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20. Dezember 2011, 10:11 Uhr

Urlaubsliste des Bundespräsidenten

Wulffs spendable Freunde

Von und

Auch privat bewegt sich Christian Wulff in der Oberklasse - unter den Gastgebern seiner Urlaubsreisen sind millionenschwere Manager und Unternehmer. Wer sind die großzügigen Freunde des Präsidenten, woher kennt er sie?

Hamburg - Bundespräsident Christian Wulff ist in die Offensive gegangen: Er macht Unterlagen zu seinem Hausdarlehen öffentlich - und auch die Unternehmer, bei denen er in den Jahren 2003 bis 2010 Urlaub machte, ließ er von seinem Anwalt Gernot Lehr auflisten. So will sich das Staatsoberhaupt aus der Kreditaffäre manövrieren.

Aber kann ihm das gelingen? Hilft es ihm, wenn jetzt zu lesen ist, welche engen Verbindungen der erste Mann im Staat zu superreichen Managern und Unternehmern pflegt? Viele empfinden sein Verhalten als ungeschickt, andere urteilen angesichts der großen Nähe zu seinen Amigos härter: Die "Hamburger Morgenpost" titelte "Der Oberschnorrer" und zeigte dazu ein Foto von Wulff im Strandkorb. "Kennt er wirklich noch die Grenze?", fragt das Blatt.

Insgesamt sechsmal hat der CDU-Politiker in den Jahren 2003 bis 2010 bei befreundeten Geschäftsfreunden geurlaubt - oft kostenlos an den schönen Orten dieser Welt, in den USA, in Italien, in Spanien, auf der Nordseeinsel Norderney.

Aber wer sind die Reichen, die Wulff beherbergten, und woher kennt der Bundespräsident sie? Ein Überblick:

Das Ehepaar Edith und Egon Geerkens

Beim Ehepaar Edith und Egon Geerkens hat der Bundespräsident in den vergangenen Jahren gleich dreimal privat Ferien gemacht - 2003 und 2004 war die Familie Wulff jeweils einmal Gast der Familie in deren privaten Räumlichkeiten in Spanien. Zum Jahreswechsel 2009/2010 besuchten die Wulffs das Unternehmerpaar erneut, dieses Mal in deren Anwesen Coral Springs in Florida in den USA.

Geerkens und Wulff kennen sich aus Osnabrücker Zeiten. Christian Wulff war damals Ratsmitglied der CDU in Osnabrück. Der 67-jährige Unternehmer bezeichnet sich heute als väterlichen Freund des CDU-Politikers. Geerkens war schon ein Freund von Wulffs Vater Rudolf - und eine schillernde Persönlichkeit. Der gelernte Elektriker reparierte teure Unfallautos und handelte mit Antiquitäten. Später baute und kaufte er Immobilien. Geerkens zeigt seinen Reichtum gern.

Nach eigenen Angaben war der Unternehmer beeindruckt vom jungen Wulff, der sich in der Politik engagierte. Er war Wulffs Trauzeuge bei dessen erster Ehe mit Christiane - für die Hochzeitsparty überließ ihm Geerkens sein Penthouse. Der Kontakt zwischen den beiden Männern riss nie ab, auch dann nicht, als Geerkens in die Schweiz ging und Wulff in Hannover wohnte. Als niedersächsischer Ministerpräsident nahm er Geerkens 2008 und 2009 auf Auslandsreisen nach Indien, China, Japan und in die USA mit. Die Kosten übernahm der Unternehmer selbst, wie er dem SPIEGEL sagte.

2008 bekam Wulff dann den Privatkredit für sein neues Haus in Großburgwedel. Die 500.000 Euro Darlehen will der heutige Bundespräsident aber nicht von seinem Familienfreund Egon Geerkens selbst, sondern von dessen Frau Edith erhalten haben. Im aktuellen SPIEGEL räumte Geerkens allerdings ein, er sei an den Kreditverhandlungen maßgeblich beteiligt gewesen. Mittlerweile haben er und seine Frau ebenfalls einen Anwalt eingeschaltet.

Talanx-Aufsichtsrat Wolf-Dieter Baumgartl

Ein weiterer Unternehmer unter Wulffs Gastgebern ist der ehemalige Spitzenmanager der Versicherungsbranche und heutige Talanx-Aufsichtsrat Wolf-Dieter Baumgartl. Im Jahr 2008, kurz nach der Trauung, urlaubten Bettina und Christian Wulff im italienischen Domizil Baumgartls.

Der heute 68-jährige Baumgartl wurde im Jahr 1993 Vorstandschef des Haftpflichtverbands der Deutschen Industrie V.a.G. (HDI) - der Versicherer war angeschlagen, von internen Streitereien belastet. Baumgartl führte den Konzern allen Widrigkeiten zum Trotz zum Erfolg. Aus dem HDI ging 1996 die Versicherungsholding Talanx AG hervor, Baumgartl wurde auch dort Vorstandschef, seit 2006 ist er Talanx-Aufsichtsratsschef.

Die Presse erkannte bei Baumgartl in seiner Zeit als Talanx-Vorstand die Attribute eines Bonvivant: ein Versicherungschef mit Dreitagebart, der Kette raucht, guten Rotwein schätzt und schnelle Autos und Motorräder liebt. Aber nicht alle Schilderungen sind positiv: Die "FAZ" schrieb 2004 über ihn, er trete gelegentlich als "aufgeklärter, aber absolutistischer Monarch" auf.

Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass sich Wulff als Oppositionsführer im niedersächsischen Landtag für die Interessen von Baumgartls Versicherungsunternehmen eingesetzt und die damalige SPD-Landesregierung gedrängt habe, die Ansiedlung des Baumgartl-Unternehmens in Hannover zu stützen.

Ähnliche Informationen hat die "Hannoversche Allgemeine": Wulff und Baumgartl hätten sich spätestens 1999 kennengelernt, als die mögliche Abwanderung des Versicherungskonzerns nach Bayern gedroht habe und Wulff sich massiv für einen Verbleib des Unternehmens in Hannover starkgemacht habe. "Als Vorsitzender des Aufsichtsrates bei dem hannoverschen Versicherungsunternehmen hatte Baumgartl unbestritten wirtschaftliche Interessen, und beide hatten sich auch durch die landespolitischen Aktivitäten Wulffs kennengelernt", so die Zeitung.

Laut der "Bild"-Zeitung erklärte Wulffs Anwalt, dass es zwischen den beiden Männern in Wulffs Niedersachsen-Zeit Kontakte gegeben habe. Christian Wulff habe diese Kontakte zur Förderung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen im Land Niedersachsen genutzt.

Multimillionär Carsten Maschmeyer

Wulff ließ sich gerne von Freunden einladen - bezahlt hat er indes den Urlaub beim Multimillionär Carsten Maschmeyer im Sommer 2010. Aber da war Wulff auch schon Bundespräsident. Laut "Süddeutscher Zeitung" habe Maschmeyer später herumerzählt, er selbst sei es gewesen, der Wulff geraten habe, dafür etwas zu überweisen, wenn er sich nicht angreifbar machen wolle. Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker weist das als falsch zurück.

Am Montag wurde bekannt, dass Maschmeyer seinem Freund Wulff die Anzeigenkampagne für dessen Buch "Besser die Wahrheit" bezahlte - 42.731,71 Euro gab er nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung für Zeitungsanzeigen im Herbst 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs aus. Allerdings, so sagen beide, habe Wulff davon nichts gewusst.

Maschmeyer ist Gründer des Finanzdienstleisters AWD und nicht nur mit dem Bundespräsidenten eng verbandelt, der 52-Jährige ist auch Duzfreund von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Das Vermögen Maschmeyers wird auf mindestens 500 Millionen Euro geschätzt. Privat lebt Maschmeyer ein Leben in Luxus: Er hat eine Villa auf Mallorca und eine in Hannover, sie steht auf einem mehr als 4000 Quadratmeter großen Grundstück. Dort liegen in seinem Keller laut SPIEGEL Rotweine, von denen manche Flasche mehrere tausend Euro kostet.

Maschmeyer, der seit mehr als zwei Jahren mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, gerät wegen seiner Geschäftsmethoden in die Schlagzeilen: Er galt, bevor er seine Firma AWD schrittweise verkaufte, als Einpeitscher eines Strukturvertriebs. Der SPIEGEL hatte in früheren Recherchen herausgefunden, dass viele Anleger ihr Geld offenbar verloren, weil Maschmeyers AWD ihnen hochriskante Geldanlagen vermittelt hatte. Maschmeyer sprach damals von tragischen Einzelfällen, die meisten der AWD-Kunden hätten von den Finanzanlagen profitiert.

Das Ehepaar Angela Solaro-Meyer und Volker Meyer

In den Jahren 2008 und 2009 besuchten Christian und Bettina Wulff das Ehepaar Angela Solaro-Meyer und Volker Meyer in deren privaten Räumlichkeiten auf Norderney. Zum Jahreswechsel 2009/2010 war das Ehepaar Wulff erneut auf der Nordseeinsel zu Gast.

Die Meyers erscheinen - im Vergleich zu Wulffs anderen Freunden - bodenständig: Sie besitzen auf Norderney ein Süßwaren-Spezialitätengeschäft und einen Laden, in dem es alles aus Sanddorn gibt, zum Beispiel Tee oder Konfitüre - ein Familienbetrieb in dritter Generation. Angela Solaro-Meyer steht selbst hinter dem Tresen.

Die 54-Jährige ist wie ihr 65-jähriger Ehemann seit jungen Jahren Mitglied in der CDU. Heute ist sie stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbands Norderney. "Ich stamme aus einer CDU-Familie", sagte Angela Solaro-Meyer SPIEGEL ONLINE. Sie trat mit 16 Jahren in die Junge Union (JU) ein. Dort engagierte sich auch ihr künftiger Mann, er war Vorsitzender der JU Norderney.

Bei einem der sogenannten Niedersachsen-Tage der Partei lernte Solaro-Meyer dann Wulff kennen, er war damals der Vorsitzender der Schüler-Union, erinnert sie sich heute. "Das ist irre lange her." Man freundete sich an, traf sich auf Veranstaltungen und Seminaren der CDU wieder. Seitdem sei man in Kontakt, es handele sich um eine "rein private Freundschaft", es gehe dabei nicht um Vorteile. Solaro-Meyer: "Herr Wulff ist bei uns immer eingeladen, er ist unser Freund."

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