Uran-Munition Nach Armee-Unfällen Angst in der Oberpfalz

Auf dem US-Truppenübungsplatz im oberpfälzischen Grafenwöhr hat es zwei Unfälle mit der umstrittenen Uran-Munition gegeben. Noch gestern hatte die amerikanische Armee das heftig dementiert. Bei den Menschen in dem Ort geht nun die Angst um. Sie verlangen Aufklärung.


Uran-Munition: Wie hoch ist die radioaktive Strahlung?
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Uran-Munition: Wie hoch ist die radioaktive Strahlung?

Grafenwöhr - Auf dem US-Truppenübungsplatz in Grafenwöhr ist es in der Vergangenheit zu Unfällen mit der umstrittenen Uran-Munition gekommen. Im Jahr 1987 sei einmal irrtümlich die so genannte DU-Munition verschossen worden, sagte ein Sprecher des Heidelberger Hauptquartiers der US-Armee. Ein Jahr später sei ein mit den uranhaltigen Geschossen beladener Panzer ausgebrannt. Noch am Dienstag hatte die US-Armee bestritten, dass bei Übungen die Uran-Waffen verwendet worden seien.

In Grafenwöhr sorgte die Nachricht unter den rund 7.000 Einwohnern für Unruhe und Angst. "Wir verlangen eine sorgfältige Prüfung", sagte Wilhelm Keck, Geschäftsleiter der städtischen Hauptverwaltung, am Mittwoch gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Menschen der Stadt seien beunruhigt. "Der Fall liegt zwar schon lange zurück, aber es muss nun aufgeklärt werden", betonte Keck. Erst wenn alle Informationen auf dem Tisch lägen, könne die Kommune über weitere Konsequenzen nachdenken. Der Bürgermeister der Stadt wolle noch am Mittwoch mit Vertretern der US-Armee sprechen.

Bei beiden Zwischenfällen in der Oberpfalz sei die Uran-Munition versehentlich in Panzern eingesetzt worden, erklärte Sprecher Michael Baldermann von der US-Armee. Nach dem Unfall von 1987 sei das verschossene Geschoss samt dem umliegenden Erdreich sofort entfernt worden. Zudem seien Proben zu Laboruntersuchungen in die USA gebracht worden. Auch bei dem Panzerbrand von 1988 sei keine Radioaktivität freigesetzt worden. "Die Ummantelung der Munition wurde bei dem Feuer nicht beschädigt", sagte der Militärsprecher.

Nach Angaben Baldermanns wird normalerweise die Uran-Munition nicht bei Übungen von Bodentruppen eingesetzt. Die DU-Geschosse würden allerdings in der Bundesrepublik für den Ernstfall zur Verfügung gehalten. "Wo die Munition gelagert wird, darüber geben wir aus Sicherheitsgründen aber keine Auskunft."

Auch ein Sprecher der US-Luftstreitkräfte bestritt am Mittwoch, dass die Uran-Munition zu Übungszwecken in Deutschland von Flugzeugen abgeschossen wurde. Das Landratsamt Kelheim hatte am Dienstag Untersuchungen verlangt, ob die Geschosse an einem Bombenabwurfplatz beim niederbayerischen Siegenburg verschossen worden sind.

Bei Übungsflügen werde nur Munition eingesetzt, die statt eines Urankerns einen Bleikern habe, erklärte Wolfgang Hofmann von der US-Air-Force im rheinland-pfälzischen Ramstein. "Die Uran-Munition ist extrem teuer", sagte Hofmann. Schon aus diesen Gründen werde sie bei der Ausbildung nicht verwendet.



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