Neue Schiffe für die Marine Harte Kritik an von der Leyens Korvettenkauf

Eigentlich wollte die Verteidigungsministerin Mauscheleien im Rüstungswesen beenden. Doch nun will Ursula von der Leyen ohne Ausschreibung fünf technisch veraltete Kriegsschiffe kaufen. Das sorgt selbst in den eigenen Reihen für Ärger.

Korvette "Magdeburg" in Warnemünde
DPA

Korvette "Magdeburg" in Warnemünde

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Seit vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass die Marine fünf neue Korvetten bekommen soll, ist die Verwunderung unter Militärexperten groß. Die Kriegsschiffe vom Typ K 130 gelten als veraltet und reparaturanfällig. Frühere Korvetten konnten erst mit großer Verspätung an die Marine ausgeliefert werden. Vor allem aber staunen Verteidigungspolitiker über das Verhalten von Ministerin Ursula von der Leyen. Eigentlich wollte die CDU-Politikerin im Rüstungswesen aufräumen - und intransparente und unsinnige Projekte unterlassen. Jetzt soll das 1,5 Milliarden Euro teure Projekt ohne Ausschreibung vergeben werden. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 45/2016
Drehbuch einer Tragödie

Die milliardenschwere Bestellung der Korvetten stößt nach SPIEGEL-Informationen auf erhebliche Kritik in den Reihen der Koalition. "Der Bedarf ist groß, wir brauchen schnell zusätzliche Schiffe", sagt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels, SPD, "aber die sollten natürlich so modern wie möglich sein, also verbesserte Modelle." Im Verteidigungsausschuss beklagte sich der CDU-Abgeordnete Bernd Siebert, dass die Verteidigungsexperten bei der Entscheidung "keine Rolle" gespielt hätten. Hart ins Gericht geht auch der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe mit dem Deal. "Wir brauchen keine Nachbauten der alten Korvetten", sagt der Christdemokrat. "Wir brauchen Schiffe für die Zukunft."

Ursprünglich hatte das Ministerium den Kauf von vielseitig einsetzbaren Mehrzweckkampfschiffen ("MKS 180") angestrebt. Allerdings kam es bei diesem Projekt zu Verzögerungen. Daraufhin hatten die Haushaltspolitiker Eckhardt Rehberg (CDU) und Johannes Kahrs (SPD), in deren Heimatregionen Werften ansässig sind, die Bestellung der Korvetten vom Typ K 130 vorangetrieben.

Vertreter der Bundeswehr versuchen, von der Leyen zu stützen. Es stehe schon länger fest, dass die Korvetten dringend benötigt würden, wurde kürzlich im Verteidigungsausschuss erklärt. Bereits im Juni sei der Staatssekretärin Katrin Suder in einer Vorlage der Bedarf mitgeteilt worden.

Die Opposition hält das für wenig glaubwürdig: "Die Partikularinteressen der Abgeordneten Rehberg und Kahrs werden offenbar über das Gemeinwohl gestellt", sagt der Linken-Obmann im Verteidigungsausschuss Alexander Neu. Der Grünen-Haushälter Tobias Lindner kritisiert: "Ganz wie in alten Zeiten." Es bleibe ein "fader Beigeschmack".

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Mitarbeit: Horand Knaup



insgesamt 158 Beiträge
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dauernörgler 05.11.2016
1. Genug Nautik vorhanden.
Zum Retten reichen diese Pötte allemal.
a.peanuts 05.11.2016
2. Man könnte sich in Russland welche leasen oder kaufen
Die haben genug davon,uns es wäre viel günstiger. Ausserdem sind diese sehr robust.Sogar die Chinesen sind dort Kunden.
Dr.Ulrich 05.11.2016
3. Das wurde aber auch Zeit
Schließlich ist es ja schon wieder 2 Monate her, dass der Streit um das Sturmgewehr G36 zu Ungunsten des Verteidigungsministeriums entschieden wurde. Höchste Zeit für einen neuen Beweis dafür, dass Frau von der Leyen offensichtlich nicht wirklich in der Lage ist, dieses Ministerium zu führen.
hans_gammel 05.11.2016
4.
So läuft das auch mal eiskalt wenn jemand als ex-Familienministerin solch ein Amt bekleidet. Fehlt nur noch, das man Blaupasen für Tiger Panzer hervorholt.
Aesir 05.11.2016
5. Künstliche Aufregung
Ein kleiner Blick in die Wikipedia offenbart, das der Schiffstyp K 130 seit 2008 im Dienst ist. Das letzte Schiff dieser Klasse ist 2013 in den Dienst übernommen worden. Das heisst, wir haben diese Schiffe schon im Einsatz und anscheinend tu sie ihre Pflicht hinreichend gut. Sie sind schon unter Einsatzbedingungen getestet worden, die Besatzungen sind schon geschult und die Logistik ist mit dem Schiffstyp vertraut... Eine komplett neue Auschreibung ist völlig bescheuert. Bis eine neue Schiffsklasse entworfen, entwickelt, gebaut, die Kinderkrankheiten beseitigt sind und dann endlich im Dienst ist, dauert es geschätzt 20 Jahre. Und kostet mindestens das doppelte des veranschlagten Preises. Die Entscheidung für weitere Schiffe vom Typ K130 ist sinnvoller.
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