SPON-Regierungsmonitor Das halten die Deutschen von Ursula von der Leyen

Schickt die Kanzlerin ihre unbeliebteste Ministerin an die Spitze der EU-Kommission? Im SPON-Regierungsmonitor schneidet Ursula von der Leyen sehr schlecht ab.

Ursula von der Leyen: Vorletzter Platz im SPON-Regierungsmonitor
CLEMENS BILAN/ EPA-EFE/ REX

Ursula von der Leyen: Vorletzter Platz im SPON-Regierungsmonitor

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Noch bevor im europäischen Postenpoker endgültig klar war, dass Ursula von der Leyen neue EU-Kommissionspräsidentin werden soll, kritisierte Martin Schulz die CDU-Politikerin scharf: "Ursula von der Leyen ist die schwächste Ministerin", zürnte der Ex-SPD-Chef und ehemalige Präsident des Europaparlaments.

Mit dieser Einschätzung ist Schulz nicht allein. Ein großer Teil der Deutschen teilt diese Meinung über die politische Leistung der Verteidigungsministerin. Das zeigt der SPON-Regierungsmonitor.

Lange lag von der Leyen hier auf dem letzten Platz - teils abgeschlagen. Die rote Laterne hat die 60-jährige Christdemokratin nun zwar an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) abgegeben. Das aber heißt nicht, dass von der Leyen entscheidend an Sympathien gewonnen hätte. Vielmehr ist die Bevölkerung konstant unzufrieden mit der Verteidigungsministerin.

Seit der letzten Auswertung im Mai hat sich ihre Bewertung nur um einen Punkt auf -123 verbessert. Dass sie damit einen Platz gutgemacht hat, liegt daran, dass Scheuer regelrecht abgestürzt ist. Er steht um 13 Punkte schlechter da als in der letzten Auswertung und sechs Punkte hinter von der Leyen. Die Entwicklung geht wohl darauf zurück, dass der Verkehrsminister im Juni mit der gescheiterten Pkw-Maut ein Debakel erlebte.

Der SPON-Regierungsmonitor zeigt in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, den Koalitionsparteien und vor allem mit den einzelnen Ministerinnen und Ministern sowie der Kanzlerin. Um die repräsentativen Bewertungen vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren. (Lesen Sie hier mehr zum Verfahren.) Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Andreas Scheuer (CSU): Neues Schlusslicht beim SPON-Regierungsmonitor
Lisa Ducret/DPA

Andreas Scheuer (CSU): Neues Schlusslicht beim SPON-Regierungsmonitor

Für die schlechte Bewertung der Verteidigungsministerin gibt es viele Gründe. Zahlreiche Krisen belasten von der Leyens Behörde: die Berateraffäre, das Chaos um die "Gorch Fock", die grundsätzlichen Probleme in der Bundeswehr. Sollte das EU-Parlament von der Leyen als Kommissionspräsidentin bestätigen, dann hinterlässt sie ein Ministerium voller Baustellen für einen möglichen Nachfolger.

Die größte Verliererin in der aktuellen Auswertung des Regierungsmonitors heißt allerdings weder von der Leyen noch Scheuer, sondern Julia Klöckner (CDU). Seit der letzten Auswertung hat sie 15 Punkte verloren. Gerade seit Anfang Juni ging es noch mal abwärts. Eine mögliche Erklärung: Damals postete Klöckner ein gemeinsames Video mit Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch und wurde dafür harsch kritisiert.

Angela Merkel fällt einmal mehr positiv auf. Schon bei der letzten Auswertung hatte die Bundeskanzlerin ein Allzeithoch erreicht. Diesen Rekord hat sie jetzt mit ihrer aktuellen Bewertung von -20 Punkten nochmals übertroffen. Bemerkenswert: Zwischenzeitlich hatte Merkel stark verloren, noch am 19. Juni lag ihr Wert bei -41 Punkten. Einen Tag zuvor hatte sie ihren ersten von zwei Zitteranfällen erlitten. Direkt im Anschluss folgte ein extremer Anstieg um 21 Punkte in gut zwei Wochen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Innerhalb der Großen Koalition erfährt die Union weiter mehr Zustimmung als die SPD. Im Vergleich zur letzten Auswertung ist der Abstand aber kleiner geworden. CDU und CSU haben klar verloren (-11 Punkte), die Sozialdemokraten haben etwas zugelegt (+4). Die GroKo insgesamt ist noch unbeliebter als ohnehin schon vor knapp zwei Monaten (-8).

Und die Koalition steuert erneut auf schwere Zeiten zu: Mit der Personalie von der Leyen droht die Gefahr einer neuen Regierungskrise. Denn wie zuvor schon Schulz äußerte sich nach der Nominierung der CDU-Politikerin in Brüssel inzwischen ein zweiter früherer SPD-Vorsitzender verärgert: Die Entscheidung sei "ein Grund, die Regierung zu verlassen", sagte Sigmar Gabriel dem SPIEGEL.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
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Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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landei23 03.07.2019
1. Ich finde sie toll.
Sie ist eine hardcore Pazifistin und wird die EU abrüsten bzw mittelfristig sogar demilitarisieren. Ich finde das klasse!
v.papschke 03.07.2019
2. Ob dies ein Grund ist
die Regierung zu verlassen wie S. Gabriel meint, weiß ich nicht , aber ich kann mir vorstellen, daß im Verteidigungsministerium große Freude ausgebrochen sein könnte.
lobro 03.07.2019
3. Merkel Nachfolgerin
Ich hätte sie lieber als Merkel-Nachfolgerin gesehen anstatt Kramp-Karrenbauer. Dass mit der Bundeswehr heute kein Staat mehr zu machen ist, ist nicht ihr allein anzulasten. Da sind doch nach Helmut Schmidt doch bisher fast alle gescheitert.
haarer.15 03.07.2019
4. Wer wundert sich da noch ... ?
... über Politikverdrossenheit - bei diesem unwürdigen Geschacher. Frau von der Leyen hinterlässt ja in der Tat immense Baustellen und einen Berg an Problemen in ihrem Ressort. Wer bitte räumt denn diese Trümmer auf und schafft es, das Verteidigungsamt wieder zu einem normalen Ressort aufzubauen ? Ohne Skandale und korrupte Seilschaften ? Wobei es gerade im C-Kabinett vom Ansehen und Ranking her nicht viel besser aussieht. Eine traurige Resterampe-Truppe !
auweia 03.07.2019
5. Schwächste Ministerin?
Bitte um Vergebung, kann ich nicht finden. Sie hat für ihr Haus einiges herausgeholt - nach knapp 20 Jahren Kürzen steigt der Bw-Etat wieder. Da schneiden andere Ministerien (mit Ausnahme des permanent und deutlich stärker gewachsenen Sozialministeriums) schlechter ab. Allerdings wird es noch einige Anstrengungen erfordern, um den Verlust an militärischen Fähigkeiten, den Abbau von Personal, Fahrzeugen, Flugzeugen, Schiffen und Material, die nicht erfolgte Bevorratung mit notwendigen Teilen, die nicht durchgeführten Übungen, den Anschluß in IT- und Kommunikationstechnik und - jetzt träume ich - schließlich auch einen gewissen technischen Vorsprung zu erzielen. Vielleicht sind wir d mit dem Ziel "2%" noch nicht ambitioniert genug. Ein Nachfolger sollte unbedingt vom Fach kommen, d.h. mal Soldat/in gewesen sein. Haushalt 20 in
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