonis in ihrem Kieler Büro eingegangene anonyme Hinweise zu Beraterverträgen weiterleitete.

Zudem habe die Staatsanwaltschaft Kostenschätzungen zum Umbau der Kölner Hauptverwaltung erhalten, die aus Simonis' Sicht nicht ausreichend im Etat ausgewiesen waren, hieß es weiter. Simonis' Mitarbeiter Matthias Beigel sagte laut "Tagesspiegel", die Informationen seien weitergegeben worden, um nicht in den Verdacht der Aktenunterdrückung zu geraten.

amz /AFP



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