Urlaubsverzicht Heftiger Protest gegen Steinbrücks Sparvorschlag

Die Deutschen sollten künftig beim Urlaub sparen und mehr für die Altersvorsorge tun – für diesen Vorschlag erntet Finanzminister Steinbrück heftige Kritik. Laut DGB verzichten bereits jetzt Millionen auf den Urlaub. Aus der CSU kommt die Forderung, Urlaubstage zu streichen.

Berlin – Er wusste es vorher, und dennoch wagte er den Stich in ein Wespennest. Der Deutsche Gewerkschaftsbund warf Peer Steinbrück (SPD) vor, er habe ein "merkwürdiges Politikverständnis". Das für Wirtschaftspolitik zuständige DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki kritisierte, schon jetzt verzichteten Millionen Deutsche unfreiwillig auf Urlaub, weil ihnen dazu das Geld fehle. "Herr Steinbrück dagegen dürfte sich wohl jeden Urlaub leisten können."

Nach Ansicht Mateckis greift die Bundesregierung den Bürgern durch die höhere Mehrwertsteuer sowie steigende Beiträge für Rente und Gesundheit bereits tief in die Taschen. Das treffe vor allem Geringverdiener, die jetzt auch noch wegen der Kosten der sozialen Absicherung auf einen sauer ersparten Urlaub verzichten sollen.

Gleichzeitig würden durch die Unternehmensteuerreform diejenigen entlastet, denen es sowieso gut gehe. Die Nutznießer dieser Steuerpolitik müssten sich keine Gedanken darüber machen, ob sie in den Urlaub fahren können, sondern nur darüber, wohin sie fahren.

Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, sagte: "Wenn Herr Steinbrück die gut verdienenden Unternehmen gerechter besteuern würde, könnte er sich solche Ideen sparen. Das Problem in Deutschland ist nicht der Urlaub, den Millionen ohnehin nicht antreten können, sondern Politiker, die den Menschen ihren Urlaub nicht gönnen."

Aus Politik und Wirtschaft kommen derweil weitergehende Forderungen. Der CSU-Wirtschaftsexperte Hans Michelbach forderte, in "Bild", Urlaubstage zu streichen anstatt auf Urlaubsreisen zu verzichten. Er erläuterte: "Wenn schon, dann wäre es sinnvoller, über die Streichung von ein oder zwei Urlaubstagen zu diskutieren. Das würde die Wirtschaft von Kosten entlasten und Arbeitsplätze sicherer machen."

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer unterstützte seinen Fraktionskollegen: "Einen Verzicht auf ein bis zwei Urlaubstage als Gegenleistung für sichere Arbeitsplätze halte ich für sinnvoll. Gerade junge Arbeitnehmer brauchen dauerhaft verlässliche Jobs, damit sie für das Alter abgesichert sind", sagte er dem Blatt.

Auch der Chef des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, regte laut "Bild" eine Kürzung des tariflichen Urlaubsanspruchs an: "Tatsache ist, dass die Deutschen im Vergleich zu anderen einen sehr hohen Urlaubsanspruch haben. Ein Verzicht auf einige Urlaubstage wäre ein gutes Signal für das anziehende Wachstum."

asc/ddp

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